Leverkusen - Nach dem vierten Sieg in Folge hat sich die TSG 1899 Hoffenheim in der Spitzengruppe der Bundesliga etabliert. Beim souveränen 3:0-Erfolg bei Bayer Leverkusen war die auch nach acht Spieltagen noch unbesiegte Elf von Julian Nagelsmann der Werkself in allen Belangen überlegen.

16 Mal war Hoffenheim in seiner Bundesliga-Geschichte zuvor auf Bayer 04 Leverkusen getroffen. 13 Partien davon gingen verloren, nur ein Sieg stand zu Buche. Gegen keinen anderen Bundesligisten hagelte es für die Kraichgauer so viele Niederlagen, noch nicht einmal gegen Rekordmeister FC Bayern München. Die Bilanz war verheerend. Doch was in der Vergangenheit war, interessierte niemanden bei der TSG an diesem denkwürdigen 22. Oktober 2016. 

Vollands Bärendienst

Es war einer jener Tage, an dem der einen Mannschaft alles gelang und der anderen nichts. Ausgerechnet Kevin Volland, bis zum Sommer vier Jahre in Diensten der TSG, flog schon in der 6. Minute nach einer Notbremse gegen Kerem Demirbay vom Platz. Knapp zehn Minuten später traf eben jener Demirbay zur 1:0-Führung der Gäste, für die der Sieg gegen Champions-League-geschwächte Leverkusener danach nur noch Formsache war.

"Wir haben einen maximal günstigen Spielverlauf erwischt", freute sich Alexander Rosen, Direktor Profifußball der TSG. "Nach der Führung lief es optimal, Selbstvertrauen hat die Mannschaft eh schon gehabt. Und dann haben wir es gegen den 85 Minuten lang dezimierten Gegner richtig gut ausgespielt."

Neuzugänge fügen sich nahtlos ein

Die Hoffenheimer, die mit vier Unentschieden zunächst etwas holprig in die Saison starteten, sind nun nach vier Dreiern in Folge richtig in Fahrt gekommen. "Es läuft wirklich gut. Viele Neuzugänge haben in der kurzen Zeit schon eindrucksvoll nachgewiesen, warum wir sie geholt haben", sagt Alexander Rosen. "Wir hatten nach der Rückrunde der vergangenen Saison schon eine stabile Gruppe mit viel Selbstvertrauen. Dazu kamen Spieler, die sich in diese Gruppe in allen Bereichen nahtlos eingefügt haben."

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Bis die Neuzugänge das spezielle Hoffenheimer Pressing-System verinnerlicht hatten, brauchte es eine gewisse Anlaufzeit. "Ich habe mich am Anfang schwer getan, in das komplett andere System zu finden", gesteht der aus Darmstadt gekommene Mittelstürmer Sandro Wagner. "Die Mannschaft hat sich auch schwer getan mit meinem Spielstil. Aber so langsam finden wir zueinander. Deshalb bin ich für die nächsten Spiele sehr positiv gestimmt. Ich habe eine gute Quote, das war mein siebtes Spiel und mein viertes Tor. Das ist in Ordnung."

"Wir sind eine super Einheit"

Ähnlich wie Wagner, der kurz nach der Pause den Treffer zum vorentscheidenden 2:0 erzielt hatte, musste sich auch der aus Düsseldorf gekommene Kerem Demirbay in Hoffenheim erst zurecht finden. In den ersten Spielen saß er noch draußen, nun ist der torgefährliche Mittelfeldspieler nicht mehr aus der Startelf wegzudenken. Zweimal traf der 23-Jährige bereits, beide Male übrigens mit seinem eigentlich schwächeren rechten Fuß.

"Wir wissen, dass wir gut sind, müssen jetzt aber auf dem Boden bleiben", sagt Demirbay. "Was mich beeindruckt ist, dass wir von der Nummer 1 bis zur 25 eine super Einheit sind. Wir haben ein gutes Team. Jeder ist für den anderen da, sowohl auf als auch außerhalb des Platzes. Das zeichnet uns aus."

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Drei Kracher in den nächsten 14 Tagen

Teamkollege Niklas Süle hebt die akribische Arbeit des Trainers hervor. "Julian Nagelsmann hat immer einen Plan", meint der Jungnationalspieler. "Wir haben nicht nur ein System, sondern können auf jeden Gegner reagieren. Das sieht man in jedem Spiel. Wir spielen jetzt viel besser mit dem Ball und legen mit dem Ball mehr Ruhephasen ein. Das ist enorm wichtig, weil wir auch immer drauf gehen und pressen."

Bislang ist der Plan der Kraichgauer in dieser Saison immer aufgegangen. Doch nun kommen innerhalb von 14 Tagen drei Kracher nacheinander. Erst geht es am Mittwoch im DFB-Pokal zum 1. FC Köln, dann empfängt Hoffenheim Hertha BSC, bevor es zum FC Bayern geht. "Das Pokalspiel in Köln wird schwer. Und dann kommt mit Hertha unser erster Gradmesser, ein richtig starker Gegner", meint Sandro Wagner. "Wenn wir Hertha und Bayern überstanden haben, können wir sagen, ob wir schon eine stabile Mannschaft sind. Dann können wir ein erstes Fazit ziehen." Noch trauen sie in Hoffenheim dem Braten also nicht so ganz.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski