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Unvergessen, der tränenreiche Abschied Hitzfelds von den Bayern und der Bundesliga im vergangenen Jahr 2008. Immerhin aber hatte sich der Jubilar diesen Schritt mit Meisterschaft und DFB-Pokal ein wenig versüßt. Im Gespräch mit bundesliga.de spricht Hitzfeld über die WM-Quali mit der Schweiz, die Qualität der Bundesliga und seine alten Vereine FC Bayern und Borussia Dortmund.

bundesliga.de: Herr Hitzfeld, das Fußballjahr 2008 ist gerade vorüber. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an das vergangene Jahr?

Ottmar Hitzfeld: Das war sicherlich der Abschied vom FC Bayern München in der Allianz Arena - der war sehr emotional. Zudem war es ja auch der Abschied von der Bundesliga und von der Tätigkeit als Vereinstrainer. Das waren sehr beeindruckende Momente für mich. Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft und des DFB-Pokals mit den Bayern sowie meine neue Aufgabe als Schweizer Nationaltrainer gehören auch zu den schönsten Erinnerungen. Mit der Schweiz haben wir durch den Sieg im letzten Spiel in Griechenland auch wieder die Chance, uns aus eigener Kraft für die WM 2010 zu qualifizieren.

bundesliga.de: Dabei hatten Sie in der WM-Quali zunächst Startschwierigkeiten mit der Schweiz. Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit als Nationaltrainer und der als Vereinstrainer?

Hitzfeld: Das ist ein ganz anderes Arbeiten - es ist wie ein Abenteuer. Bei einem Verein hat man sechs Wochen Vorbereitungszeit und zehn Testspiele - da kann man experimentieren, die Mannschaft einstellen. Als Nationaltrainer sieht man die Spieler erst vier, fünf Tage vor dem Spiel und muss eigentlich die gleiche Arbeit machen. Man hat einfach nicht die Vorbereitungszeit - darauf muss man sich einstellen. Auch Niederlagen kann man nicht so schnell wieder korrigieren, da muss man lange Zeit drauf warten. In der Bundesliga kann man sich meistens gleich drei Tage später wieder rehabilitieren - von daher ist es mit mehr Druck verbunden. Trotzdem macht die Arbeit als Nationaltrainer viel Spaß. Die Spieler im In- und Ausland zu beobachten, man reist - man macht einen Job, der ja eigentlich ein Hobby ist.

bundesliga.de: Immer wieder machen Schweizer Profis Karriere in der Bundesliga. Warum genießt die Bundesliga ein solch hohes Ansehen bei den Eidgenossen?

Hitzfeld: Es hat sich in der Bundesliga herumgesprochen, dass in der Schweiz eine gute Nachwuchsförderung geleistet wird und dass man dort junge Spieler noch günstig erwerben kann, die taktisch und technisch gut ausgebildet sind.

bundesliga.de: Gefällt Ihnen die offensive Spielweise, mit der viele Clubs in der Bundesliga in der Hinrunde aufgetreten sind?

Hitzfeld: Generell entwickelt sich die Bundesliga immer weiter. Die Stadien sind voll, das Interesse der Bevölkerung ist sehr hoch und auch der gesellschaftliche Wert des Fußballs ist gestiegen. Das ist natürlich Motivation für die Mannschaften, von sich Reden zu machen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Hinrunde des FC Bayern und die Leistung Ihres Nachfolgers Jürgen Klinsmann?

Hitzfeld: Es steht mir nicht zu, meinen Nachfolger zu beurteilen, aber die Bayern haben zuletzt eine beeindruckende Serie hingelegt und zur alten Stärke zurückgefunden. Ich gehe davon aus, dass sie auch wieder Deutscher Meister werden.

bundesliga.de: Können die Bayern 2009 denn schon wieder in allen drei Wettbewerben, also Meisterschaft, Pokal und Champions League, angreifen?

Hitzfeld: Sicher, Bayern hat immer die Chance den DFB-Pokal zu gewinnen. Auch in der Champions League haben sie bis jetzt einen Durchmarsch gemacht. Vom Potenzial her hat Bayern auch die Möglichkeit die Champions League zu gewinnen.

bundesliga.de: Was sagen Sie zum bisherigen Auftreten von Borussia Dortmund unter dem neuen Trainer Jürgen Klopp?

Hitzfeld: Borussia Dortmund hat unter Jürgen Klopp eine Begeisterungswelle im Ruhrgebiet ausgelöst - es herrscht eine Aufbruchstimmung. Ich bin überzeugt davon, dass sich die Dortmunder in dieser Saison für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren werden.

bundesliga.de: Nun hat in der Bundesliga die Zeit der Trainingslager und der Testspiele wieder begonnen. Worauf haben Sie als Bayern-, bzw. Dortmund-Trainer in den Trainingscamps der Winterpause besonderen Wert gelegt?

Hitzfeld: Das Wichtigste ist, wieder schnell in den Spielrhythmus zu finden, möglichst viele Spieler für die ersten Partien wieder topfit zu machen, den Konkurrenzkampf wieder anzustacheln und dass man die Mannschaft auch im taktischen Bereich wieder einstellt - sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Es ist eine vielfältige Aufgabe, die man in der Vorbereitung hat. Die Vorbereitung ist enorm wichtig, weil man in der Folge dann vier Monate davon zehren kann.

bundesliga.de: Waren Sie grundsätzlich ein Freund der langen Winterpause oder gefällt Ihnen das Modell einer dreiwöchigen Pause, welches die Bundesliga in der kommenden Saison aufgrund der WM fahren wird?

Hitzfeld: Ich habe mich immer darüber gefreut, dass man im Winter auch mal abschalten kann, zwei Wochen Ferien hat, dass man den Akku aufladen kann. Ich fand es immer motivierend für alle Beteiligten im Bundesliga-Geschäft. Für die Fans ist es natürlich schöner, wenn die Winterpause kürzer ist. Aber ich glaube, dass man als Nationalteam davon profitiert, wenn man nicht durchspielt.

bundesliga.de: Auch Neuverpflichtungen gehören zur Winterpause dazu. Timo Hildebrand ist sicher der bekannteste Spieler, der in diesem Winter den Verein gewechselt und in die Bundesliga zurückgekehrt ist. Wie sehr kann er das Geschehen bei Hoffenheim und damit in der Rückrunde allgemein beeinflussen?

Hitzfeld: Mit der Verpflichtung von Hildebrand hat Hoffenheim ein Zeichen gesetzt, dass man sich ganz oben in der Spitze etablieren will. Das ist auch generell ein Zeichen an die Bundesliga: Es kommen auch Nationalspieler nach Hoffenheim! Somit hat man die Ambitionen forciert - ich finde das gut für die Bundesliga!

bundesliga.de: Was erwarten Sie vom Fußballjahr 2009 - sowohl in der Bundesliga als auch für Sie mit der Schweizer Nationalmannschaft?

Hitzfeld: Ich gehe davon aus, dass die Bundesliga weiterhin boomt. Für mich als Schweizer Nationalcoach ist es natürlich ein ganz entscheidendes Jahr. Ich hoffe natürlich und glaube auch fest daran, dass wir uns für die WM 2010 qualifizieren werden.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz