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Augsburg - In der 73. Minute purzelten gleich mehrere Steine. Als Raul Bobadilla den Ball zum 2:1 für den FC Augsburg im Tor versenkte, gab es auch für Trainer Markus Weinzierl kein Halten mehr. "Der Sieg war sehr wichtig, weil wir uns in den letzten vier Spielen aus verschiedenen Gründen nicht für unseren Aufwand belohnt haben", sagte Weinzierl, der auch dank einiger Rückkehrer wieder jubeln durfte.

So stand gegen den VfB Stuttgart Alexander Esswein erstmals seit seinem Muskelbündelriss wieder in der Startformation und leitete gleich den frühen Führungstreffer von Tobias Werner ein. In der letzten halben Stunde feierte Halil Altintop, der die vergangenen drei Spielen wegen Rückenproblemen verpasst hatte, sein Comeback. Schließlich durfte auch Sascha Mölders nach seiner Sprunggelenks-OP erstmals seit dem 15. Spieltag wieder für ein paar Minuten ran.

Altintop sorgt für mehr Struktur

Vor allem die Einwechslung von Altintop zahlte sich aus. "Als er gekommen ist, war mehr Struktur in unserem Spiel", fand Weinzierl. Auch Kapitän Paul Verhaegh freute sich über die Rückkehr des Spielgestalters. "Halil hat ein Auge für die Lücken und Räume", sagte der Niederländer und lobte vor allem Altintops Sicherheit am Ball. "Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, das brauche ich nicht ausdrücklich zu betonen, das weiß jeder."

Altintop selbst nahm das Lob dankend an: "Es war schön, dass ich nach meiner Verletzungspause wieder auf dem Platz stehen und der Mannschaft etwas helfen konnte." In der Schlussphase der Saison können die Augsburger seine Hilfe gut gebrauchen. Vom hart erkämpften Erfolg gegen den VfB erhofft sich der FCA nun zusätzlichen Schwung für den Endspurt. "Wir haben Charakter und Mentalität gezeigt und auch mit ein wenig Glück die Partie gewonnen", sagte Altintop.

Europa wieder auf dem Index

Nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg meldeten sich die Fuggerstädter mit dem Erfolg im schwäbischen Derby im Rennen um Europa zurück, auch wenn - oder gerade weil - das "E-Wort" nun wieder auf dem Index steht. "Von Europa brauchen wir nicht reden, das wollen wir ganz außen vor lassen", hatte Weinzierl im Vorfeld der Partie erklärt. Eine Taktik, die sich offenbar auszahlt. Denn nachdem die Augsburger nach dem 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg am 24. Spieltag erstmals öffentlich von der Europa League gesprochen hatten, blieben die Erfolge aus.

Und die Kritik an der Mannschaft wuchs. "Sie hat es nicht verdient, dass diese Saison irgendwie schlechtgeredet wird. Das ist mit diesem Sieg endgültig vorbei", räumte Trainer Weinzierl nun alle Zweifel beiseite. "Wir waren unzufrieden. Aber wir haben die unbefriedigenden Ergebnisse erklären können. Es waren Kleinigkeiten, die sich summiert haben."

Harte Arbeit für die großen Träume

Gegen den VfB gaben letztlich Details den Ausschlag zum Guten. Denn obwohl die Gäste am Ende mehr Torschüsse zu verzeichnen hatten, gingen die Augsburger als Sieger vom Platz. "Wir haben clever gespielt", brachte es Verhaegh auf den Punkt. Zwar entglitt den Hausherren nach dem guten Beginn gegen immer stärker konternde Stuttgarter ein wenig die Spielkontrolle, doch im entscheidenden Moment schlug der FCA zu. "Das war nicht unser bestes Spiel, aber es ist mir scheißegal, wie der Sieg zustande gekommen ist", ergänzte Verhaegh.

Dank des erlösenden Erfolgs beträgt der Vorsprung auf Platz sieben wieder fünf Punkte. Jegliche Fragen zur möglichen Qualifikation für die Europa League wiegelte aber auch Verhaegh ab. "Wir brauchen gar nicht darüber zu reden. Wir haben noch fünf Spiele und danach werden wir sehen."

Auch wenn es unausgesprochen bleibt, das Ziel hat Siegtorschütze Bobadilla jedenfalls nicht aus den Augen verloren. "Natürlich dürfen wir jetzt träumen", sagte der Argentinier, "aber für diese Träume müssen wir hart arbeiten."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz