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Sieben Punkte aus drei Partien, Platz 3. Natürlich ist man in Dortmund über die Platzierung nicht unglücklich. Es hat allerdings den Anschein, als ob die traditionelle Rivalität mit dem "königsblauen" Nachbarn die Freude ein wenig eindampft.

Schließlich ist Schalke Tabellenführer. Und das muss ja nun wirklich nicht sein. Aus Dortmunder Sicht jedenfalls.

Jürgen Klopp weiß, was Sache ist

Jürgen Klopp hat sich mit der ureigenen Derby-Charakteristik längst arrangiert. Der neue BVB-Trainer könnte ja den Versuch unternehmen, das erfolgreiche Hier und Jetzt zu befeiern und das Duell gegen den Nebenbuhler aus Gelsenkirchen befremdlich als "ein Spiel wie jedes andere" zu bezeichnen. Am besten mit dem erschreckenden Zusatz: "Für einen Sieg gibt es auch nur drei Punkte."

Hat man ja irgendwie alles schon mal so gehört. Ein solches Understatement funktioniert in diesem Fall natürlich nicht. Jürgen Klopp weiß das. Die fußballerische Leidenschaft entlädt sich bei ihm an der Seitenlinie in regelmäßigen Schüben derart rumpelstilzchenhaft, dass man befürchten muss, der Dortmunder Coach würde sich vor laufenden Kameras gleich selbst in der Luft zerreißen. Aus Dr. Jürgen Jeykll wird dann Mr. Hyde-Klopp. Der 41-Jährige ist also bestens vorbereitet.

Die Tabelle ist erstmal schnurzpiepegal

Die Euphorie über den 3. Tabellenplatz sei "zu diesem Zeitpunkt gar kein Problem", erklärt er. Der "Zeitpunkt", das heißt dieser Tage: vor dem Derby gegen Schalke.

Klopp weiß selbst, dass diese sportliche Situation zu eben diesem Zeitpunkt für alle Beteiligten so interessant ist wie ein Häkelkurs im freien Frühstücksfernsehen. Es interessiere "keinen Menschen in Dortmund. Denn es geht allen darum, dass wir jetzt gegen Schalke gewinnen".

Nicht wenige Dortmunder Fans setzen einen Derbysieg gegen den Erzrivalen mit dem Gewinn der Meisterschaft gleich. Zumindest am entsprechenden Spieltag. Andersherum verhält es sich wohl ähnlich. Schließlich will S04-Kapitän Marcelo Bordon nach eigener Aussage sein Team mit einer Entschlossenheit aufs Feld führen, als handele es sich um ein Finale.

Epizentrum Südtribüne

Ein Finale mit Hin-und Rückspiel, wie früher im UEFA-Pokal. So wird die inoffizielle Revier-Meisterschaft alljährlich ausgespielt. Und die "kleinen" Rivalen aus Bochum und Duisburg dürfen ab und an das Zünglein an der Waage spielen und für Überraschungen sorgen. Die direkten Duelle zwischen Dortmund und Schalke sind aber natürlich von weitaus größerer Brisanz. Und die Stimmung ist atemberaubend.

Wenn am Samstag die Dortmunder Südtribüne den Ton angibt, dann schwappt den VIPs im "Rote Erde Club" schon mal der Schampus aus dem Gläschen.

100 Meter breit, 52 Meter tief und 40 Meter hoch, das Epizentrum im "Dortmunder Süden", die Wand aus Fans. "Bist du der Gegner, erdrückt sie dich. Hast du sie als Torwart im Rücken, ist es ein phantastisches Gefühl", erklärte einmal BVB-Keeper Roman Weidenfeller die emotionale Reizüberflutung, die von der Süd ausgeht.

Ring frei!

Jürgen Klopp will diese Atmosphäre nutzen: "Wir müssen Emotionen und Reiz so bündeln, dass daraus Kraft entsteht", erklärte er im "kicker".

Wenn die Spieler diese Ansätze physikalischer Psychologie tatsächlich beherzigen sollten, könnte es am Samstag um 15:30 Uhr zu einem Schwergewichtskampf im Revier kommen.

Michael Wollny