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Der 9. November 1989 ist der Tag des historischen Mauerfalls in Berlin: Hertha BSC, das damals in der 2. Bundesliga spielte, erlebte die emotionalen Tage hautnah mit. Spieler, Fans und Offizielle der Berliner erinnern sich 20 Jahre nach dem Mauerfall im Stadionmagazin "Wir Herthaner" an die unvergesslichen Tage des Novembers 1989.

Wenn einer die Hertha kennt, dann wohl Frank Ludwig. Seit Anfang der 80er Jahre besucht der 40-Jährige regelmäßig die Spiele der Blau-Weißen, hat in der ganzen Zeit kaum ein Spiel verpasst.

Frank Ludwig in jedem Trainingslager dabei

Seit Mitte der 90er Jahre reist Frank Ludwig auch zu jedem Trainingslager. Egal ob Stegersbach, Gran Canaria oder Teneriffa - Frank Ludwig ist mit dabei.

Rückblick: Das geteilte Berlin mit seiner schier unüberwindlichen Mauer. Das Beton-Ungetüm - durchlässig in nur eine Richtung. Von Ost nach West geht so gut wie nichts. Was für die private Ebene gilt, betrifft auch den Sport. Für Ost-Berliner Fußball-Fans sind Herthas Heimspiele leider tabu.

Besuch der Ost-Berliner Derbys

Umgekehrt können West-Berliner aber in den Ost-Teil der Stadt "reisen". Frank Ludwig machte - wenn nicht gerade seine Hertha spielte- öfters von dieser Möglichkeit Gebrauch und besuchte die Derbys zwischen dem 1. FC Union und dem BFC Dynamo.

"Das waren teilweise tolle Spiele", erinnert sich Ludwig, "damals gab es ja noch eine feste Fanfreundschaft mit Union." Um die packenden Duelle sehen zu können, mussten die West-Berliner Fußball-Fans beinahe so viel Vorbereitungen treffen, wie für eine Reise zum Hertha -Auswärtsspiel. Einfach in die Bahn setzen und in einen anderen (Ost-)Berliner Stadtteil fahren - das ging nicht.

"Wer zu spät kam, hatte Pech"

Ein Besuch in Ost-Berlin, "das bedeutete Tage vorher einen Passierschein, z.B. in der Schulstraße im Wedding, beantragen und den dann pünktlich abholen. Bei den Öffnungszeiten waren sie ganz streng. Wer zu spät kam, hatte Pech", erklärt Frank Ludwig die Prozedur und wundert sich noch heute, dass die Beamten der Passierscheinstelle (Bürger der DDR;Anm.d. Red.) nicht einfach raus in die Freiheit spazierten. "Aber das wollten die Jungs wohl gar nicht."

Einige wollten nicht, der Rest durfte nicht. Aber zumindest mit einem Transparent waren die Ost-Berliner Fans bei jedem Hertha -Heimspiel im Olympiastadion vertreten. "Da hing immer eine Union-Fahne im Stadion", erzählt Frank Ludwig. "Union grüßt die Freiheit und Hertha BSC stand da drauf. Vielleicht haben das ältere Union-Fans aufgehängt, denn als Rentner durfte man aus der DDR ja rüber."

"Man hatte es ja schon geahnt, dass das mal kommt"

1989 war s dann egal, ob Rentner oder nicht: die Mauer war offen - endlich! Ein freudiges Ereignis natürlich auch für Frank Ludwig. "Das war eine Riesen-Sache. Man hatte es ja schon geahnt, dass das mal kommt, als man ein paar Monate vorher die Bilder vom Abbau der Grenzanlagen zwischen Ungarn und Österreich gesehen hatte. Man wusste halt nur nicht wann es passiert. Und als die Mauer dann offen war, war es doch eine wahnsinnige Überraschung."

Berlin und seine neu gewonnene Freiheit - jeder durfte endlich dahin gehen, wohin er wollte. Mal schnell von Kreuzberg nach Mitte – kein Problem. Vom Wedding zum Prenzlauer Berg: Geht klar! Und: Die Union-Fans durften endlich rüber nach Charlottenburg zum Olympiastadion. Teilweise gab's rührende Szenen. Manche Fans besuchten nach mehr als 28 Jahren das erste Mal wieder das Olympiastadion, war ihr letzter Besuch doch vor dem Mauerbau 1961 gewesen.

Freundschaftsspiel gegen Union

Frank Ludwig: "Bei manchem lief das nach dem Motto ‚letztes Mal war ich hier kurz vor meinem Studium, jetzt komme ich wieder und stehe kurz vor der Rente‘ ab."

Herthas Heimspiele in der Wendezeit wurden zu einem absoluten Erlebnis. Das Geschehen auf dem Rasen war oftmals nur zweitrangig. Frank Ludwig: "Die Spiele gegen Wattenscheid (1:1), zu dem unglaublich viele Unioner kamen, und Herthas 2:1-Sieg im Freundschaftsspiel gegen Union zum Beispiel. Das waren nicht unbedingt gute Spiele. Aber das war auch gar nicht wichtig.

Wilde Feier

Die Stimmung war es, die so faszinierte. Heutzutage würde die Ostkurve zu solch einem Anlass eine riesen Choreographie hinlegen. Das gab s damals so nicht. Da feierte jeder wild durcheinander auf den Rängen. Einfach nach dem Motto ‚Jetzt hat man sich wieder‘. Das war Wahnsinn, einfach geil."

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