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Hamburg - "Das ist keine Meldung wert", kommentierte Klaus Allofs die Tatsache, dass der VfL Wolfsburg nach dem 2:0 beim Hamburger SV bereits sechs Spieltage vor Ende der Saison Champions-League-Qualifikationsrang vier sicher hat. "Platz zwei ist das Ziel", stellte der Sportdirektor klar.

Ein Ziel, das auch die Spieler verfolgen. "Wir müssen nicht über Platz drei oder vier reden. Wir wollen Zweiter werden", gibt Bas Dost als Ziel vor. "Außerdem wollen wir ins Pokalfinale und in der Europa League so weit kommen wie möglich. Daher konzentrieren wir uns ab morgen ganz auf das Spiel am Donnerstag. Das wird nicht einfach. Neapel ist nicht der HSV", mahnt der Angreifer.

Wölfe voller Selbstvertrauen

Erster im Heim- und der Rückrundentableau (zur Tabelle), mit 60 Zählern drei Punkte mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt im Meisterjahr 2009. Der VfL Wolfsburg spielt eine bärenstarke Saison. "Die Mannschaft ist im Moment voll mit Selbstvertrauen", lobt Dieter Hecking. "Ich hatte von der ersten Minute an nie das Gefühl, dass hier etwas schiefgehen könnte", bringt Dost dieses Selbstvertrauen auf den Punkt.

Es gibt vielerlei Gründe für den Höhenflug. Keine Mannschaft hat in der aktuellen Saison mehr Großchancen herausgespielt und Treffer nach Standards erzielt als der VfL, kein Team ist so unberechenbar. Bereits 15 Spieler konnten sich in die Torschützenliste eintragen. Darüber hinaus lässt Dieter Hecking kaum rotieren, die Mannschaft ist hervorragend eingespielt.

Herausragender Taktgeber

Gegen den Hamburger SV hat der Trainer die Mannschaft im Vergleich zum Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart (3:1) lediglich auf zwei Positionen verändert. Dabei zwang ihn die Gelbsperre von Luiz Gustavo zu einer der beiden Umstellungen.

"Jeder weiß, was der andere macht und will", sagt Daniel Caligiuri. "Wir haben überragende Spieler." Mit einem herausragenden Taktgeber Kevin De Bruyne in den Reihen. Der Belgier allein legte für 17 Treffer auf - Top in der Liga (Scorerliste). Dazu traf er selbst auch schon neun Mal.

Ehrgeiz und Spaß am Spiel

Und nicht zu vergessen: "Wir haben Spaß am Spiel", so Caligiuri - und Ehrgeiz. "Wir wollen jedes Spiel gewinnen." "Wie sicher wir spielen, das zeigt schon eine besondere Qualität", ergänzt Dost. "Diese Mannschaft kann stolz auf sich sein." Und wie der Angreifer stellt sich jeder in den Dienst dieser Mannschaft. Beim HSV bereitete der Niederländer beide Treffer vor und erntete dafür Lob von Allofs. "Wir sehen schon, welche Anteile jeder am Erfolg hat. Er war der Erste, der verteidigt hat. So muss man das spielen."

"Ganz ehrlich, es nervt, dass ich lange Zeit nicht getroffen hab'", gab Dost, der seit acht Pflichtspielen auf einen Treffer wartet, zu. Aber "ich darf nicht egoistisch sein. Zwei Vorlagen sind doch auch schön." Besonders freute den 25-Jährigen sein Assist zur 1:0-Führung durch Joshua Guilavogui.

Mahner Hecking verliert Wette

"Ich hätte es allein versuchen können", scherzt Dost. "Aber ich wollte, dass er seinen ersten Saisontreffer erzielt." Ein Treffer, der Hecking wohl 500 Euro kostet. Da der 24-Jährige beim Torschuss-Training regelmäßig nicht zu den Treffsichersten gehört, hatte der Trainer gewettet, dass Guilavogui in dieser Saison kein Tor mehr erzielen würde.

"Ich gönne es ihm und freue mich natürlich, dass er getroffen hat", steckte Hecking den Verlust locker weg. Das sichere Erreichen von zumindest Platz vier wollte der Trainer nicht überbewerten. "Wir haben noch nichts erreicht", bleibt der 50-Jährige der Mahner in Reihen der Wölfe. "Lassen Sie uns in 14 Tagen noch einmal reden. In der Zeit spielen wir zweimal gegen Neapel sowie gegen den FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Diese Spiele sind sehr wichtig."

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs