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Brügge - Die belgischen Wochen für Hannover 96 setzen sich fort: Kaum war der 1:0 (1:0)-Erfolg beim FC Brügge, der Einzug ins Achtelfinale der Europa League und damit der größte internationale Erfolg des norddeutschen Bundesligisten perfekt, richtete sich der Blick bereits auf den kommenden Gegner: Standard Lüttich.

Mit den Wallonen haben die 96er in dieser Saison allerdings keine guten Erfahrungen gemacht und in der Gruppenphase nach einem 0:0 zuhause auswärts 0:2 verloren. "Wir haben uns seitdem weiterentwickelt und haben einiges gutzumachen", sagte indes Nationaltorwart Ron-Robert Zieler.

Lob von allen Seiten

Geht es nach Brügge-Trainer Christoph Daum stehen die Chancen ausgezeichnet, dass Hannovers Weg in der Europa League noch nicht zu Ende ist. "Es ist sensationell, was sie alles erreicht haben. Man spürt, sie strotzen vor Selbstvertrauen, sie haben einen Lauf, und sie glauben an sich", sagte der ehemalige Stuttgarter Meistertrainer. Für Hannover-Boss Martin Kind ist alles, was jetzt noch kommt, ohnehin nur Zugabe: "Wir sind stolz auf dieses Team, das Außergewöhnliches erreicht hat."

"Wir wollen den Trainer sehen", skandierten die 1.500 mitgereisten 96-Fans noch Minuten nach dem Schlusspfiff. Trainer Mirko Slomka hielt sich dennoch im Hintergrund, ließ seine Mannschaft vor der Gästekurve feiern und sagte später: "Ich genieße aus der Distanz."

90 intensive Minuten auf dem umgepflügten Acker in Flandern hatte der Erfolgstrainer zuvor zittern müssen, ehe nach dem 2:1 im Hinspiel auch die Auswärtsreise ins schmucke Brügge das gewünschte Ende nahm. "Bei diesen Bedingungen konnte ich nie sicher sein, dass wir am Ende gewinnen", sagte Slomka.

Diouf legt den Grundstein

Das frühe Tor des starken Neuzugangs Mame Diouf (21.) brachte zwar etwas Sicherheit, die stürmischen Gastgeber stellten Hannover jedoch immer wieder vor knifflige Aufgaben, die allerdings spätestens von Zieler bewältigt wurden.

Slomka rang es anschließend Respekt ab, "dass diese junge und international noch unerfahrene Mannschaft das 1:0 über die Zeit gebracht hat". Der Bundesligasiebte ließ sich nicht aus dem selbst verordneten Konzept bringen. Nicht vom holprigen Platz, nicht von der hitzigen Atmosphäre im ausverkauften Stadion und auch nicht von Daums gut eingestellter Mannschaft.

96 darf weiterträumen

Während die "Roten" von der Leine ihren Lauf mit dem elften Pflichtspiel ohne Niederlage fortsetzten und vom ganz großen Wurf in Europa mit Spielen im Old Trafford zu Manchester oder einem deutschen Finale gegen Schalke 04 träumen, trat Daum gefasst von seiner derzeit größten Bühne ab. Der Coach suchte Trost bei seiner Familie. Mit Ehefrau Angelica Camm-Daum und seinen jüngsten Kindern Jean-Paul und Cara-Jolie verließ der 58-Jährige das Jan-Breydel-Stadion in Brügge.

Im Liga-Endspurt geht es für ihn und Brügge nur noch darum, eine gute Ausgangsposition für die Play-offs zu sichern. Denn: "Europäisch sind wir vom Etat her zweitklassig. Wir können mit einigen Ligen in Europa nicht mithalten." Im Kreis seiner Familie schien Daum diese Erkenntnis kaum zu schmerzen.