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"2008 war bisher das beste Jahr in meiner Karriere", blickt Bastian Schweinsteiger auf die vergangenen zwölf Monate zufrieden zurück. "Es war das anstrengendste, aber auch das schönste Jahr für mich: Meisterschaft, Pokal, die aufregende EURO." Und ein Jahr mit Happy End.

Denn gut eine Woche vor Weihnachten verlängerte der Nationalspieler seinen Vertrag beim FC Bayern um drei weitere Jahre.

Danach verabschiedete sich der Bayer mit seiner Freundin Sarah Brandner für zwei Wochen in den Urlaub, den er zunächst für einige Tage in New York und anschließend in der Sonne verbrachte. Kurz vor dem Trainingsbeginn im neuen Jahr wollte Schweinsteiger auch erstmals nach vier Jahren wieder einmal auf Skiern die steilen, alpinen Abhänge hinunterbrettern.

"So einen Spieler lässt man nicht ziehen"

Bastian Schweinsteiger bleibt also Bayern München und der Bundesliga erhalten. Und das ist gut so. Nach monatelangen Vertragsverhandlungen akzeptierte er die neue Offerte, "die mir auch keine finanziellen Argumente gelassen hat, den Verein zu wechseln".

Angesichts von Schweinsteigers in der Hinrunde gezeigten konstant guten Leistungen hatte sich bei den Bayern-Verantwortlichen ein Stimmungswandel vollzogen. Waren die Bayern noch zu Saisonbeginn bereit, das Eigengewächs bei einem entsprechenden Angebot ziehen zu lassen, wollten sie den von internationalen Topclubs Umworbenen nun unbedingt halten.

"Ein Schweinsteiger gehört zu Bayern", war sich Bayern-Ikone Franz Beckenbauer sicher. "Nicht nur, weil er ein Bayer ist, sondern seine Spielweise, seine Akzeptanz in der Mannschaft kommen hinzu. So einen Spieler lässt man nicht ziehen."

"Man of the Match" gegen Portugal

Auch Bayern-Manager Uli Hoeneß, bekanntermaßen auch einer der größten Kritiker Schweinsteigers, geizte zuletzt nicht mit Lob. "Bastian ist ein netter Kerl und alles in allem schwer in Ordnung. Seit der EM ist er sehr gewachsen, er zeigt nicht nur gegen schwächere Mannschaften, was er draufhat. Deshalb sind wir mit ihm sehr zufrieden."

Stichwort EM. Die EURO 2008 war der entscheidende Durchbruch. Meint jedenfalls Schweinsteiger selbst. Und bei der EURO besonders eine Partie, bei der "Schweini" gar nicht mitkicken durfte. "Österreich war für mich das entscheidende Spiel", bekennt der Blondschopf. "Vielleicht das entscheidendste in meiner Karriere, gerade weil ich gar nicht mitwirken konnte. Danach war ich heiß auf Fußball und die Portugiesen. Und plötzlich lief es."

Gegen Portugal war er der "Man of the Match", gegen die Türkei gelang ihm im Halbfinale das wichtige Tor zum 1:1. Schweinsteiger hatte in großen, entscheidenden Spielen, starke Leistungen gebracht. Er hatte endlich auch auf dem Fußballplatz jenen Glamour verbreitet, den er seit dem "Sommermärchen 2006" nach Ansicht vieler Kritiker zu sehr abseits des Rasens projeziert hatte.

"Ich bin nicht stagniert"

Denn Schweinsteiger weiß das Leben zu genießen. Er gab auf dem roten Teppich im modischen Outfit ebenso eine gute Figur ab wie auf dem Fernsehsofa bei "Wetten dass", oder bei drei Fotoshootings in Hochglanzmagazinen im Vorfeld der EURO, bei denen er gerne seinen durchtrainierten nackten Oberkörper präsentierte, den die Leserinnen eines Jugendmagazins einst zum "Oberkörper des Jahres" erkoren hatten.

Doch seinen Kritikern hielt Schweinsteiger stets entgegen, dass er sich seit Jahren bei den Bayern durchgesetzt habe: "Ich habe bei Bayern nie aufgegeben. Ich sehe es auch nicht so, dass ich mittendrin einmal stagniert bin, ich habe mich immer weiterentwickelt."

Viermal konnte Schweinsteiger mit den Bayern bereits das Double aus Meisterschaft und Pokal gewinnen, bei vier großen Turnieren war er Stammspieler der Nationalmannschaft. Mit seinen gerade einmal 24 Jahren hat er bereits 62 Länderspiele absolviert, in denen er 17 Tore erzielte und damit weitaus effektiver war als im Verein.

Auch zu Kapitänsehren hat es Schweinsteiger im Team von Bundestrainer Jogi Löw bereits gebracht. "Mit der EM stieg seine Wichtigkeit und Wertigkeit. Er hat sich eindeutig gesteigert", attestiert Löw. "Er hat jetzt mehr Gradlinigkeit, mehr Durchsetzungsvermögen und mehr Verantwortungsbewusstsein. Bastian bringt gute Voraussetzungen mit, auch in der Nationalmannschaft in eine ganz zentrale Rolle zu wachsen."

Wortführer bei den Bayern

Dank dieser beeindruckenden Leistungen ist Schweinsteiger auch allmählich in der Bayern-Hierarchie einige Stufen nach oben geklettert, nicht nur auf der Gehaltsskala. "Ich habe das Gefühl, dass mein Wort etwas gilt", freut sich der offensive Mittelfeldspieler.

Auch Schweinsteigers Trainer Jürgen Klinsmann sieht die Entwicklung positiv: "Bastian macht gerade den nächsten Schritt in seiner Karriere. Ich hoffe, er setzt sich jetzt da oben fest - das ist bemerkenswert. Bastian hat ja schon über 60 Länderspiele, er meldet sich auch intern zu Wort. Er wird mehr und mehr zu einem Wortführer."

Doch wichtiger als alle Worte sind die entsprechenden Taten auf dem Platz. Dazu gibt es in der Rückrunde in allen Wettbewerben noch genügend Möglichkeiten.

Tobias Gonscherowski