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Köln - Das war keine gute Woche für den Hamburger SV. Dem heftigen 2:5-Pokal-K.-o. bei Eintracht Frankfurt folgte eine überflüssige 2:3-Niederlage beim 1. FC Köln in der Bundesliga. Vor den richtungsweisenden Spielen gegen 1899 Hoffenheim und bei Borussia Dortmund steckt der HSV erst einmal im Mittelmaß fest.

Platz 8 in der Bundesliga, 15 Punkte geholt bei einem Torverhältnis von 15:14, im Pokal ausgeschieden und international gar nicht vertreten. Die Achterbahnfahrt des HSV geht weiter. Dem rasanten Zwischenhoch mit dem 1:0-Coup beim damaligen Spitzenreiter Mainz 05 und dem achtbaren 0:0 gegen Bayern München folgte wieder einmal die Talfahrt.

Keine Konstanz durch Verletzungspech

Die Hanseaten bekommen einfach keine Konstanz in dieser Saison rein. Eine Woche Abwehrbollwerk, eine Woche Schießbude. "Ich habe befürchtet, dass es eine zähe Hinrunde wird. Leider stellt es sich im Moment auch so da", hat HSV-Sportchef Bastian Reinhardt erkannt. "Wir müssen aufpassen, dass sich das nicht wie ein roter Faden durch die Hinrunde zieht."

Die Formschwankungen haben ihre Ursachen. Denn auch den Hamburger SV hat das Verletzungspech voll erwischt. In Köln fehlten u. a. feste Größen wie Frank Rost, Dennis Aogo, Eljero Elia, Dennis Diekmeier, Marcell Jansen oder Ruud van Nistelrooy. Van Nistelrooy wird dem HSV noch längere Zeit fehlen. Der Niederländer zog sich am Dienstag (2. November) im Mannschaftstraining einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zu.

Problemfall linke Abwehrseite

Vor allem die linke Abwehrseite geriet zur Schwachstelle, die auch die "Notlösung" Robert Tesche trotz allen Einsatzes in Köln nicht beheben konnte. "Wir haben keinen Linksverteidiger mehr", erklärt Bastian Reinhardt die Problematik. "Aber wir müssen uns irgendwie da heraus arbeiten, egal, wer uns zur Verfügung steht. Die Spieler haben ihre Qualität, aber die müssen sie auch zeigen und so in die Waagschale werfen, dass wir als Sieger vom Platz gehen."

Denn trotz aller Personalsorgen stand in Köln immer noch eine hochkarätig besetzte HSV-Mannschaft auf dem Platz, die beim zu der Zeit Bundesliga-Schlusslicht etwas Zählbares hätte holen müssen.

"Auch mit dem Aufgebot hätten wir gegen Köln gewinnen müssen", gibt HSV-Mittelfeldspieler Piotr Trochowski selbstkritisch zu. "Aber wenn man so viele Gegentore zulässt, kann man keine Spiele gewinnen. Wir haben es wieder vergeigt."

Heung-Min Son deutet sein Potenzial an

Bei aller Enttäuschung über die verpatzte Chance, auf Platz 5 zu klettern und enge Tuchfühlung auf den Champions-League-Qualifikationsrang zu bekommen, gab es aber auch Erfreuliches aus Köln zu berichten. Der 18-jährige Koreaner Heung-Min Son gab sein vielversprechendes Bundesliga-Debüt und glänzte dabei auch gleich als Torschütze.

Son war die Entdeckung der Saisonvorbereitung, in der er neun Treffer erzielte. Beim Testspiel gegen den FC Chelsea zog er sich dann einen Mittelfußbruch zu. Eine monatelange Pause war die Folge.

In Köln deutete er sein großes Potenzial an und rechtfertigte die Vorschusslorbeeren seines Trainers Armin Veh, der vor der Saison gesagt hatte: "Heung-Min Son macht mir viel Freude. Ich werde nicht aufhören, ihn zu loben. Er macht einfach Spaß."

Punktgewinn gegen Hoffenheim ist Pflicht

Son hat sich vor dem wichtigen Duell mit dem Tabellen-Dritten aus Hoffenheim am kommenden Samstag fraglos als Alternative für den Sturm empfohlen.

Gegen die Truppe von Trainer Ralf Rangnick ist der HSV unter Erfolgsdruck. Mit einem Sieg gegen die Kraichgauer, die gerade einmal drei Punkte mehr auf dem Konto haben als der HSV, wären die Norddeutschen wieder oben mit dabei.

Ansonsten könnte es ungemütlich werden in Hamburg. "Fakt ist, dass der Abstand zu den vorderen Plätzen größer geworden ist", warnt HSV-Stürmer Mladen Petric. "Damit er nicht noch größer wird, müssen wir am gegen Hoffenheim punkten."

Tobias Gonscherowski