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Wolfsburg – Beim FC Bayern München wurde durch die Verpflichtung von Arturo Vidal und den Abgang von Bastian Schweinsteiger viel über die Zentrale gesprochen. Beim Supercup zeigte sich aber, dass die Außenbahnen weiterhin die noch größere Bedeutung haben.

Bereits nach zwei Minuten ging ein Raunen durch die Wolfsburger Arena. Douglas Costa hatte auf der linken Offensivseite der Bayern seinen Turbo eingeschaltet und Vieirinha stehen gelassen. Das Raunen war noch nicht ganz verklungen, da wiederholte der Brasilianer die Übung und die Erwartungen auf ein Offensivspektakel der Bayern waren geweckt. Sie hielten ungefähr eine Viertelstunde, dann verflachte die Partie deutlich. Die Entschuldigung, die Xabi Alonso Costa ungefähr zu dieser Zeit zurief, weil er einen Pass ins Zentrum statt auf Außen spielte, hatte dann bis zum Halbzeitpfiff durchgehend Bestand.

Costa und Robben sorgen für die größte Gefahr

Denn die Bayern suchten ihre Außen nun kaum noch. Die beiden Flügelspieler klebten zwar so an der Seitenlinie, dass ihre blauen Schuhe wahrscheinlich schon deutliche weiße Einfärbungen hatten. Doch der Spielaufbau ging zunehmend durchs Zentrum. Die Wolfsburger Abwehr nahm diese Umstellung dankend an. Wenn Costa und Arjen Robben doch eingebunden wurden, wackelte die Wölfe-Defensive. Und wenn Costa nicht zu verspielt auf Robert Lewandowski abgelegt hätte, wäre der Meister bereits nach einer knappen halben Stunde 1:0 in Führung gegangen.

"Die neuen Spieler sind ganz wichtig für uns", sagte Arjen Robben. "Sie bringen uns weiter, davon bin ich überzeugt." Auch wenn die Hereingaben teilweise noch zu unpräzise waren, zeigt sich, dass Douglas Costa durchaus in der Lage ist, die Lücke zu füllen, die Franck Ribéry durch seine Verletzung momentan hinterlässt. Nach der Pause wurde es sehr deutlich, als Costa zunächst das Tor vorbereitete und danach weiter auf die Tube drückte. Er flankte, schoss und tanzte als Höhepunkt den teilweise bemitleidungswürdigen Vieirinha aus.

Aber auch die etablierten Spieler sahen nun die Möglichkeiten, die Wolfsburg ihnen bot. Thiago tauchte auf einmal am rechten Strafraumeck auf. Lahm schaltete sich mit ein und schuf nach einer feinen Kombination mit Robben ein weiteres Sinnbild. Sein Pass von der Grundlinie fand im Zentrum keinen Abnehmer. "Wir haben einen guten Auftritt abgeliefert, aber verpasst das zweite Tor zu machen", analysierte Manuel Neuer. Es lag durchaus in der Luft, wenn Robben oder Costa sich ein Herz nahmen. Wenn dazu noch Lahm und auf der linken Seite David Alaba mitwirkten, sahen die Gastgeber erst recht nicht gut aus.

Ein paar Prozent fehlen noch

Pep Guardiola hatte das ebenfalls erkannt. Er wies seine Akteure immer wieder auf die frei stehenden Außen hin, dirigierte seine Mannschaft Richtung Flügel und forderte Pässe auf Costa und Robben. Sie bekamen diese nicht immer und noch stimmte auch die letzte Feinabstimmung nicht. Robert Lewandowski und Thomas Müller schafften es zu selten, die Flanken und Bewegungen ihrer Mitspieler vorauszuahnen und die Bälle optimal zu verwerten.

Dass noch nicht alles rund läuft, war auch beim Gegentor zu sehen, als David Alaba Kevin De Bruyne in seinem Rücken aus den Augen verlor. Und "Xabi (Alonso) und Jerome (Boateng) etwas langsam waren", wie Guardiola bemerkte. "Wir haben jetzt noch ein bisschen Zeit", sagte Boateng. "Wir müssen weiter hart arbeiten, es fehlt noch ein wenig die Spritzigkeit. Ein paar Prozent können wir noch drauf packen. Dann bin ich guten Mutes, dass wir erfolgreich in die Saison starten."

"Ich weiß nicht, welche Aussagekraft dieses Spiel hat", sagte Manuel Neuer nach der Partie zur kommenden Saison. Es herrschte Einigkeit in der Bayern-Mannschaft, dass man den Supercup verdient gehabt hätte. Die Aussagekraft des Spiels in Hinsicht auf die Offensive war aber recht klar: Es sind trotz der Diskussion ums Zentrum weiterhin die Außenbahnen, die beim FC Bayern im Mittelpunkt stehen.

Aus Wolfsburg berichtet Sebastian Stenzel

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