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Darmstadt – Am 24. Mai 2015 um 17.20 Uhr brachen am Darmstädter Böllenfalltor alle Dämme. Nach 33 Jahren kehrte der SV Darmstadt 98 zurück in die Beletage des deutschen Fußballs. Es war ein sensationeller Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga, mit dem wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet hätten. bundesliga.de verrät, weshalb wir uns auf den Aufsteiger freuen dürfen.

Rückblick

Die Mannschaft von Coach Dirk Schuster erwischte einen Traumstart, blieb die ersten fünf Saisonspiele ohne Niederlage und stand punktgleich mit Kaiserslautern, Leipzig und Ingolstadt unter den Top-Vier der Tabelle. Doch das sollte erst der Anfang sein. Über die gesamte Hinrunde hinweg mischten die Lilien in der Spitzengruppe mit und überwinterten schlussendlich auf einem unerwarteten dritten Platz. Langsam aber sicher festigte sich der Eindruck, dass für die Lilien mehr drin sein könnte als “nur“ der Klassenerhalt.

Disziplin, starker Willen und extrem hoher Arbeitseifer standen seit Saisonbeginn für erfolgreichen Fußball aus Darmstadt. Diese Spielphilosophie des “Bälle-Jagens“ mag ein eigenwilliger Ansatz sein, folgt aber einem klaren Plan: Aus einer defensiven Grundordnung heraus möchte man mit lang geschlagenen Vertikalbällen zum Erfolg kommen.

Wer nach der Winterpause trotzdem mit einem Einbruch rechnete, wurde enttäuscht. Die Lilien arbeiteten akribisch weiter und wurden belohnt. Der entscheidende Schritt Richtung Durchmarsch von der 3. Liga bis in die Bundesliga gelang am 32. Spieltag. Durch herausragende Defensivarbeit erkämpfte man sich einen 1:0-Sieg beim direkten Konkurrenten in Karlsruhe. Ein Spiel, das sinnbildlich für die Saison der Hessen steht. Kein Team in der 2. Bundesliga ließ weniger Tore zu, keine Mannschaft spielte häufiger zu Null. Im US-Sport heißt es: "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften." Im Fall der Darmstädter stand am Ende zwar nicht die Meisterschaft, aber der sensationelle Aufstieg.

Key-Player

Ein solcher Erfolg ist nur mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung zu bewerkstelligen. Dennoch haben sich in der vergangenen Spielzeit drei Spieler des Clubs besonders in den Fokus gespielt. Mit Abwehrchef und Kapitän Aytac Sulu, Jerome Gondorf im zentralen Mittelfeld und Stürmer Dominik Stroh-Engel hatte Trainer Dirk Schuster eine funktionierende Achse, die auch schon in der 3. Liga das Gerüst der Mannschaft bildete.

Aytac Sulu
Der 29-Jährige lebt den Fußball der Lilien wie kaum ein Zweiter. Schon zu Beginn der Saison machte er auf sich aufmerksam, als er nach vier Brüchen im Gesicht mit Maske spielte und dennoch keinen Zweikampf scheute. Gemeinsam mit seinem Innenverteidiger-Kollegen Romain Brégerie war er hauptverantwortlich dafür, dass man die beste Abwehr der Liga stellte. Zudem erzielte er vier Treffer.

Jerome Gondorf
Der Sechser hat sich maßgeblich um die Balance und Stabilität im Spiel verdient gemacht und sorgte dafür, dass die Angreifer im Umschaltspiel eine Anspielstation hatten. Gondorf ist zudem enorm laufstark und spult rund zwölf Kilometer pro Partie ab. 58 schnelle Läufe sowie 22 Sprints innerhalb eines Spiels sind ebenfalls beachtliche Werte.

Dominik Stroh-Engel
Die personifizierte Torgefahr der Hinrunde war Dominik Stroh-Engel: Der 29-Jährige erzielte acht von insgesamt 25 Hinrunden-Treffern. Wie wichtig der groß gewachsene Mittelstürmer aber tatsächlich ist, zeigte sich erst in einer Phase, in der er selbst nur noch einen Treffer beisteuerte. Im Jahr 2015 agierten die Darmstädter noch stärker mit langen Bällen und waren auf Stroh-Engels Qualitäten als Wandspieler und Balleroberer angewiesen.

Trainer

Seit 2012 ist Dirk Schuster jetzt verantwortlich für die Darmstädter Mannschaft und setzt dabei auf Zusammenhalt, Mannschaftsgeist und Kampfkraft.

Diese Grundtugenden des Fußballs lebt er mit einer Akribie vor, die ihn schon im Jahr 2007 zum Jahrgangsbesten der Trainerausbildung in Köln machte. Der 47-Jährige hat es geschafft, seine defensiv ausgerichtete Spielweise weiterzuentwickeln ohne dabei die Offensive zu vernachlässigen.

Ausblick

Egal, wen die Lilienam Freitag bei der Veröffentlichung des Spielplansam 1. Spieltag 2015/16 zugeteilt bekommen, sie sind in jedem Fall der klare Außenseiter - wie schon derSC Paderbornin der vergangenen Saison. Dass dies nicht zwingend ein Nachteil sein muss, haben die Paderborner zumindest in der Hinrunde der Bundesliga-Saison 2014/15 eindrucksvoll bewiesen. Für die Schuster-Elf geht es nun darum, ihre Spielweise auf das deutlich höhere Tempo in der Bundesliga zu übertragen.

Ein Faustpfand dürfte die Stärke bei ruhenden Bällen sein. Schon in der zurückliegenden Saison kam der Erfolg in erster Linie über Standards: 17 Tore fielen so für die Lilien, davon zwölf nach Ecken. Gelingt es dem Verein, auch in stürmischen Zeiten zusammenzuhalten und die Ruhe zu bewahren, ist auch die dritte Überraschung in Serie nicht unmöglich.

Von Thomas Ziemann