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Prag - Bei der U21-EM trifft Deutschland auf Dänemark und Kapitän Kevin Volland auf seinen Kumpel Jannik Vestergaard. Mit einem Sieg soll auch der Traum von Olympia leben. Ein Traum, der Vollands Vater einst verwehrt blieb.

In Eden will die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der U21-Europameisterschaft am Samstag ihren ersten Sieg feiern. Eden, so heißt das Stadion, in dem sonst Slavia Prag seine Heimspiele austrägt. Eine kleine, aber feine Arena mit integriertem Hotel und angeschlossenem Einkaufszentrum. Ein moderner Komplex, der den rasanten Fortschritt der goldenen Stadt an der Moldau verkörpert. In diesem blühenden Garten muss das Team um Kapitän Kevin Volland gegen Dänemark im Vergleich zum 1:1 gegen Serbien gleichfalls Fortschritte zeigen, wenn der Traum vom Titel erhalten bleiben soll. "Gegen Serbien sind wir erst nach der Pause aufgewacht. Da haben wir dann endlich so agiert, wie wir es uns von Beginn an vorgenommen hatten. Gegen die Dänen müssen wir nun von der ersten Minute an Vollgas geben", sagte Volland.

"Darf nicht wieder vorkommen"

Der Offensivakteur der TSG 1899 Hoffenheim möchte unbedingt Europameister werden. Seit 2008 hat er alle U-Nationalmannschaften des DFB durchlaufen. "Ich werde am 30. Juli 23 Jahre alt und damit bedeutet diese EM das Ende meiner Jugend-Karriere. Der Titelgewinn wäre der krönende Abschluss als Nachwuchsspieler", sagte Volland. Dabei ist er in Hoffenheim schon gestandener Bundesliga-Profi. In 99 Spielen für die Kraichgauer gelangen ihm bereits 25 Treffer, 21 weitere Tore bereitete er vor. Für U21-Bundestrainer Horst Hrubesch ist Volland daher Führungsspieler sowie Mannschaftskapitän und als solcher musste er nach dem Auftakt-Remis Kritik äußern dürfen. "Die Serben sind für mich zwar ein ganz heißer Anwärter auf den Pokal, aber dennoch: Uns fehlte es an Tempo, Aggressivität und Spielverlagerung. Was wir vor der Pause gezeigt haben, darf nicht wieder vorkommen."

Schließlich haben Volland und seine Teamkameraden nicht nur vor, Deutschland nach 2009 zum zweiten Male zum U21-Europameister zu machen. Sie wollen sich auch ihren Traum erfüllen und im nächsten Jahr am olympischen Fußball-Turnier in Rio de Janeiro teilnehmen. "Diese Qualifikation besitzt für uns einen hohen Stellenwert. Seit 1988 hat es schließlich kein DFB-Team mehr geschafft, an Olympia teilzunehmen. Ich möchte meinen Beitrag leisten, dass es nach 28 Jahren endlich mal wieder gelingt", sagte Volland. Der hätte damit seinem Vater etwas voraus. Eishockey-Profi Andreas Volland (49) spielte mit der A-Nationalmannschaft zwar die Weltmeisterschaft 1993, wurde dann aber ein Jahr später nicht in den Kader für die olympischen Winterspiele in Lillehammer berufen. "Ich rede viel mit meinem Vater darüber und er drückt mir ganz fest die Daumen, dass ich es schaffe", sagte Kevin Volland.

Treffen mit Bekannten aus der Bundesliga

Dazu reicht bei dieser U21-EM schon der Einzug ins Halbfinale. Dafür allerdings sollte Samstag gegen Dänemark möglichst gewonnen werden. Kein leichtes Unterfangen, schließlich war "Danish Dynamite" in der Qualifikation mit 3,17 Toren pro Partie das offensivstärkste Team. Zudem sind die Mannen um den von Borussia Mönchengladbach heftig umworbenen Abwehrchef Andreas Christensen (FC Chelsea) nervenstark. In den Play-offs gegen Island gelang der entscheidende Treffer zum Ticket nach Tschechien in der Nachspielzeit und bei der Auftakt-Begegnung mit dem Gastgeber konnte vor drei Tagen ein 0:1 in ein 2:1 gedreht werden. Gegen Deutschland kommt hinzu, dass die vier in Bundesliga und 2. Bundesliga tätigen Spieler Jannik Vestergaard (Werder Bremen), Pierre-Emile Höjbjerg (Bayern München), Emil Berggren (Eintracht Braunschweig) und Yussuf Poulsen (RB Leipzig) extra motiviert sind.

Gleiches gilt jedoch auch für Kevin Volland. Der in Marktoberdorf im Allgäu geborene Angreifer trifft schließlich auf Verteidiger Vestergaard und damit direkt auf seinen Kumpel aus gemeinsamen Zeiten bei der TSG Hoffenheim. "Ich schätze Jannik sehr und freue mich auf dieses Duell, aber für diese 90 Minuten muss die Freundschaft ruhen", sagte Volland. Sonst droht die deutsche Mannschaft schon früher als ihr lieb ist, jenseits von Eden zu sein.

Aus Prag berichtet Thomas Schulz