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Dortmund - Borussia Dortmund kämpft. Läuft. Spielt. Schießt. Und verliert. Gegen Hannover schon zum vierten Mal in Folge. Der BVB versucht alles, aber in der Bundesliga geht es immer weiter abwärts. Über die Gründe zerbricht sich nicht nur der Trainer den Kopf. Und erste Stimmen stellen die Saisonziele öffentlich in Frage.

Mats Hummels gilt als guter Rhetoriker, der seine Worte zumeist gut abwägt. Aber nach der 0:1-Niederlage gegen Hannover, der sechsten Pleite der laufenden Saison, fiel auch dem Kapitän nicht mehr viel ein. "Es wird langsam schwierig, Erklärungen zu finden. Wir waren in keinem Spiel die schlechtere Mannschaft und verlieren trotzdem eins nach dem anderen. Das ist nicht zu erklären."

Antworten sucht nicht nur der Trainer

Während der Großteil der Spieler gar nichts sagte, flüchtete sich Marco Reus in Durchhalteparolen: "Wichtig ist, dass wir uns voll auf uns konzentrieren. Wir müssen Lösungen suchen und Lösungen finden." Und Jürgen Kloppte betonte, dass gängige Erklärungsmuster für Krisenklubs beim BVB nicht greifen. Die Harmonie im Team sei in Ordnung und der Trainer selbst auch kein Thema: "Wir könnten ja sagen, es hat keinen Sinn mehr. Das aber tun wir nicht."

Warum aber muss Dortmund dann Spiel für Spiel in der Bundesliga Rückschläge hinnehmen? Antworten sucht nicht nur der Trainer. "Wir waren überzeugt, dass wir den Dreh kriegen nach dem Spiel in Istanbul", schüttelte Sportdirektor Michael Zorc den Kopf über die Diskrepanz zwischen internationalem Spitzenteam und nationalem Abstiegskandidaten. In der Champions League hat der BVB drei Siege und 9:0-Tore auf dem Konto, in der Liga ist man noch nicht einmal ohne Gegentreffer geblieben. Sieben Punkte nach neun Spieltagen (zur Tabelle) sind der drittschlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte.

Den Faden verloren

Immerhin führten dieses Mal keine persönlichen Patzer zu direkten Gegentoren, auch wenn nicht nur Mats Hummels wieder einige Fehler in seinem Spiel hatte. Positiv auch: Willen und Bereitschaft kann man den Spielern nicht absprechen. "Besser geht immer, aber mehr geht kaum", hat es Klopp treffend zusammengefasst. Der BVB erspielte sich gegen Hannover dieses Mal auch etliche gute Chancen, verzeichnete 17 Torschüsse. Marco Reus hätte die Partie im Alleingang entscheiden können.

Nachdem es gegen den HSV oder auch in Köln allerdings noch an spielerischer Qualität gefehlt hatte, mangelte es jetzt an fehlender Effizienz – ein altbekanntes Borussen-Problem schon der letzten Jahre. Zudem ist das Nervenkostüm angeknackst: Nach dem Freistoßtor der Gäste schwand die Überzeugung, die Aktionen wurden verkrampfter, Dortmund verlor nach dem sechsten Rückstand in Folge den Faden. "Die Mannschaft gibt alles und will alles, das führt manchmal zu hektischen Aktionen", versuchte sich Jürgen Klopp in einer Erklärung.

Man kann auch überdrehen...

Vielleicht wird der Trainer in diesen Tagen auch seine eigenen Maßnahmen hinterfragen. "Wir drehen an allen Schrauben", hat Klopp noch einmal bestätigt – man kann aber auch überdrehen. Auffällig ist, dass die Mannschaft noch keine stabile Formation hat, in der sie konstant erfolgreich spielen kann. Das in Istanbul erfolgreiche 4-2-3-1-System mit einer Spitze verwarf der Trainer selbst gegen Hannover, indem er auf zwei Viererketten und zwei Spitzen umstellte, später auf eine Raute im Mittelfeld. Flexibilität ist gut, in Zeiten fehlender Automatismen und angeschlagener Psyche aber nicht unbedingt hilfreich.

Gleiches gilt für die Diskussion über Saisonziele zum jetzigen Zeitpunkt. Marco Reus vermied das Thema noch: "Es wäre der falsche Ansatz, jetzt darüber zu reden." Ausgerechnet der Kapitän aber stellte die erneute Qualifikation für die Champions League öffentlich in Frage. "Ich glaube, dass das, was man sich vorgenommen hat, nicht mehr realisierbar ist", meinte Mats Hummels.

"Wir müssen jetzt Spiele gewinnen"

Das böse A-Wort aber kommt auch Hummels nicht über die Lippen. Noch ist der Glaube an die individuellen Stärken groß genug, um trotz prekärer Tabellensituation nicht vom Abstiegskampf zu sprechen. "Ich kümmere mich nicht um Tabellenplätze. Wir müssen jetzt Spiele gewinnen", blickt auch Jürgen Klopp lieber nach vorne. "Wir haben einige Dinge verbessert. Jetzt müssen wir weiterarbeiten. Und wir müssen uns auch mal belohnen."

Die nächste Gelegenheit dazu hat die Borussia in der Bundesliga bei Bayern München, anschließend kommt Gladbach nach Dortmund. Dass es für den BVB ausgerechnet gegen diese ambitionierten Mannschaften leichter wird, weil diese Teams ähnlich wie die Gegner in der Champions League selbst spielerisch überzeugen wollen, daran glaubt Jürgen Klopp nicht: "Die wären ja schön doof, wenn sie das machen würden."

Schon Dienstag geht's weiter

Außerdem steht vor der Liga noch der Auftritt im DFB-Pokal. Schon am Dienstag geht es zum FC St. Pauli, der gerade zuhause gegen Karlsruhe mit 0:4 verloren hat. Und mit Mannschaften, die selbst Probleme haben, hat der BVB zuletzt wahrlich nicht die besten Erfahrungen gemacht.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte