Köln - Borussia Mönchengladbach meldet sich zurück im Kampf um die Plätze im internationalen Geschäft. Nach dem verdienten 3:2-Auswärtssieg im Derby beim 1. FC Köln trennt die Fohlen nur noch ein Punkt vom rheinischen Rivalen, den sie über weite Strecken der Partie fußballerisch eindeutig beherrschten.

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Das nackte Endergebnis im ausverkauften RheinEnergieStadion lässt nicht unbedingt auf den Spielverlauf schließen. Denn die Borussia war dem FC in allen Belangen weit höher überlegen, als es das knappe Resultat vermuten lässt. Das unterstreichen auch die Spieldaten: Die Elf von Dieter Hecking hatte mehr Ballbesitz (74 Prozent), sie schoss fast doppelt so oft aufs Tor (16:9), sie gewann mehr Zweikämpfe (55 Prozent), die Passgenauigkeit war höher (81 zu 66 Prozent) und sie foulte weniger (zehn Mal gegenüber 17 Kölner Fouls).

"Haben von der ersten Minute gezeigt, dass wir dieses Derby gewinnen wollen"

"Wir gehen heute als verdienter Sieger vom Platz", meinte daher auch der Gladbacher Trainer. "Wir haben von der ersten Minute an gezeigt, dass wir dieses Derby gewinnen wollten. Erstens, um uns nach unten weiter abzusichern und zweitens, um den Druck auf die Mannschaften über uns zu erhöhen. Das hat die Mannschaft hervorragend umgesetzt. Für mich steht unter dem Strich ein toller Derbytag, mit einem tollen Sieg für Borussia."

Trotz allem spielerischen Glanz war es aber auch ein mühsamer Erfolg, denn in punkto Effizienz konnten die Kölner dann doch mithalten. Kam der Gastgeber einmal vor das Gehäuse von Yann Sommer, wurde es auch meistens gefährlich für die Borussia. Die beiden Kölner Treffer durch Christian Clemens und Anthony Modeste waren blitzsauber herausgespielt, während die Gladbacher Tore nach einem Eckball (Jannik Vestergaard), durch eine verunglückte Flanke (Ibrahima Traore) und per Abstauber (Lars Stindl) erzielt wurden.

Wieder in Schlagdistanz nach oben

Den Gästen konnte es letztlich egal sein, wie die Treffer zustande kamen, was zählte war der siebte Sieg im elften Rückrundenspiel und ein Ausrufezeichen unter eine starke englische Woche. "Das primäre Ziel war in dieser Woche nach der Länderspielpause, dass wir den Abstand nach unten vergrößern und wir nicht mehr unten reinrutschen wollten. Das ist uns gelungen", meinte der Siegtorschütze Lars Stindl nach der getanen Arbeit.

"Der Nebeneffekt ist, dass wir Druck auf die Vereine vor uns ausüben", so der Kapitän weiter. "Wir haben gegen drei Mannschaften gespielt, die über uns standen, und sieben Punkte geholt. Wir sind wieder in Schlagdistanz. Wenn wir so wie in dieser Woche auch in den nächsten Wochen spielen werden, dann werden wir noch erfolgreich sein."

Bewegung im Kampf um Europa

Die mit nun 22 Punkten zweitbeste Rückrundenmannschaft hat im Jahr 2017 bereits acht Punkte auf den 1. FC Köln gutgemacht. Nur noch einen Zähler liegt die Elf vom Niederrhein hinter den Domstädtern. "Das vorher noch kleine Äuglein ist weiter aufgegangen und guckt nach Europa", gibt Jonas Hofmann offen zu. "Wir wollen weiter dranbleiben und die Mannschaften vor uns angreifen, um noch so weit wie möglich nach oben zu rutschen. Nach der Vorrunde hatte uns keiner mehr auf dem Zettel. Mittlerweile hat Fußball-Deutschland aber gesehen, dass wir wieder da sind."

Video: 99 Sekunden Raffael

Es ist Bewegung gekommen in die Plätz 5 bis 10. Während Hertha, Köln und Frankfurt in der Rückrunde (noch) nicht an die starken Hinserien anknüpfen konnten, haben allen voran der auf Platz 5 vorgerückte SC Freiburg sowie Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen zur Attacke geblasen. "Wir sind im großen Kampf um Europa wieder mit dabei", freute sich Borussia-Sportdirektor Max Eberl über den Coup von Köln.

Auswärts nicht mehr wiederzuerkennen

Vor allem auswärts ist Mönchengladbach gegenüber dem ersten Halbjahr überhaupt nicht mehr wiederzuerkennen. Holte die Borussia vor der Winterpause nur einen einzigen Punkt in fremden Stadien, sind es nun unter Dieter Hecking bereits 14 im Jahr 2017. So gesehen kann Gladbach die nächste Dienstreise zur TSG Hoffenheim in der kommenden Woche gelassen antreten.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski