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Hannover - Dortmund, Dortmund und nochmals Dortmund; dann noch der FC Bayern München und Mainz 05 - das sind die Mannschaften, über die im Moment die gesamte Liga spricht. Die Münchener sind in den Schlagzeilen, weil sie überraschend nur im MIttelfeld der Tabelle liegen, Mainz wegen seines 2. Platzes und der BVB wegen seines Zauberfußballs. Über Hannover 96 hingegen redet kaum jemand.

Stiefmütterlich, könnte man sagen, werden die Niedersachsen derzeit behandelt - immerhin spielen die "Roten" eine fantastische Saison und liegen nach 13 Runden auf dem 4. Platz.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der ehemalige Innenverteidiger und aktuelle Assistent der Geschäftsführung, Valerien Ismael, über die Gründe für den Erfolg des Beinahe-Absteigers der vergangenen Saison.

bundesliga.de: Herr Ismael, Hannover 96 spielt bisher eine überraschend gute Saison. Wie beurteilen Sie die Leistung der Mannschaft soweit?

Valerien Ismael: Die Mannschaft hat in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet. Wir haben ein System gefunden, dass gut zum Team passt. Außerdem sind unsere Spieler durchweg sehr laufstark, arbeiten viel und die Mannschaft ist sehr hungrig.

bundesliga.de: Nach dem knappen Klassenerhalt in der vergangenen Saison und dem Abgang der Leistungsträger war mit einem derart guten Abschneiden nicht zu rechnen. Sind es denn nur die Neuzugänge, die das Team so stark machen?

Ismael: Wir haben eine sehr gute Scouting-Abteilung und mit Jörg Schmadtke einen Sportdirektor, der das richtige Gespür hat. Das beweist der Erfolg, den beispielsweise Didier Ya Konan oder Mohammed Abdellaoue haben. Die jungen Spieler wie ein Moritz Stoppelkamp sind nun in der Bundesliga angekommen und werden von den erfahrenen Profis, wie Steven Cherundolo, Christian Schulz, Emmanuel Pogatetz oder Sergio Pinto geführt. Die Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern im Team stimmt einfach und das macht Hannover erfolgreich.

bundesliga.de: Wie groß ist der Anteil, den Jörg Schmadtke als Sportdirektor daran trägt?

Ismael: Wenn man so erfolgreich ist, liegt das an der Zusammenarbeit. Das fängt an beim Scouting. Der Spieler wird beobachtet, verpflichtet und dann quasi vom Sportdirektor an den Trainer übergeben, der den Spieler dann weiterentwickelt. Das ist der gängige Prozess in jedem Verein. Es geht darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen und das gelingt Jörg Schmadtke hervorragend. Ebenso der Trainer. Mirko Slomka hat das Team gut vorbereitet und in eine sehr gute Form gebracht.

bundesliga.de: In Mainz und gegen den Hamburger SV hat Hannover zuletzt zwei wichtige Siege in Folge geholt, obwohl sie vorher in Hoffenheim und gegen Dortmund zwei Mal hintereinander mit 0:4 verloren hatte. Woher nimmt die Mannschaft die Stärke, solche Niederlagen zu verarbeiten?

Ismael: Diese Mannschaft hat Charakter. Das hat sie nach den deutlichen Niederlagen durch die beiden Siege gezeigt. Man sieht aber auch, dass die Mannschaft gerade im Begriff ist zu lernen, was es bedeutet, oben mitzuspielen. Jedes Wochenende musst du deine Leistung bringen und wenn du dazu nicht in der Lage bist, gibt es Rückschläge. Aber diesen Lernprozess hat die Mannschaft jetzt angenommen. Das merkt man deutlich an ihrem Auftreten. Sie will immer mehr.

bundesliga.de: Wie weit ist dieser Lernprozess denn schon fortgeschritten?

Ismael: Wir sind noch am Anfang. Für uns geht es darum, diese guten Leistungen zu bestätigen. Das muss der nächste Schritt sein, dass wir am kommenden Wochenende im Spiel gegen Freiburg wieder so auftreten wie zuletzt. Jeder muss erneut an seine Grenzen gehen. Das ist entscheidend.

bundesliga.de: Mit Freiburg wartet noch ein Gegner aus den vorderen Tabellenregionen auf Hannover. Danach kommen mit den Spielen in Mönchengladbach, gegen Stuttgart und in Nürnberg drei Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Was rechnen Sie sich für diese Spiele aus?

Ismael: Ich glaube, dass es nach oben keine Grenze gibt. Die Mannschaft kann durch ihre bisherige Leistung ohne Druck aufspielen. Wenn man mit dem Gefühl in ein Heimspiel gehen kann, nur gewinnen zu können, ist das ein riesiger Vorteil. Dabei wird es auch interessant sein zu beobachten, wie die Mannschaft mit dieser Situation umgeht. Sie kann selbst bestimmen, wie es weitergehen wird.

bundesliga.de: Kann es denn sein, dass sich ein ganz anderer Druck entwickelt? Ein Erfolgsdruck beispielsweise, die internationalen Plätze erreichen zu wollen?

Ismael: Nein, das entspricht gar nicht unseren Zielen. Da sind wir realistisch genug. Unser Ziel ist es, schnellstmöglich 40 Punkte zu sammeln und dann werden wir sehen, was noch möglich ist.

bundesliga.de: Was, glauben Sie, ist denn für Hannover 96 noch bis zur Winterpause möglich?

Ismael: Wenn wir aus den noch verbleibenden vier Spielen sechs Punkte holen würden, wäre das klasse. Aber wir haben bereits 22 Punkte und liegen damit im Soll, was das Saisonziel von 40 Punkten angeht.

bundesliga.de: Was trauen Sie Hannover für die Rückrunde zu?

Ismael: Die Mannschaft hat auf jeden Fall die Qualität, auch in der Rückrunde an die bisherigen Leistungen anzuknüpfen.

Das Interview führte Gregor Nentwig