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Köln - Der VfB Stuttgart hat sich für ein Jahr die Dienste von Oriol Romeu gesichert. Wer ist der Spieler, den Pep Guardiola zum Profi gemacht hat und der in den Planungen von Jose Mourinho trotz des Leihgeschäfts eine zentrale Rolle spielt?

Wo Oriol Romeu spielt, da sind Titel vorprogrammiert. Im zarten Alter von 22 Jahren darf er sich bereits Champions-League- und Europa-League-Sieger nennen. Dazu ist er Spanischer Meister und Englischer Pokalsieger geworden. Warum der Name Romeu im Weltfußball aber noch nicht allzu bekannt ist, mag daran liegen, dass die Beiträge des Spaniers zu all den Erfolgen durch unglückliche Umstände eher bescheiden waren.

Im katalanischen Dorf Ulldecona aufgewachsen, kam Romeu mit zwölf Jahren zur berühmten Jugendakademie "La Masia" des FC Barcelona. In seinem Jahrgang spielte er dort unter anderem neben Bayerns Thiago. Zusammen durchlief man die spanischen Jugendnationalmannschaften und wurde 2008 U17-Europameister. Pep Guardiola erkannte das Talent des Mittelfeldspielers früh und holte ihn als Trainer zunächst zur Reserve des FC Barcelona, zwei Jahre später schließlich zu den Profis. Mit einer Kombination aus einer aggressiven Spielweise gepaart mit hoher Passsicherheit war er bereits als fester Backup für Sergio Busquets eingeplant.

Viel Verletzungspech bremst Romeu

Doch während der Club in der Saison 2010/11 die spanische Meisterschaft und die Champions League gewann, kam Romeu lediglich zu zwei Einsätzen für die Katalanen. Ein Meniskusschaden führte jäh zum Saisonaus. Danach zog es Romeu in die Premier League zum FC Chelsea. Dort hatte er sich unter Rafael Benitez gerade in die Stammformation gespielt, als ihn erneut eine Verletzung außer Gefecht setzte – diesmal ein Kreuzbandriss. So kam Romeu in zwei Jahren bei Chelsea nur auf 33 Pflichtspieleinsätze, gewann in dieser Zeit aber auch die Königsklasse, die Europa League und den englischen League Cup. Im Champions-League-Finale gegen Bayern München saß er 90 Minuten auf der Bank.

Aber José Mourinho, der Trainer vom FC Chelsea, glaubt noch immer an den Durchbruch von Oriol Romeu. Nur wenige Tage vor der Leihe zum VfB Stuttgart verlängerten die Blues sein Arbeitspapier bis 2017. Ein klarer Vertrauensbeweis. Die Schwaben besitzen bei dem Leihgeschäft keine Kaufoption. Sollte Romeu eine gute Saison spielen, wird der Weg definitiv wieder Richtung London führen.

Mourinho hat den VfB Stuttgart empfohlen

VfB-Sportdirektor Fredi Bobic hatte bereits vor einem Jahr einen Vorstoß in der Personalie Romeu gewagt. Doch der Spanier wollte die nötige Spielpraxis nach der Verletzungsmisere lieber in der trauten Heimat sammeln. So wurde er in der vergangenen Saison zum FC Valencia verliehen, wo er trotz weiterer kleiner Blessuren auf regelmäßige Einsätze kam. Nach der Rückkehr zu Chelsea gab es mehrere Angebote, aber Mourinho legte seinem Schützling den VfB Stuttgart ans Herz. "Sie haben sich außerdem sehr um mich bemüht und die Bundesliga ist attraktiv", begründet Romeu die Entscheidung für den VfB.

Für Chefcoach Armin Veh ist Romeu der "Wunschtransfer": "Er ist ein Typ, den wir so noch nicht im Kader hatten". Veh schätzt ihn als "jungen, aggressiven Sechser mit internationaler Erfahrung". Beim Trainingslager im Zillertal hat er die Verantwortlichen in den ersten Einheiten bereits überzeugen können. Bei der Integration hilft ihm derweil Mannschaftskollege Alexandru Maxim. Man kennt sich noch von der U18 als direkte Gegenspieler bei den hitzigen Lokalderbys zwischen Espanyol Barcelona und dem FC Barcelona.

"Möchte das Trikot verteidigen"

Beim VfB Stuttgart kämpft er nun mit Carlos Gruezo und William Kvist um einen Platz im defensiven Mittelfeld. Das Schmoren auf der Bank hat der Neue dabei aber nicht eingeplant: "Ich möchte mir so schnell wie möglich einen Stammplatz erkämpfen und das Trikot verteidigen, wie man in Spanien sagt". Spielminuten hat der hochveranlagte Spieler nach persönlich durchwachsenen Jahren auch dringend nötig. Dass dabei auch wieder Titel rausspringen, scheint in dieser Saison dafür etwas unrealistischer.

Karol Herrmann