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Gelsenkirchen - Da stand er nach dem Spiel und lächelte gewohnt charmant.

"Ich glaube schon, dass ich meinen Torriecher noch habe", ließ Raul entspannt übersetzen. Ausgerechnet nach der massiven Diskussion der letzten Tage um seine Rolle auf dem Platz avancierte der 33-Jährige beim 3:0-Sieg gegen St. Pauli zum Matchwinner. Zuerst netzte der Stürmer nach Flanke von Uchida aus fünf Metern ein, später staubte er aus zwei Metern zu seinem ersten "Doppelpack" in der Bundesliga ab.

Zum Glück gezwungen

Diese Abstaubertore waren kein Zufall. Gegen den Aufsteiger aus Hamburg agierte Raul erstmals konsequent da, wo er nach allgemeiner Auffassung seine größten Stärken hat und für jeden Gegner zu einer Gefahr wird - im gegnerischen Strafraum. "Die Order war, ihn ein bisschen mehr nach vorne zu ziehen, dass er sich nicht so oft fallen lässt", gewährte Christoph Metzelder einen Einblick in die Strategie.

Indem die gesamte Mannschaft höher stand, sollte Raul quasi zu seinem Glück gezwungen werden - mit Erfolg. Auch sein erstes Bundesligator gegen Gladbach hatte Raul aus dem Strafraum heraus erzielt. Und auch diesmal hielt der Spanier konsequent seinen Platz im Sturmzentrum neben Huntelaar und verbuchte am Ende neben seinen beiden Treffern mit fünf Versuchen auch die meisten Torschüsse.

Alle Freiheiten vom Trainer

Dass der Stürmer in den restlichen Saisonspielen stets mehr im Mittelfeld zu finden war, hatte ihm zwar ein Fleißkärtchen eingebracht. "Aber ich würde mir mehr Aktionen von ihm im Strafraum wünschen", hatte auch Magath vor der Partie gegen St. Pauli deutlich mehr Effektivität angemahnt.

Raul selbst reagierte nach seinen Saisontreffern Nummer zwei und drei in einer Mischung aus Gelassenheit und Beratungsresistenz auf die Diskussion um seine Spielweise: "Das kenne ich schon, das gehört zum Geschäft. Das ist mir egal."

Zu einem Eingeständnis, als Vollstrecker ganz vorne wertvoller für die Mannschaft zu sein, wollte sich der stolze Spanier nicht durchringen: "Dieses Mal hat es gepasst, dass ich weiter vorne gespielt habe. Manchmal muss ich mich aber auch zurückfallen lassen, um der Mannschaft zu helfen. Vom Trainer habe ich alle Freiheiten." Was Magath bestätigte: "Das entscheidet Raul selbst."

Lob vom Sturmpartner

Es bleibt also abzuwarten, ob der erste Heimsieg der Schalker zugleich die Wiedergeburt des Strafraumspielers Raul war, der in der Nähe des gegnerischen Tores auf seine Chance lauert. Die Gäste aus St. Pauli ließen es zu, dass sich die Schalker Mannschaft weit nach vorne schob. Aber schon in Wolfsburg könnte das wieder anders aussehen.

Einer jedenfalls ließ wenig Zweifel, wo er Raul auch in den nächsten Wochen sehen will - möglichst eng neben sich. Seine Forderung kleidete Klaas-Jan Huntelaar aber in ein höfliches Kompliment: "Raul hat gezeigt, wie gut er in der Spitze ist. Und die Tore waren ein gutes Beispiel, dass es hilfreich ist, mit zwei Spielern am Strafraum zu spielen. Ich bin froh, ihn da vorne an meiner Seite zu haben."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte