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Köln - Eintracht Braunschweig steht vor wegweisenden Spielen. In den kommenden beiden Partien gegen den Hamburger SV und beim 1. FC Nürnberg sollten sich die Niedersachsen keinen Ausrutscher mehr leisten, wenn sie angesichts von aktuell fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz die Hoffnungen auf den Klassenerhalt noch aufrechterhalten wollen. Vor dem Nordderby am Samstag gegen den HSV (ab 15 Uhr im Live-Ticker) sprach bundesliga.de mit Innenverteidiger Ermin Bicakcic.

bundesliga.de: Herr Bicakcic, Sie kommen etwas später zum Interview, weil Sie noch ein paar Sonderschichten eingelegt haben. Was stand auf dem Programm?

Ermin Bicakcic: Ein paar Extraschichten gehören für mich immer dazu. Ich habe für mich individuell ein paar Kopfbälle trainiert, da ich in letzter Zeit ein bisschen Pech mit Kopfbällen bei Offensivaktionen hatte. Manchmal muss man das nötige Glück in Spielen erzwingen. Dafür trainiere ich dann zusätzlich.

bundesliga.de: Eine gute Sache. Wie schätzen Sie die bisherigen Leistungen der Eintracht in der Rückrunde ein?

Bicakcic: Beim ersten Spiel in Bremen haben wir einen Punkt geholt. Man darf nicht vergessen, dass Werder eine gute Truppe hat, auch wenn es in der Vergangenheit bei ihnen nicht so rund lief. In Bremen haben wir ein ordentliches Spiel gezeigt. Wir hätten das Spiel auch gewinnen können, am Ende war es ein gerechtes Unentschieden. Der Punkt war wichtig. Gegen Dortmund haben wir ein sehr starkes Spiel absolviert. Leider haben wir nicht gepunktet, das war sehr schade, weil ich in der letzten Minute noch die Chance zum 2:2 hatte. Auch da wäre ein Punkt verdient gewesen. Die Leistung in Frankfurt war dann nicht so gut, da haben viele Dinge nicht geklappt. Aber solche Tage gibt es auch. Wir haben jetzt am Wochenende wieder die Chance, wichtige Punkte zu machen. Dafür werden wir alles tun.

bundesliga.de: Die Gesamtsituation ist im neuen Jahr für die Eintracht schlechter geworden. Konkurrenten wie Freiburg, Frankfurt und Nürnberg haben fleißig gepunktet. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt jetzt fünf Punkte. Wie kritisch ist die Situation?

Bicakcic: Wir schauen weniger auf die anderen, wir müssen auf uns schauen. Was die Konkurrenz macht, ist nicht unser Ding. Wir wissen schon, dass wir in jedem Spiel unser Bestes geben und um jeden Punkt kämpfen müssen. Für uns zählt jeder Punkt gegen jeden Gegner, da ist es auch egal, ob wir gegen einen Tabellennachbarn spielen oder nicht. Wir sind noch in Schlagdistanz zu den Konkurrenten. Die Chance ist definitiv noch da. Wir werden unseren Weg weiter gehen. Und dann schauen wir im Mai, was am Ende rausgekommen ist.

bundesliga.de: In drei der nächsten vier Spiele tritt die Eintracht gegen direkte Konkurrenten an. Erst gegen den Hamburger SV, dann gegen den 1. FC Nürnberg und später gegen den VfB Stuttgart. Da sollte sich die Eintracht keine Niederlage erlauben.

Bicakcic: Wie gesagt, für uns ist jeder Punkt wichtig. In Spielen gegen Dortmund oder Leverkusen, die zu den vermeintlich stärksten Mannschaften der Bundesliga zählen, erwartet keiner Punkte von uns. Trotzdem geht es auch in den Spielen um drei Punkte, die man erkämpfen will und muss. Jedes Spiel ist wichtig.

bundesliga.de: Wie groß ist Ihre Überzeugung, dass die Eintracht den Klassenerhalt noch packt?

Bicakcic: Die Überzeugung ist sehr groß. Dafür arbeiten wir Tag für Tag. Es wäre falsch, Zweifel zu haben und pessimistisch zu denken. Wir werden bis zum letzten Spieltag alles ausschöpfen und die Köpfe oben behalten. Nur so können wir unsere Ziele erreichen.

bundesliga.de: Was spricht für die Eintracht?

Bicakcic: Es hat eine enorme Entwicklung von Spiel zu Spiel stattgefunden in dieser Saison. Wir spielen jetzt mutiger, selbstbewusster als am Anfang der Saison. Das Auftreten ist anders. Ansonsten zeichnet uns aus, dass wir unbequem zu spielen sind und die Gegner überraschen können, weil sie mit Eintracht Braunschweig nicht rechnen.

bundesliga.de: Dagegen hat sich der Torabschluss in der Rückrunde noch nicht spürbar verbessert. Warum drückt in der Offensive nach wie vor der Schuh?

Bicakcic: So wie man sagt, dass bereits vorne die Defensivarbeit beginnt, gilt das auch im Umkehrschluss. Ich hatte als Innenverteidiger auch meine Torchancen und hätte ein oder zwei Tore schießen müssen. Es ist erlaubt, dass jeder ein Tor schießt. Für uns ist es wichtig, dass wir gute Defensivarbeit verrichten, kompakt stehen. Zu Torchancen kommen wir immer. Dann muss jeder Einzelne den Killerinstinkt haben, das Tor zu machen. Auch für einen 1:0-Sieg gibt es bekanntlich drei Punkte.

bundesliga.de: Wie zufrieden sind Sie persönlich mit Ihrer ersten richtigen Bundesliga-Saison?

Bicakcic: Das Ego muss man in diesem Jahr definitiv hinten anstellen. Wir stehen auf Tabellenplatz 18. Es gibt positive Dinge, aber auch viele, an denen wir arbeiten müssen. So auch ich. Ich bin 24 Jahre alt und bin kein fertiger Spieler. Ich muss noch viel lernen und kann mich in vielen Bereichen noch entwickeln. Das Vertrauen vom Trainerteam ist da, das spüre ich.

bundesliga.de: Jetzt spielt die Eintracht am Samstag gegen den HSV, der unter der Woche noch ein schweres Pokalspiel zu absolvieren hatte. Außerdem herrscht dort eine große Unruhe. Ist der Gegner dadurch eher gefährlicher?

Bicakcic: Angeschlagene Boxer sind die gefährlichsten. Der HSV hat eine große individuelle Klasse. Normalerweise erwartet man solche Leistungen wie in den letzten Wochen nicht. Das ist unsere Chance. Wir müssen jetzt zuschlagen und versuchen, das Optimum gegen den HSV herauszuholen. Vor unserer Kulisse ist jeder dazu aufgefordert auf dem Rasen ein Feuerwerk abzubrennen.

bundesliga.de: Hat die Partie für Sie dennoch Endspielcharakter, wenn die Eintracht noch realistische Chancen auf den Klassenerhalt besitzen will?

Bicakcic: Nein, es ist eine weitere Chance, wichtige Punkte für den weiteren Verlauf zu holen. Wir lassen uns nicht davon beeinflussen, wenn in den Medien diese Spiele als wichtiger angesehen werden als andere. Als Spieler muss man professionell damit umgehen und das Spiel genauso angehen, wie jedes andere Spiel. Wir müssen aggressiv und mutig spielen und alles zeigen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski