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Freiburg - Jakub Blaszczykowski hat Glück gehabt. Sein Coach war früher selbst Fußballprofi. Und auch wenn der ehemalige Mainzer Stürmer Klopp dazu neigt, als Trainer seine eigene Laufbahn ein bisschen zu sehr unter den Scheffel zu stellen - Zeitzeugen meinen sich zu erinnern, dass er damals tatsächlich die eine oder andere hundertprozentige Torgelegenheit vergeben hat: "Ich weiß, wie sich das anfühlt, wenn man so eine sichere Chance vergibt."

Mit den eigenen Gedanken sei man gestraft genug, eine Geldstrafe sei daher unnötig. Blaszczykowski dürfte das gerne gehört haben. Der Einwechselspieler, den sie in Dortmund bekanntlich "Kuba" nennen, hatte es in der 85. Minute geschafft, völlig freistehend über das leere Tor zu schießen. Der Ärger wäre wohl groß gewesen, hätte Freiburgs Julian Schuster in der Nachspielzeit tatsächlich noch den Ausgleich gemacht.

Thema kommt Klopp gelegen

So aber war Klopp nach dem 2:1-Erfolg in der Fremde gar nicht einmal unglücklich darüber, dass er so viele Fragen zum Fehlschuss des Polen beantworten musste. Die nach den eigenen Meisterschaftschancen sind Dortmunds Trainer nämlich deutlich weniger lieb. Das hat er seinen Spielern mindestens so konsequent eingeimpft wie den Strategiewechsel von der "lächerlichen" ersten Hälfte zur "guten" zweiten. Es soll auch weiter kein Spieler auf die Idee kommen, das Wort "Meisterschaft" in den Mund zu nehmen. Und wenn die Medien noch so penetrant nachfragen.

So wie der BVB im zweiten Durchgang auftrat, ist er in der Liga allerdings schlichtweg das Maß der Dinge. Wer sah, wie diese gelb-schwarze Mannschaft unmittelbar nach Wiederanpfiff aufdrehte, wie sie innerhalb weniger Minuten eine Torchance nach der anderen erzwang und wie sie dabei eine sehenswerte Kombination nach der nächsten zeigte - der konnte nur tief beeindruckt sein. Zumal es in der Liga nicht viele Mannschaften gibt, die ein dermaßen hohes Spieltempo bis zum Abpfiff durchhalten.

Wahrer BVB nach der Pause

Nachdem Shinji Kagawa (48./52.) und Nuri Sahin am starken Freiburger Keeper Oliver Baumann gescheitert waren, traf der eingewechselte Robert Lewandowski (75.), ehe Mensur Mujdza in höchster Not ein Eigentor erzielte (78.). "In der zweiten Halbzeit waren wir wieder wir", kommentierte Innenverteidiger Neven Subotic die Leistungsexplosion lapidar.

Der BVB in der derzeitigen Form ist spielerisch eine Klasse für sich. Wenn dann, wie im zweiten Durchgang, Zweikampfführung und Laufbereitschaft hinzukommen, sieht das so gut aus, dass man schon viel Fantasie braucht, um sich vorzustellen, wie diese Team mit seinem Sieben-Punkte-Vorsprung auf Platz zwei noch abzufangen sein soll. Ein Team übrigens, das in Freiburg einen Bundesligarekord aufgestellt hat: Noch nie hatte eine Mannschaft zuvor sieben Auswärtsspiele in Folge gewonnen. Und bei allem Understatement: Man braucht nun noch zwei Siege bis zur Herbstmeisterschaft.

Klopps doppelter Diebstahl

Als alles gesagt war, verabschiedete sich Jürgen Klopp herzlich von seinem Freiburger Kollegen Robin Dutt. Die beiden Trainer kennen und schätzen sich, spätestens seit sie 2005 zusammen in Köln den Trainerschein gemacht haben. Damals tranken sie schon den einen oder anderen Kaffee zusammen. In Freiburg hätten sie also ahnen können, dass Klopp sein Statement nicht hinter einer Tasse schwarzen Kaffees beginnen würde: "Erst klaut er uns die Punkte", unkte Dutt, "und jetzt auch noch die Milch."

Christoph Ruf