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Bremen - Die Bremer Spieler waren sichtlich angefressen. Wortlos stapften die meisten an der Mixed-Zone und den wartenden Journalisten vorbei in die Kabine.

Wieder einmal hatte es für die Grün-Weißen in der Bundesliga nicht zu einem Dreier gereicht. Zwar hatte der SV Werder Bremen gegen den SC Freiburg in den meisten Statistiken die Nase vorn, dennoch blieben sie mit dem 1:1 saisonübergreifend zum achten Mal in Folge sieglos.

"Die Partie war ein Spiegelbild der letzten Begegnungen. Der Ertrag passt nicht zu dem enorm hohen Aufwand, den wir betreiben. Das verfolgt uns seit Wochen", haderte Manager Thomas Eichin. Kapitän Sebastian Prödl pflichtete ihm bei: "Die bisherigen Spiele standen immer auf der Kippe, egal gegen welchen Gegner wir angetreten sind. Es waren immer Kleinigkeiten, die entschieden haben. Irgendwann wird die Waage auch wieder zu unseren Gunsten ausschlagen."

Junuzovic ist der konstanteste Bremer

Auf den ersten Blick mochten diese Erklärungsversuche stimmen. Doch wurde im Spiel von Werder gegen die Elf aus dem Breisgau auch wieder einmal deutlich, dass die Bremer in Sachen spielerischer Kreativität den Ansprüchen weit hinterherlaufen.

Andreas Herzog, Johan Micoud, Diego, Mesut Özil und zuletzt mit Abstrichen Aaron Hunt – sie alle drückten dem Werder-Spiel in den vergangenen zwei Jahrzehnten ihren Stempel auf. In den entscheidenden Situationen waren es ihre Geistesblitze, die den Hanseaten zum Erfolg verhalfen. Einen solchen Spielmacher und Häuptling im Mittelfeld suchen die Bremer gerade vergeblich. Einer, der diese Position mit neuem Leben füllen könnte, ist Zlatko Junuzovic. Denn der Österreicher ist derzeit der mit Abstand auffälligste und konstanteste Profi an der Weser.

Das Problem: "Juno" ist viel mehr Antreiber und Motor als filigraner Passgeber. Dennoch ist der 26-Jährige derjenige, an dem sich seine Mitspieler aufrichten müssten. Gegen Freiburg gab er die meisten Torschüsse auf dem Feld ab (5) und hatte auch die meisten Ballbesitzphasen (76). Dazu gewann er 75 Prozent seiner Zweikämpfe – so viele wie sonst im eigenen Team nur Innenverteidiger Prödl.

Derbe Reaktion auf das Unentschieden

Seine Reaktion nach dem Schlusspfiff fiel derbe aus. "Wir sind komplett unten drin im Abstiegskampf. 18. Platz - das ist einfach scheiße", sagte Junuzovic. Für die anstehende Länderspielpause hat er die Hauptaufgabe aber gleich ausgemacht: "Wir müssen zusehen, dass die Bundesliga-Pause genutzt wird, um vom Kopf her stärker zu werden. Beim Spiel in München müssen wir dann zusehen, dass wir uns ordentlich verkaufen - da erwartet niemand etwas von uns."

Und wohl war. Als Tabellenschlusslicht könnten die Trauben am 8. Spieltag beim Ligaprimus FC Bayern wahrscheinlich viel zu hoch hängen. Der letzte Auswärtssieg datiert aus dem Jahr 2008. Damals deklassierten die Bremer die Bayern mit 5:2 - angeführt von einem überragenden Diego. Vielleicht kann Junuzovic es dem Brasilianer in zwei Wochen in Ansätzen nachmachen.

Aus Bremen berichtet Michael Reis