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Freiburg - Die Brüder Daniel und Marco Caligiuri sind im tiefen Schwarzwald, in der Nähe des Ortes Villingen-Schwenningen, aufgewachsen. Marco spielt heute für Mainz, Daniel beim SC. Als SC-Trainer Robin Dutt in der 89. Minute Daniel einwechselte, machte er auf der Tribüne nicht nur 30 Verwandte, sondern auch noch 40 Freunde glücklich, wie der Mittelfeldmann nach dem Spiel erklärte: "Insgesamt waren sicher 70, 80 Leute von mir im Stadion."

Die Mehrheit der Zuschauer ging ebenso zufrieden nach Hause wie die Freunde des jüngeren Caligiuri-Bruders. Denn ihr Team, der SC, hatte mal wieder umgesetzt, was der Trainer vorgegeben hatte. Früh wurde der Gegner angelaufen, bereits weit in der gegnerischen Hälfte versuchte man, die Mainzer zu Fehlern zu zwingen. Durch konsequentes Pressing, wie das in der Fachsprache heißt, weshalb Dutt nach der Partie originellerweise davon sprach, sein Team habe "den Sieg erpresst".

Im Schatten der noch größeren Überraschungsteams

"Wir hatten die Taktik, mit der die Mainzer normalerweise spielen", konkretisierte Mittelfeldmann Jan Rosenthal. "Wir haben die Zweikämpfe in die gegnerische Hälfte verlegt und sie so zu Fehlern gezwungen. Das hat gut funktioniert, wir sind so zu unseren Chancen gekommen. Deshalb ist der Sieg auch vollauf verdient."

Heimlich, still und leise hat sich der SC im bisherigen Saisonverlauf auf der Erfolgsspur eingenistet. Das Team ist nicht auf Platz 2 wie die Mainzer, die so viele fulminante Spiele gezeigt haben, nicht auf Platz 3 wie die Frankfurter Eintracht, deren Erfolg sich so medientauglich am Torjäger Theofanis Gekas festmachen lässt - sie standen im bisherigen Saisonverlauf also stets ein wenig im Schatten eines jeweils noch überraschenderen Überraschungsteams.

Dabei ist ein wenig übersehen worden, dass der SC Freiburg mittlerweile 18 Punkte aus elf Spielen gesammelt hat und nur wegen der schlechteren Tordifferenz auf Platz 8 und nicht auf Platz 5 rangiert. Offiziell ist es ihnen ganz recht, dass die Konkurrenz die positiven Schlagzeilen abbekommt, inoffiziell findet man das durchaus ein wenig ungerecht, wie Dutts Formulierung verdeutlicht, wonach sein Team gegen Mainz "ein besonderes Spiel" gewonnen habe.

"Polster für die nächsten schweren Aufgaben"

Ein positiver Nebeneffekt am medialen Schattendasein der Breisgauer ist auf alle Fälle, dass einem das vereinstypische Understatement nicht als Tiefstapelei, sondern als Realismus ausgelegt wird, weshalb Mittelfeldmann Julian Schuster auch schon kurz nach dem Schlusspfiff darauf hinwies, dass man nun ein "Polster für die nächsten schweren Aufgaben" gesammelt habe. Am kommenden Sonntag muss der SC nach Hoffenheim, danach kommt mit Borussia Dortmund das derzeit wohl stärkste Bundesligateam ins Südbadische.

Da tut die Erkenntnis gut, dass sich der ein oder andere Wackelkandidat im Team in den vergangenen Wochen deutlich stabilisiert hat. Ömer Toprak, hochveranlagter Innenverteidiger, war zu Saisonbeginn die fehlende Spielpraxis noch deutlich anzumerken. Hätten sich Heiko Butscher und Pavel Krmas nicht verletzt, hätte man ihm wohl noch einige Wochen zusätzlicher Rekonvaleszenzzeit eingeräumt. Gegen Mainz war Toprak erneut einer der Besten auf dem Platz - zusammen mit dem Innenverteidigerkollegen Oliver Barth, der zu Zweitligazeiten noch Ersatzmann war.

Beim SC wächst etwas zusammen, das wollen sie bei aller verbalen Zurückhaltung dann doch nicht dementieren. Wie sagte doch Stürmer Stefan Reisinger so schön? "Im Moment macht es einfach riesigen Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen."

Christoph Ruf