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Am letzten Spieltag der Hinrunde der Bundesliga-Saison 2008/09 tat Lucien Favre das, was Trainer tun, um einem Spiel den entscheidenden Impuls zu geben. Er wechselte seine Spieler. Das tat der Coach von Hertha BSC dann auch gleich drei Mal innerhalb von sieben Minuten.

Allerdings gelang ihm damit ein seltenes Kunststück: Denn Raffael (eingewechselt in der 63. Minute), Fabian Lustenberger (68.) und Valeri Domovchiyski (70.) trafen allesamt beim 4:0-Sieg der Berliner gegen den Karlsruher SC - interessanterweise in umgekehrter Reihenfolge zur Einwechslung.

Hertha vor Bayern und dem BVB

Damit bewies Favre eindeutig sein gutes Händchen für echte Joker. Denn durch die Tore des Trios erklomm Herthas Trainer den Thron des "Einwechselkönigs der Bundesliga". Acht Treffer machten Berliner Einwechselspieler in der laufenden Spielzeit.

Doch der Jürgen Klinsmann und Jürgen Klopp sind dem Schweizer dicht auf den Fersen. Der Trainer des FC Bayern München und sein Pendant von Borussia Dortmund konnten sich in der Hinrunde über je sechs Joker-Tore freuen. Für den BVB markierte zuletzt Nuri Sahin das Tor, welches den Unterschied beim 2:1 der Dortmunder gegen Mönchengladbach machen sollte.

Auch der Anteil der Jokertore spricht für die Berliner. 29,6 Prozent aller Hertha-Tore fielen durch Einwechselspieler (acht von 27). Auf Platz 2 in dieser Wertung folgt Energie Cottbus. Ein Viertel aller zwölf Saisontreffer wurden durch Joker erzielt (drei Tore).

KSC arm an echten Jokern

In den vergangenen Jahren bewies vor allem Thomas Schaaf ein gutes Händchen für Joker. In den Spielzeiten 2006/07 und 2007/08 schoss Werder Bremen die meisten Tore durch Einwechselspieler - in der laufenden Saison erzielte Boubacar Sanogo das einzige Jokertor für die Hanseaten.

Besonders wenige Joker sitzen traditionell auf der Bank des KSC. Alexander Iashvili schoss am 12. Spieltag das erste Karlsruher Jokertor seit März 2007. Damals traf Jan Männer beim 2:1-Sieg der Badener in Paderborn. Der KSC spielte zu jener Zeit in der 2. Bundesliga. Der letzte Karlsruher, der vor Iashvili in der Bundesliga nach einer Einwechslung traf, war Gunther Metz im Mai 1998.

Borowski in ungewohnter Rolle

Der Topjoker der Bundesliga ist nach dem Ende der Hinrunde Tim Borowski. Vier Mal traf er als Einwechselspieler für den FC Bayern, am 17. Spieltag in Stuttgart schoss er sein erstes Tor für seinen neuen Arbeitgeber als Startspieler. Bei Werder Bremen schoss er kein einziges seiner 23 Tore als Einwechselspieler.

Alexander Frei traf drei Mal als Joker - bereits ein Mal öfter als in der vergangenen Saison. Unvergessen bleibt sein Kurzauftritt beim 3:3 gegen Schalke. In der Halbzeit wurde er beim Stand von 0:2 eingewechselt. Das 1:3 bereitete der Angreifer vor, die letzten beiden Tore schoss er selbst.

Valeri Domovchiyski ist ein reiner Joker. In keinem seiner 15 Bundesliga-Spiele war er vor dem Seitenwechsel auf dem Platz. Kurios: Seine drei Saisontore schoss der Bulgare für Hertha jeweils maximal fünf Minuten nach seiner Einwechslung.

Sebastian Stolz