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Köln - Der SC Freiburg steht kurz davor, seine starke Bundesliga-Saison mit einem außergewöhnlichen Erfolg zu krönen. Die Leistung von Christian Streich und seiner Mannschaft ist vielleicht die beeindruckendste dieser Saison.

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RB Leipzig ist als Aufsteiger auf dem besten Wege zur Vizemeisterschaft, die TSG 1899 Hoffenheim und Eintracht Frankfurt kämpften letztes Jahr gegen den Abstieg und dieses Jahr um Europa. Der und Hertha BSC bestätigen die starke Vorsaison und gehören zur Spitzengruppe. All diese Leistungen verdienen Respekt. Doch inmitten all dieser Überraschungsteams steht die größte Überraschung. Den fünften Platz der Tabelle belegt zwei Spieltage vor Saisonende doch tatsächlich der SC Freiburg. Eine enorme Leistung, bedenkt man, dass der Aufsteiger mit einem der kleineren Etats der Liga zurechtkommen muss.

"Wir müssen die Kirche im Dorf lassen", bleibt Christian Streich auch nach dem 2:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 am Sonntag ganz bescheiden. "Die Mannschaft hat für unsere Möglichkeiten ein besonderes Spiel gemacht. Das war an der Kante von dem, was wir spielen können", meint Streich. Der 51-jährige ist seit fünf Jahren und vier Monaten im Amt und somit der aktuell dienstälteste Trainer der Bundesliga. Streich ist beliebt. Nicht nur im Verein, sondern eigentlich überall, weil er ein meinungsstarker Typ ist, einer der sich viele Gedanken zu Themen macht, die nicht Fußball heißen. Er hat seinen Spielern gesagt wie wichtig es ist, dass sie wählen gehen und er hat sich auf einer Pressekonferenz vor einem Bundesliga-Spiel auch schon zur Wichtigkeit von Zivilcourage im Umgang mit Fremdenfeindlichkeit geäußert.

Video: Super-Joker Petersen

Dass er ein sehr guter Trainer ist, hat Streich in dieser Saison abermals unter Beweis gestellt. Mit einer Mannschaft ohne große Stars holte er bereits 47 Punkte. Der Klassenerhalt ist längst sicher, nun befindet sich der SCF sogar in der Pole Position im Kampf um die Europa-League-Plätze.

Das Freiburger Team ist zusammengestellt durch kluge Transfers und Eigengewächse, die im Breisgau allesamt einen Schritt nach vorne gemacht haben. Da wäre zum Beispiel Innenverteidiger Caglar Söyüncü, den der SCF aus der zweiten türkischen Liga geholt hat und der in der Bundesliga schnell auf sich aufmerksam machen konnte. Da wäre auch Vincenzo Grifo, der schon vor einem Jahr vom FSV Frankfurt kam und mit sechs Toren und sieben Vorlagen Freiburgs Topscorer ist. Und dann gibt es noch Maximilian Philipp, der den Sprung aus der Freiburger U19 in die Bundesliga geschafft hat, in dieser Saison acht Tore schoss und um den so mancher Konkurrent den SC Freiburg beneidet. Ach ja, in Person von Nils Petersen hat man auch noch den besten Joker der Liga (acht Tore nach Einwechslung) in den eigenen Reihen.

Was spricht nun im Endspurt für die Freiburger? "Wir stehen nicht mehr so extrem unter Druck wie andere Mannschaften", weiß Streich. Das Saisonziel ist längst überschritten worden, alles was noch kommt, ist Bonus. Die letzten beiden Gegner der Saison sind der FC Ingolstadt 04 (zuhause) und der FC Bayern München (auswärts). Kann sich der SCF am Ende gegen die Konkurrenz behaupten und den Sprung nach Europa schaffen, wäre das sicherlich eine Überraschung. Aber überraschen können sie in Freiburg ja ziemlich gut.

Tim Müller