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Hamburg - An so einen Andrang im Presseraum des Hamburger SV konnten sich selbst altgediente Berichterstatter nicht erinnern: Zahlreiche TV-Kameras waren auf das Podium gerichtet, auf dem Sportchef und Aufsichtsratsmitglied Frank Arnesen, der Carl-Edgar Jarchow, Pressesprecher Jörn Wolf und der Verusacher des Medienrummels, Thorsten Fink, pünktlich um 11 Uhr Platz genommen hatten.

25 Fotografen nahmen den rund 100 anwesenden Journalisten minutenlang die Sicht auf das Quartett bis Jarchow endlich den Neu-Trainer beim Traditionsverein willkommen heißen konnte.

Arnesen erfolgreichster HSV-Trainer aller Zeiten

Nach dem Vorstandsvorsitzenden war es dann an der Reihe des "erfolgreichsten Trainers der HSV-Geschichte" seinen Nachfolger vorstellen konnte. "Ich bin glücklich, dass es uns gelungen ist, Thorsten Fink zu verpflichten", so Arnesen, der nur einen Tag nach seinem erfolgreichen Debut auf der Trainerbank mit dem 2:1 in Freiburg ungeschlagen abtreten konnte.

"Zwei Jobs für eine Person ist nicht glücklich", war der Däne froh, den Staffelstab "an unseren Wunschtrainer weiterleiten zu können. Fink hat eine Winner-Mentalität. Wer kann schon ein 3:3 in Old Trafford vorweisen. Er ist der richtige Mann für den HSV."

"Es gab nur Bayern und den HSV"

Das Bemühen der Hamburger um seine Person hob dann auch Fink als einen der Gründe hervor, vom FC Basel an die Elbe zu wechseln. "Der HSV hat sich sehr um mich bemüht, immer wieder angerufen."

"In meiner Jugend gab es doch nur den FC Bayern und den HSV. Das große Interesse hat mich geehrt. Sehen Sie sich doch bloß einmal um, was hier los ist. Ich weiß, was für mich besser ist. Der HSV ist ein großer Club", erleichterte es dem 43-Jährigen, der Schweizer Idylle den Rücken zu kehren.

Viel Selbstbewusstsein

Neben der Tradition sei der sportliche Aspekt ausschlaggebend für seine Entscheidung gewesen. "Ich habe großes Vertrauen in die Mannschaft, sonst würde ich doch nicht von einer Champions-League-Mannschaft zu einem Tabellen-Letzten wechseln."

Der Tabellenstand sei nur eine Momentaufnahme, schlug Fink alle Warnungen davor, zum HSV zu wechseln, in den Wind. "Man hatte mir auch damals davon abgeraten, zum FC Bayern zu wechseln, da ich dort eh nur auf der Bank sitzen würde. Am Ende habe ich 150 Bundesligaspiele für die gemacht", denkt der einzige Nicht-Nationalspieler im Kader der Münchner an seine erfolgreiche Zeit mit vier Meister-Titeln und den Gewinn der Champions League 2001 als Höhepunkt zurück.

"Wieder Bayern-Jäger werden"

Von der Rückkehr zu so großen Zeiten träumt man beim HSV seit Jahrzehnten. Und Fink will seinen Teil dazu beitragen, zu alten Erfolgen zurückzukehren. Trotz der prekären Situation will er "von Abstiegskampf nicht reden. Das Letzte, was ich habe in meinem Leben, ist Angst. Die Mannschaft ist stark genug, in der Bundesliga zu bestehen", ist der zweimalige Schweizer Meistertrainer überzeugt. "Ich habe ein bisschen Ahnung von Fußball. Wir haben Qualität im Kader. Unserer jungen Mannschaft gehört die Zukunft", auch wenn es "noch lange dauern wird, bis wir wieder zum Bayern-Jäger werden."

Daher will der Ex-Profi auch nicht über ein Saisonziel spekulieren: "Wir wollen das nächste Spiel gewinnen. Das kenne ich so aus meiner Zeit beim FC Bayern. Da war es egal, ob wir in Madrid gespielt haben oder Manchester. Wir wollten da gewinnen. Und da wollen wir auch hin. Wenn die Mannschaft meine Philosophie umsetzt, wird sie erfolgreich", so Fink selbstbewusst.

"Wollen die Fans begeistern"

Dafür will der Trainer "allen Mannschaften im Verein meine Handschrift beibringen. Wir wollen die Fans begeistern und offensiv spielen", verspricht Fink. "Wir wollen agieren, nicht reagieren. Auch wenn mir natürlich klar ist, dass es für meinen Job nicht förderlich ist, wenn wir gut spielen und jedes Spiel 0:3 verlieren.

Für den Erfolg baut Fink auf ein 4-4-2-System. "Aber natürlich muss die Mannschaft auch flexibel sein und andere Systeme beherrschen. So kann es situativ erforderlich sein, auch mal nur mit einer Spitze zu spielen."

"Ein Typ Richtung Klopp"

Auf einzelne Spieler wollte der Coach nicht eingehen. "Wichtig ist der Teamgeist, nicht nur in der Mannschaft, sondern im ganzen Verein", so Fink, der sich in seinem Stil nicht auf die Extreme "autoritär oder Kumpel" festlegen will. "Das ist zu einfach. Ich bin mehr ein Typ Richtung Klopp", beschreibt der Ex-Ingolstädter seine Mentalität.

Finks Vertrag läuft bis 2014. Eine Ewigkeit, wenn man die Halbwertzeit der Trainer beim HSV betrachtet. Zwölf Trainer saßen in den letzten zehn Jahren beim Bundesliga-Dino auf der Bank. Fink ist der 13.

"Mein ganzes Leben beim HSV"

Die Unglückszahl muss aber kein schlechtes Omen sein. Und den Ängsten der Fans, er könne den Verlockungen eines großen europäischen Vereins erliegen und irgendwann wie in Basel um seine Freigabe bitten, nimmt der Trainer den Wind aus den Segeln.

"Der HSV ist für mich etwas ganz Besonderes", verriet Fink bundesliga.de. "Wenn ich erfolgreich bin, ist das ein Club, bei dem ich mein ganzes Leben lang bleiben kann."

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs