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Im Interview erklärt Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball, unter welch schwierigen Rahmenbedingungen die Rechtevergabe stattfand. Dennoch zeigt sich Rauball zufrieden über "die schnellste Ausschreibung in der jüngeren Bundesliga-Geschichte" und den "frühesten Abschluss seit Bestehen der DFL".

Frage: Herr Dr. Rauball, sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis der Rechtevergabe?

Dr. Reinhard Rauball: Dies war keine einfache Ausschreibung mit einem sicheren Ausgang. Es ging diesmal darum, mindestens den Status Quo zu halten, das Erreichte in schwieriger Lage zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund möchte ich der DFL und insbesondere den Verhandlungsführern, Christian Seifert und Tom Bender, herzlich danken. Der Liga werden weiter durchschnittlich 412 Millionen Euro aus dem Bereich der nationalen Medien-Einnahmen jährlich zur Verfügung stehen. Ohne jede Übertreibung können wir sagen: Wir haben in schwierigen Zeiten ein vorzeigbares Ergebnis erzielt.

Frage: Wie groß war die Herausforderung, die Fernsehrechte in der momentanen Lage zu vergeben?

Dr. Rauball: Die Rechtevergabe hat unter besonders schwierigen Vorzeichen stattgefunden. Dabei haben wir es vor allem mit Faktoren zu tun, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Profifußballs mit Blick auf die Medien-Einnahmen massiv einschränken und zunächst einmal wenig mit der weltweiten Finanzkrise zu tun haben. Zum einen ist dies ein besonders schwieriger Medienmarkt mit einem im Vergleich unterentwickelten Pay-TV-Segment. Dies ist ein wesentlicher Grund, warum wir beispielsweise schon lange im Bereich der Medienerlöse deutlich hinter anderen Top-Ligen, beispielsweise der englischen Premier-League, liegen.

Frage: Inwieweit haben die Vorgaben des Kartellamts in Bezug auf die Zentralvermarktung die Erlöse für die Bundesliga beeinflusst?

Dr. Rauball: Wir haben deutliche Nachteile auf Grund der nach wie vor unverständlichen Vorgaben des Kartellamts in Bezug auf die Zentralvermarktung. Dadurch sind die Möglichkeiten der Bundesliga in einem nicht vertretbaren Rahmen eingeschränkt worden. Gerade weil der Liga die Schwierigkeiten des deutschen Medienmarktes, von denen ich eben sprach, schon lange bekannt sind, haben wir im vergangenen Jahr ein innovatives Vermarktungsmodell vorgestellt. Damit sollte zusätzliche Nachfrage geschaffen werden. Dies hat das Kartellamt mit seinen Vorgaben verhindert. Die Wettbewerbshüter haben nicht mehr Wettbewerb geschaffen, sondern Wettbewerb verhindert. Die Folgen dieser Fehlentscheidung spiegeln sich nun in der Höhe der Gebote, die bei der DFL eingegangen sind, wider. Dies ist kein Vorwurf an die Bieter, es ist Fakt.

Frage: Planen Sie, rechtliche Schritte gegen das Kartellamt einzuleiten?

Dr. Rauball: Wir werden jetzt den Rechtsweg gehen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Deutschland das einzige Land in Europa ist, in dem Sendeplätze von staatlicher Seite festgeschrieben werden.

Frage: Wieso hat die Liga die Fernsehrechte für vier Jahre ausgeschrieben?

Dr. Rauball: Planbarkeit und Verlässlichkeit waren die Gründe, warum sich die Liga für einen Vergabe-Zeitraum von vier Jahren entschieden hat. Clubs, Medien-Partner, Sponsoren und Fans wissen nun, woran sie sind. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass wieder etwas Ruhe in das Thema Medienrechte einkehren kann. Zudem haben wir nun ausreichend Zeit, um die rechtlichen Grundlagen für die nächste Rechtevergabe zu legen.

Frage: Wie lange hat es von der Ausschreibung bis zur Vergabe der TV-Rechte gedauert?

Dr. Rauball: Es ist uns gelungen in nur dreieinhalb Wochen, von Beginn der Ausschreibung bis zurm heutigen Beschluss der Mitgliederversammlung die Fernsehrechte zu vergeben. Dies war damit nicht nur die schnellste Ausschreibung in der jüngeren Bundesliga-Geschichte. Es ist der früheste Abschluss seit Bestehen der DFL. Noch nie zuvor waren die Rechte damit so lange vor dem Start des Vergabe-Zeitraums vergeben. Unser Ziel war es, rechtzeitig Planungssicherheit im Sinne von Clubs, Medien-Partnern, Sponsoren und Fans zu erzielen.