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Leverkusen - Nach der knappen 2:3-Niederlage im rheinischen Derby bei Bayer Leverkusen ist der 1. FC Köln wieder auf den direkten Abstiegsrang 17 zurückgefallen.

Der Abstand zum rettenden 15. Platz beträgt nun immerhin schon vier Punkte. Dennoch konnte der Kölner Trainer Frank Schaefer viele positive Ansätze seiner Mannschaft erkennen, die ihn optimistisch in die Zukunft blicken lassen, wie er bundesliga.de im Interview erklärte.

bundesliga.de: Herr Schaefer, Ihre Mannschaft hat Bayer Leverkusen im Derby einen großen Kampf geliefert und unglücklich mit 2:3 verloren. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Frank Schaefer: Das war eine richtig ärgerliche Niederlage, weil wir mit dem Recht aus dem Spiel gehen und sagen können: Hier war mehr drin. Das sagt schon Einiges aus, wenn man die Ausgangsposition beider Mannschaften sieht. Wir haben das Spiel deshalb verloren, weil wir wirklich drei absolut unnötige Gegentore kassiert haben. Gegentore sind immer unnötig. Aber wenn man sie in dieser Form kriegt und auch noch im Doppelpack zum 1:2 und 1:3, dann ist es besonders unnötig.

bundesliga.de: Was nehmen Sie Positives aus dem Spiel mit?

Schaefer: Das Ergebnis ist die eine Geschichte. Aber die andere ist, dass die Mannschaft in den letzten drei Spielen gegen Stuttgart, Wolfsburg und Leverkusen ein Gesicht gezeigt hat. Sie hat Dinge gezeigt, die in den Spielen wieder erkennbar waren. Darauf müssen wir aufbauen. Wir waren von der 1. Minute an im Spiel. Wir haben ein Torschussverhältnis von 14:11 gehabt. Das zeigt auch, dass wir nicht nur gut verteidigen wollten, sondern auch die Möglichkeiten nach vorne gesucht haben. Dafür sind wir nicht belohnt worden. Nichtsdestotrotz stehen wir punktemäßig unter Druck. Aber ich bin fest überzeugt davon, dass wir für das heutige Spiel in einem anderen Spiel belohnt werden.

bundesliga.de: Rudi Völler hat eben gesagt, dass er sich gefreut hat, dass Martin Lanig als torgefährlichster Kölner Mittelfeldspieler erst auf der Ersatzbank gesessen hat. Was hat Sie bewogen ihn zunächst draußen zu lassen?

Schaefer: Ich wollte dem Rudi Völler einen Gefallen tun. (lacht) Nein, natürlich nicht. Wir spielen ein System, das zwei Sechser und einen Zehner vorsieht. Dieser Zehner war diesmal Adam Matuschyk, weil er gegen Wolfsburg eine richtig starke Leistung gezeigt hat. Ich bin kein Freund davon, permanent etwas zu verändern, nur um alle einsatzbereiten Spieler auf den Platz zu kriegen. Es bestand zur Pause beim Stand von 1:1 auch kein Grund zu wechseln. Das war für uns ein positives Halbzeitresultat, bei dem man an der defensiven Stabilität nichts verändern muss. Dann bekommen wir das 1:2 und reagieren sofort. Aber bevor wir Martin Lanig einwechseln können, kriegen wir das 1:3. Und dadurch ist das Stück verpufft. Das ärgert mich richtig. Martin Lanig hat eine gute Leistung gebracht. Sehen wir es positiv: Ich erwarte von einem Spieler, der enttäuscht ist, dass er nicht spielt, eine gute Reaktion. Die hat er gezeigt.

bundesliga.de: Zeichnet den 1. FC Köln eine neue Qualität aus, dass die Mannschaft diesmal nach einem herben Rückschlag wieder zurückgekommen ist?

Schaefer: Ich will da noch nicht von einer neuen Qualität sprechen. Das ist ein bisschen hochgegriffen. Aber es war klar zu sehen, dass wir diesmal nach dem 1:3-Rückstand ein ganz anderes Gesicht gezeigt haben als gegen Borussia Mönchengladbach nach dem 0:2. Das ist Fakt.

bundesliga.de: Worauf führen Sie das zurück?

Schaefer: Die Mannschaft ist insgesamt gefestigter. Sie ist in der Lage, eine Reaktion zu zeigen. Sie ist auch in einer körperlich guten Verfassung. Darüber haben wir nach dem Wolfsburg-Spiel auch gesprochen. Das ist auch für die Mannschaft eine wichtige Rückmeldung, dass sie auch in der Schlussphase noch zulegen kann.

bundesliga.de: Der Druck wird zunehmen, da der Abstand zu Platz 15 größer geworden und auf nun vier Punkte Rückstand angewachsen ist. Wie gehen Sie mit der Situation vor den wichtigen Spielen gegen Frankfurt und Schalke um?

Schaefer: Tabellarisch hat sich die Situation nicht verbessert. Das ist ganz klar. Aber es nützt uns nichts, wenn wir uns nur mit der Tabelle beschäftigen und sie analysieren. Für uns muss es darum gehen, in den beiden Spielen, in denen noch sechs Punkte vergeben werden, einige zu holen, um mit einer guten Perspektive in die Rückrunde zu gehen. Dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt kommt eine besondere Bedeutung zu. Da brauchen wir nicht um den heißen Brei herumzureden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski