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Mönchengladbach - An ihren Schals sind sie zu erkennen, die ganz speziellen Fans von Borussia Mönchengladbach. Verteilt über den gesamten Niederrhein gibt es mittlerweile 66 von ihnen, Tendenz steigend.

Wenn Werner Lessenich zu seinen Fahrradtouren aufbricht, dürfen zwei Dinge nicht fehlen: sein Borussia-Schal und seine Kamera. Ausgangspunkt ist das kleine Städtchen Tönisvorst zwischen Krefeld und Mönchengladbach. Ziel sind Denkmäler in der Region, die der 63-Jährige als potentielle "eiserne Fans" auserkoren hat. Am Objekt angekommen hängt er der Statue den Borussia-Schal um und bittet zum Fotoshooting.

Fünf Hobbys verbunden

Auf der Internetseite www.eisernefans.de ist seine umfangreiche Sammlung zu bewundern. Zu jedem "Fan" gibt es Informationen über den Künstler, eine kleine Geschichte mit aktuellem Borussia-Bezug und nicht zu vergessen die GPS-Koordinaten des Kunstwerks sowie die exakte Luftlinien-Entfernung zum Anstoßpunkt des Borussia-Parks.

Mit seinem ungewöhnlichen Projekt verbindet Lessenich gleich fünf seiner Hobbys: Heimatkunde, Radfahren, Fotografieren, Internet und natürlich die Leidenschaft für Borussia Mönchengladbach. "Ende der sechziger Jahre war ich zum ersten Mal bei einem Spiel auf dem Bökelberg. Da hat es mich gepackt", erinnert er sich.

Nur ein Denkmal pro Ort

Anfang 2009 kam dem leidenschaftlichen Radfahrer dann die ungewöhnliche Idee. Wie es wohl wäre, auf seinen Radausflügen den Figuren den Schal mit der berühmten Raute umzuhängen, dachte er und machte sich auf den Weg zu den ersten "Eisernen".

Für seine Exkursionen hat er sich bestimmte Regeln auferlegt. In jedem Ort oder Stadtteil kommt nur ein Denkmal infrage und jedes Ziel muss mit dem Fahrrad bereist werden. Bei anspruchsvollen Entfernungen können so gut und gerne mal an einem Tag 120 Kilometer im Sattel fällig werden.

Mythos Borussia

Informationen über seine Touren hat der pensionierte EDV-Betriebswirt in einem Ordner, auf dem der Aufdruck "Mythos Borussia" zu lesen ist, sorgfältig abgeheftet. Auch die Planung für künftige "Einsätze" ist darin zu finden.

"Da ich mich mit Heimatkunde gut auskenne, suche ich gezielt nach neuen Denkmälern in der Region", so Lessenich, der häufig auch per Zufall durch Zeitungs- oder Fernsehberichte oder bei seinen Nachforschungen im Kreisarchiv fündig wird. Die Recherchen zu seinen Objekten gehen inzwischen so weit, dass er sogar Städte und Gemeinden mit Informationen zu Statuen und Künstlern versorgen kann.

"Keine andere Homepage bietet ähnlich ausführliche Informationen zu Denkmälern am Niederrhein", sagt er nicht ohne Stolz. In seinem Gästebuch wurde er unlängst von einer Besucherin als "positiv bekloppter Fan" bezeichnet. Lessenich selbst hält diese Beschreibung für durchaus zutreffend.

Alle Höhen und Tiefen erlebt

Auf seinen Fahrradtouren, die er am liebsten alleine antritt, bekommt er ob seines ungewöhnlichen Hobbys von den Menschen meist eine positive Resonanz. "Die Leute finden es interessant, was ich mache. So kommt man schnell ins Gespräch", so Lessenich, der sich momentan besonders an der überraschenden Entwicklung "seiner" Borussia erfreut.
"Letzte Saison sind wir durch die Hölle gegangen. Diese Saison läuft es bislang unglaublich gut. Erst wenn man mal alle Höhen und Tiefen erlebt hat, ist man ein richtiger Fan", findet er.

Weil er bereits nahezu alle Ziele in der näheren Umgebung abgefahren hat, werden die Entfernungen folglich immer größer, so dass er inzwischen auch schon Touren mit Übernachtung absolviert hat. Zuletzt war er in dem kleinen Ort Thorn bei Roermond in den Niederlanden und hat sich dem "Monument voor de Muziek" gewidmet.

Köln spielt keine Rolle

Die nächsten Fahrten für 2012 sind schon geplant. Dabei stehen unter anderem Kleve, Emmerich und Aachen auf dem Plan. Auch bei "Auswärtsspielen" - Ausnahme von der Regel: Urlaubsreisen ohne Fahrrad - wird noch das ein oder andere Denkmal hinzukommen.

Ein Ziel spielt in der Planung allerdings keine Rolle. "Dem Denkmal von Tünnes und Schäl in Köln einen Borussia-Schal umzuhängen, kommt für mich nicht infrage", schmunzelt Lessenich. Als Gladbach-Fan wohl nur allzu verständlich.

Markus Hoffmann