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Trainer Robin Dutt stimmte mit dem Megafon in der Hand vor dem Fanblock die "Humba" an, die Spieler gaben in "Drinbleiber"-Shirts Interviews, und Sportdirektor Dirk Dufner suchte händeringend nach Alkohol: Der SC Freiburg funktionierte nach dem Klassenerhalt in der Bundesliga das Kölner RheinEnergieStadion zur Partymeile um.

"Ich überlege nur, wo ich am schnellsten Alkohol herbekomme", sagte Dufner nach dem 2:2 (1:1) beim 1. FC Köln und forderte "Champagner oder so. Egal was, Hauptsache ich kann damit 'rumspritzen."

"Der Trainer hat den allergrößten Anteil"

Dutt stand derweil im feinen Anzug vor der Kurve und gab den Einheizer für die feiernden Fans. "Ein Mal in der Saison hat das Tradition", sagte der gebürtige Kölner nach der Spontan-Fete in seiner Geburtsstadt und ergänzte schmunzelnd: "Die fünf Buchstaben zusammenzukriegen, um 'Humba' zu rufen, schaffe sogar ich."

Als Volker Finke den SC 2007 nach 16 Jahren verlassen musste, konnte man sich den Verein ohne den studierten Lehrer kaum vorstellen. Doch Dutt ist längst aus dem großen Schatten Finkes herausgetreten.

Sportdirektor Dufner kann sich nun sogar eine "Ära Dutt" vorstellen. "Es wäre schön, wenn er auch 16 Jahre bleiben würde", sagte er: "Der Trainer hat den allergrößten Anteil. Er hat ein Team aufgebaut, das eine Einheit ist. Auf und neben dem Platz. Er war das wichtigste Mosaiksteinchen."

In Gedenken an den verstorbenen Präsidenten

Dutt reagierte geschmeichelt auf das Angebot. "Aber wenn das jedes Mal so viele Nerven kostet, dann weiß ich nicht, wie mein Vorgänger das überhaupt geschafft hat", sagte er: "Ich werde dann sicher zehn Jahre früher zusammenklappen."

Obwohl das große Ziel bereits einen Spieltag vor dem Saisonende erreicht wurde, war der Weg "deutlich schmerzhafter als der zum Aufstieg", sagte Dutt - auch mit Blick auf den Tod von Achim Stocker. Dufner widmdete den Sieg "und die ganze Saison" dem im vergangenen November verstorbenen, langjährigen SC-Präsidenten.

Idrissou zahlt Vertrauen zurück

Dass Dutt meist das richtige Fingerspitzen-Gefühl hatte, bewies auch das Spiel in Köln. Mohamadou Idrissou, nach Kritik im Frühjahr bei der Mannschaft eigentlich schon unten durch, stand direkt vor der Pause dicht vor einem Platzverweis. Dutt redete ihm ins Gewissen, schickte ihn zur zweiten Halbzeit wieder aufs Feld und durfte nach dem Ausgleich (31.) ein weiteres Tor des Kameruners bejubeln (57.).

"Ich bin froh, dass ich das Risiko gegangen bin", sagte der 45-Jährige und hofft auf den Verbleib des Offensivspielers. "Er kann jederzeit kommen und unterschreiben", sagte Dutt. Und Idrissou betonte seine Bindung an den Club. "Der Verein bedeutet viel für mich. Der SC hat mein Fußballer-Leben gerettet", sagte er.

Podolski fordert Analyse

Größere Sorgen hat derzeit Köln, obwohl der FC den Klassenerhalt schon seit zwei Wochen sicher hat. Als die Spieler sich mit einem Plakat mit der Aufschrift "Ihr seid erstklassige Fans - dank euch bleiben wir es auch" bei den Fans bedanken wollten, schallten ihnen Pfiffe entgegen. Und Nationalspieler Lukas Podolski, gegen Freiburg bei den Toren von Zoran Tosic (9.) und Sebastian Freis (84.) nur Zuschauer, forderte eine schonungslose Analyse.

"Man kann nicht glücklich sein, wie alles läuft. Große Teile der Saison waren von mir und dem Verein nicht gut", sagte Podolski: "Die Mannschaft muss sich zusammensetzen und schauen, was verändert werden muss. Und ich hoffe, das tut der Verein auch."