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Vollgas wollte Jürgen Klopp mit seinem BVB nach eigenen Worten auch in dieser Saison geben. Doch der schwarz-gelbe Motor stottert bislang - und der Verein sucht die Erfolgsspur.

Dass der BVB am Samstag das so genannte Topspiel des Tages bei Borussia Mönchengladbach bestreitet, quittiert man in Dortmund dieser Tage eher mit einem gequälten Lächeln.

Von einem Spitzenplatz sind die Schwarz-Gelben nach der Derby-Niederlage gegen den FC Schalke 04 ebenso weit entfernt wie vom eigenen Anspruch auf Vollgas-Fußball. Wo gestern noch Euphorie herrschte, ist heute Nachdenklichkeit angesagt.

"Keine gute Situation für uns"

Gerade einmal ein Sieg aus sieben Partien hat den BVB auf Rang 15 der Tabelle abrutschen lassen. Für die Borussia war es der schlechteste Saisonstart seit 24 Jahren.

Noch vor wenigen Woche war sich Jürgen Klopp im Gespräch mit bundesliga.de "sicher, dass wir noch etwas draufpacken können." Jetzt wirkt auch er zumindest für den Moment desillusioniert: "Das ist keine gute Situation für uns. Wir müssen schnell wieder in die Spur finden."

Viel Aufwand, aber "zu kopflos"

Ursachenforschung ist angesagt beim BVB, um in Mönchengladbach die Wende zum Guten einleiten zu können. Ausgerechnet in Gladbach. Hier verpasste der BVB im letzten Saisonspiel Ende Mai nur hauchdünn die Europapokalteilnahme. Hier bekam die schwarz-gelbe Euphorie einen ersten Knacks. Und hier muss jetzt am Samstag ein zählbarer Erfolg her. Das sieht auch Mittelfeld-Regisseur Tamas Hajnal so: "Für uns zählt jetzt nur, dass wir Punkte holen. Das muss in die Köpfe rein!"

Spielerisch ist nicht alles schlecht, was der BVB in dieser Saison zeigt. Bei der 0:1-Derbyniederlage gegen Schalke betrieben die Dortmunder einen hohen Aufwand, hatten fast 60 Prozent Ballbesitz. Genutzt hat es indes wenig - "auch, weil wir in der zweiten Halbzeit viel zu kopflos angerannt sind", wie Roman Weidenfeller kritisiert.

"Müssen mehr zum Abschluss kommen"

Zu leicht, das meint auch der Torhüter, lässt sich die Mannschaft manchmal vor allem nach Gegentoren von ihrem Spiel abbringen, verliert zu schnell die Ruhe und wird in der Wahl ihrer Mittel unsicher. Auch eine Frage des Selbstvertrauens, das der bislang unbefriedigende Saisonverlauf nicht gerade gefördert hat.

Größtes Problem des BVB aber ist der mangelnde Ertrag, der in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. "Wir müssen unbedingt mehr zum Abschluss kommen", fordert Hajnal. Und öfter treffen. Ohne echten "Knipser" - Alex Frei erzielte in der vergangenen Spielzeit zwölf Tore und verbuchte acht Vorlagen - steckt die Mannschaft in einer Ergebniskrise. Der Regisseur will die fehlende Durchschlagskraft aber nicht nur am Sturmpersonal festmachen. "Jeder ist dafür verantwortlich, Tore zu schießen. In der letzten Spielzeit hat das doch auch geklappt", sagt Hajnal.

Abwehr sucht die Sicherheit der Vorsaison

In der Vorsaison trugen sich neben den Stürmern auch Hajnal (5 Tore), Sebastian Kehl (5), Neven Subotic (6) sowie Florian Kringe (4) und Felipe Santana (4) mehrfach in die Torjägerliste ein. Kringe wurde inzwischen an Hertha BSC ausgeliehen; Kehl konnte bislang noch keine Minute spielen und fehlt mindestens weitere sechs Wochen aufgrund seiner Adduktorenprobleme.

Während der verletzte Kapitän auch als Führungsspieler schmerzlich vermisst wird, sind die Abwehrspieler Subotic und Santana vor allem damit beschäftigt, die Defensive zu stabilisieren. 13 Gegentore stehen bereits zu Buche für die Abwehr, die in der letzten Saison noch stolze 14 Mal zu Null gespielt hatte. Auch gegen Schalke war die Zweikampfbilanz negativ. Der BVB verlor 54 Prozent aller Duelle, in der Luft sogar 64 Prozent.

Roman Weidenfeller bringt das aktuelle Dilemma auf den Punkt: "Wenn wir uns hinten immer einen fangen und vorne keinen schießen, kommen wir aus dieser Situation nie raus." Aber gerade das wollen die Dortmunder am Samstag ändern. Ausgerechnet in Gladbach.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte