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München - Als sich Real Madrid am 20. Dezember des vergangenen Jahres durch einen 5:1-Erfolg gegen Ponferradina für das Achtelfinale des spanischen Pokals qualifizierte, stand Nuri Sahin im Rampenlicht. Der Mittelfeldspieler hatte nach seiner langwierigen Verletzung endlich wieder für die "Königlichen" auf dem Platz gestanden und ein Tor erzielt. Doch im Schatten Sahins machte auch Jose Luis Mato Sanmartin, kurz Joselu, auf sich aufmerksam - ebenfalls mit einem Tor.

"Joselu ist einfach ein Goalgetter. Er fühlt sich in Strafraumnähe wohl. In diesem Spiel machte er aus seinem ersten Ballkontakt einen Treffer", sagt Reals Sportlicher Leiter Miguel Pardeza. Der Stürmer hatte im zweiten Einsatz für das Team von Jose Mourinho seinen zweites Tor erzielt.

Joselu kehrt zurück in seine Heimat



Ein halbes Jahr später gibt es für den Aufstiegshelden der U23 von Real Madrid keinen Platz mehr im Kader. Die Mittelstürmerposition ist durch die Weltstars Karim Benzema und Gonzalo Higuain besetzt. Joselu entscheidet sich für einen Neuanfang und wechselt zu 1899 Hoffenheim in die Bundesliga.

"Vor allem war es die sportliche Perspektive. Er wollte nicht nochmal in der zweiten Mannschaft von Real spielen. Nach der Vorbereitung wäre es so gewesen, dass er wieder zurückgestuft worden wäre", sagt TSG-Trainer Markus Babbel.

Aber der Wechsel ist für Joselu auch eine Rückkehr. Der Spanier wuchs in Stuttgart auf und besuchte dort sogar die Grundschule, bevor er mit seiner Familie in das Heimatland seiner Eltern zurückkehrte. Jetzt schlägt der Spanier 60 Kilometer weiter nördlich der baden-württembergischen Landeshauptstadt seine Zelte in Sinsheim auf.

Dreikampf im TSG-Sturm



Babbel schätzt an dem Neuzugang vor allen Dingen die ausgefeilte Technik und das Spielverständnis: "Das sind Attribute, die ungewöhnlich sind für sein Alter", sagt der Trainer über den Mann, der die U23 von Real Madrid mit seinen Toren vergangenes Jahr in die Segunda Division führte. In dieser spielte Joselu bereits 2009 mit Celta Vigo, bevor er in die spanische Hauptstadt wechselte, die er nach drei Jahren nun wieder verlässt.

Nach Eren Derdiyok ist Joselu schon der zweite Neuzugang für die Hoffenheimer Sturmmitte. "Wir wollen einen gesunden Konkurrenzkampf mit Spielern, die die Qualität haben. Da haben wir jetzt drei Mann", sagt Babbel über die Situation seiner zentralen Stürmer, zu denen noch Sven Schipplock gehört.

"Joselu hat seine Klasse bei Real schon unter Beweis gestellt", erklärt Babbel und schränkt dennoch ein: "Doch er ist auch noch jung und hat eine Menge Potenzial." Potenzial, das manchmal erst richtig zum Tragen kommt, wenn man den Sprung in eine anderes Land wagt. Dies gilt sowohl für Joselu, als auch für Sahin, der in diesen Tagen ebenfalls mit einem Wechsel in eine unbekannte Liga in Verbindung gebracht wird. Womöglich ist es für beide der richtige Schritt.

Steffen Hoss