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Am Samstag kommt es in der Allianz Arena zum Südgipfel. Der FC Bayern München empfängt den VfB Stuttgart. Der Rekordmeister ist mitten in den Wochen der Wahrheit und will die Tabellenführung verteidigen. Der VfB liebäugelt nach dem schwachen Saisonstart sogar schon wieder mit den Europa-League-Plätzen.

Mit Bayern und dem VfB treffen die beiden besten Teams im Jahr 2010 aufeinander. Einziger Unterschied: Bayern hat auch in der Vorrunde schon überzeugt.

Der ehemalige Stuttgarter Fredi Bobic erklärt im Interview mit bundesliga.de, warum die Schwaben in dieser Hinrunde schon wieder nicht überzeugen konnten, was sie jetzt so stark macht und wie er die Chancen gegen den Rekordmeister einschätzt.

bundesliga.de: Sind sie überrascht, dass es beim VfB Stuttgart unter Christian Gross wieder so gut läuft? Was ist das Erfolgsrezept?

Fredi Bobic: Christian Gross hat sie wieder auf Kurs gebracht. Er steht für den Erfolg. Man erkennt bei der Mannschaft eine unheimlich gute Grundordnung. Die Jungs marschieren nach vorne und stehen in der Defensive fantastisch. Er hat es auch geschafft, Spieler wie Pavel Pogrebnyak oder Ciprian Marica auf Kurs zu bringen. Beide hatten in der Anfangsphase Probleme, sich beim VfB so richtig einzubringen. Das spricht für Gross. Am besten gefällt mir einfach die Disziplin und die Laufreude im Spiel.

bundesliga.de: Was ist der Unterschied zur Vorrunde?

Bobic: Jeder hat zuvor sein eigenes Ding gemacht. Jetzt treten sie geschlossen auf und rufen ihre Qualitäten ab. Das haben sie dem Trainer zu verdanken. Seit er da ist, spielen sie eine fantastische Saison. Aber natürlich lastet noch die Hypothek aus der Vorrunde auf den Schwaben. Wahrscheinlich wird es für einen Europa-League-Platz nicht reichen.

bundesliga.de: Wie schon im letzten Jahr musste wieder eine Aufholjagd her (Tabellenverlauf). Warum kommt der VfB erst so spät in Fahrt?

Bobic: Das waren Strukturprobleme in der Mannschaft. Seit der Meisterschaft 2007 hat sich der VfB immer ein wenig beweihräuchern lassen, wenn sie ein paar gute Spiele gemacht haben. Sami Khedira hat ja selbst in einem Interview erwähnt, dass jeder nur noch an sich selbst gedacht und nichts mehr in die Mannschaft investiert hat. Die Spieler waren anscheinend selbstzufrieden. Das ist immer sehr gefährlich, wenn der Erfolg solche Auswirkungen hat. Dafür sind natürlich die Trainer da. Sie müssen so etwas früh erkennen und unterbinden. Dass sie Qualität besitzen, steht ja außer Frage.

bundesliga.de: Was für ein Spiel erwarten Sie nun gegen den FC Bayern?

Bobic: Das wird ein enges Spiel. Die Bayern sind stark unter Druck. Die spüren den Atem ihrer Verfolger. Gegen den VfB mal so eben nebenbei drei Punkte einzufahren, wird nicht einfach sein. Die Schwaben werden große Gegenwehr leisten. Wer am Ende der Glücklichere sein wird, bleibt offen, aber interessant wird es allemal.

bundesliga.de: Kommt ein VfB Stuttgart dem Rekordmeister wieder mehr entgegen? Schließlich hatten die Münchner gegen die tief stehenden Mannschaften aus der unteren Tabellenregion doch einige Probleme.

Bobic: Das war schon immer ein Problem der Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Gegen diese defensiven Teams ist es nicht immer einfach, sich durchzukämpfen. Man hat das bei den Bayern gegen Frankfurt und Freiburg gesehen. Das könnte nun wieder ein kleiner Vorteil gegen Stuttgart sein. Doch ich glaube, der VfB wird den Teufel tun, auf Angriff zu spielen. Die Schwaben werden selbst erst einmal versuchen, gut zu stehen und den Bayern das Leben so schwer wie möglich zu machen.

bundesliga.de: Was war für Sie immer das Besondere, wenn es gegen den großen FC Bayern ging?

Bobic: Das ist einfach ein typischer Süd-Schlager. Als Stuttgarter spielst du gegen die großen Bayern, die nur 200 Kilometer entfernt sind. Die Schwaben sind natürlich ein wenig im Schatten dieses ganz großen Vereins. Gerade in solch einem Spiel will man sich dann beweisen. Ganz nach dem Motto: "Wir sind zwar nicht so groß wie ihr, aber wir können euch auch ärgern".

bundesliga.de: Was ist für den VfB in dieser Saison noch drin? Wird die Aufholjagd belohnt?

Bobic: Das wird schwierig. Sie müssten jetzt schon in München gewinnen und auch danach noch einmal eine große Serie starten. Zudem müsste die Konkurrenz, die vor ihnen steht, auch noch Federn lassen. Da ist ein Europa-League-Platz eher unrealistisch. Wenn die Aufholjagd von einem Abstiegsrang in die Europa League klappen würde, wäre das natürlich sensationell.

Das Gespräch führte Norman Thalwitzer

Im zweiten Teil des Interviews spricht Fredi Bobic morgen über die Partie zwischen seinen Ex-Clubs Hertha BSC und Borussia Dortmund.