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Mit seinem "Dreierpack" gegen Hannover 96, seinem ersten in der Bundesliga, übernahm Patrick Helmes nach dem 5. Spieltag gemeinsam mit Hoffenheims Vedad Ibisevic die Führung in der Torjägerliste.

Ex-Nationalstürmer Fredi Bobic ist von der Entwicklung des Leverkuseners im Interview mit bundesliga.de begeistert: "Er kommt mit dem System bei Bayer sehr gut klar, verfügt über eine hohe Schnelligkeit und Kombinationssicherheit."

Besonders die Kaltschnäuzigkeit des 24-Jährigen imponiert dem Torschützenkönig der Saison 1995/96. "Er nutzt beinahe jede Situation zum direkten Weg aufs Tor und zum direkten Abschluss", lobt Bobic. Er traut Helmes die Torjägerkanone zu und erwartet den Durchbruch in der Nationalelf.

bundesliga.de: Herr Bobic, der Stürmer der Stunde in der Bundesliga heißt Patrick Helmes nach seinem "Dreierpack" gegen Hannover und inzwischen sechs Saisontoren. Sind Sie überrascht von seiner Leistung?

Fredi Bobic: Richtig überrascht nicht, aber mich wundert es, wie unheimlich schnell er in Leverkusen angekommen ist. Er hat den Verein gewechselt, da ist es nicht gewöhnlich, dass man die Umstellung so schnell schafft. Helmes hat es bewältigt.

bundesliga.de: Was zeichnet den Torjäger Helmes aus?

Bobic: Er kommt natürlich mit dem System bei Bayer sehr gut klar, bewegt sich unheimlich gut. Er setzt das fort, was ihn auch schon in Köln ausgezeichnet hat. Er verfügt über eine hohe Schnelligkeit und Kombinationssicherheit mit den Mitspielern. Was mir allerdings am meisten imponiert, ist sein Abschluss, der oft auch risikoreich ist. Er nutzt beinahe jede Situation zum direkten Weg aufs Tor und zum direkten Abschluss. Dadurch ist er auch sehr zielsicher.

bundesliga.de: Bayer Leverkusen überzeugt bisher mit erfrischendem Angriffsfußball. Wie wichtig ist so eine offensive Spielweise für einen Stürmer?

Bobic: Da muss man sich natürlich auch einfügen. Das Pressing und die offensive Verteidigung von Leverkusen, dieses Jagen des Balles schon in der gegnerischen Hälfte, helfen ihm. Dadurch ist der Weg zum Tor um einiges kürzer. Aber diese Arbeit macht er auch. So kommt er oft zum Abschluss und erlangt Sicherheit. Mit seinen Nebenleuten wie Stefan Kießling und Renato, der ein fantastischer Spieler ist, hat Helmes auch richtig gute Zulieferer.

bundesliga.de: Welchen Anteil hat Trainer Bruno Labbadia, selbst ein erfolgreicher Bundesliga-Stürmer, an Helmes' Lauf?

Bobic: Der Anteil von Bruno Labbadia ist groß. Er will diesen Fußball sehen, liebt diesen Stil und lebt diesen Offensivdrang vor. Er hat in Leverkusen die Mannschaft dazu und die setzt es hervorragend um.

bundesliga.de: Helmes hat mit seinem Wechsel von Köln nach Leverkusen offenbar alles richtig gemacht, spürt Vertrauen und hat jetzt sogar vorzeitig seinen Vertrag verlängert. Gibt ihm dieses intakte Umfeld noch mal einen Schub?

Bobic: Mit Sicherheit. Es ist gerade für einen jungen Spieler wichtig, dass du dich wohlfühlst und reinpasst. Wenn du dann in einer Mannschaft bist, die sich sogar noch in der Entwicklung befindet, ist das ein Riesenvorteil. Das alles wird ihm bei Bayer viel helfen. Die Vertragsverlängerung ist auch gut für Leverkusen. Falls Patrick Helmes in dieser Regelmäßigkeit weiter trifft und ein ganz großer Club anklopft, ist die Ablöse natürlich umso höher.

bundesliga.de: Wenn der Führende in der Torjägerliste ein Deutscher ist, ist automatisch die Nationalmannschaft ein Thema. Wie schätzen Sie Helmes' Chancen im DFB-Trikot ein?

Bobic: Es liegt an ihm selber. Er ist bei Jogi Löw ja schon auf der Liste und hat auch schon gespielt (7 Einsätze, Anm.d.Red.). Je mehr er auf sich aufmerksam macht - leider steht ihm in dieser Saison nicht der Europapokal zur Verfügung - desto schneller macht er den nächsten Schritt. Von seiner Qualität her muss er sich vor keinem Stürmer verstecken.

bundesliga.de: Wo steht er im Vergleich zu den Konkurrenten Klose, Podolski, Gomez und Kuranyi?

Bobic: Helmes fehlt einfach noch diese internationale Reputation. Länderspiele hat er noch zu wenige, Europapokalspiele gar keine. In der Nationalmannschaft wird er sicherlich in dieser Saison noch einige Möglichkeiten bekommen, die er versuchen muss zu nutzen. Denn der internationale Fußball unterscheidet sich schon. Dort kann ein Spieler wichtige Erfahrungen sammeln und die nötige Reife erlangen.

bundesliga.de: Wie sieht Ihre persönliche Top-5 der Bundesliga-Stürmer aus?

Bobic: Das ist schwierig am Anfang der Saison. Der eine Stürmer trifft mal schneller und versinkt dann wieder länger in der Versenkung. Für mich hat die Saison noch gar nicht so richtig begonnen. Jetzt im Herbst mit den Europapokalspielen geht's los. Daher ist das noch zu früh. Klar sind Helmes und Vedad Ibisevic gut gestartet, auch Luca Toni ist nach seiner Verletzung wieder da, Artur Wichniarek trifft. Nach zehn Spieltagen zeichnet sich aber erst ein verlässlicherer Trend ab. Auch Helmes muss seine Form stabilisieren. Man wird jetzt mehr auf ihn schauen, und die Gegner werden sich auf ihn einstellen. Er wird mehr gejagt.

bundesliga.de: Sie wurden 1996 Torschützenkönig. Wer holt sich in dieser Saison die Krone?

Bobic: Das ist auch so eine Sache. Wenn Helmes das über die ganze Saison durchziehen kann, ist er ein Kandidat. Mario Gomez, Luca Toni und auch Miroslav Klose sind immer in der Auswahl dabei. Claudio Pizarro und Markus Rosenberg haben wir auch noch. Es ist insgesamt eine große Dichte vorhanden, und das macht die Spannung aus.

Das Gespräch führte Tim Tonner