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Köln - Die Anhänger von Borussia Mönchengladbach würden sich die Bundesliga-Tabelle wohl am liebsten einrahmen. Wer hätte vor der Saison schon gedacht, dass man nach sechs Spieltagen mit nur zwei Punkten Rückstand der erste Verfolger von Spitzenreiter Bayern München sein würde? Einer der Gründe dafür: Die Gladbacher sind Rotationsmeister.

Denn trotz der Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League schafft es das Team vom Niederrhein, seine Leistung in jedem Spiel auf den Platz zu bringen. Vor allem ein Verdienst von Coach Lucien Favre, der seine Mannschaft mit bedacht aufstellt - und nicht davor zurückschreckt, die Startformation immer wieder zu verändern. Nur drei Spieler (Xhaka, Sommer und Stranzl) der Fohlen verpassten in dieser Saison noch keine der 540 möglichen Bundesliga-Minuten, im Schnitt veränderte Favre seine Anfangsformation immer auf mindestens zwei Positionen.

Kein Qualitätsverlust

Dies liegt jedoch weniger am Spielstil oder den Ergebnissen der "Fohlen" - an beidem gibt es ja schließlich auch fast nichts auszusetzen. Vielmehr lässt Favre wegen der permanenten englischen Wochen weiterhin rotieren. Am vergangenen Samstag in Paderborn nahmen Thorgan Hazard, Andre Hahn und Max Kruse zu Beginn auf der Bank Platz, für sie begannen Ibrahima Traoré, Patrick Herrmann und Branimir Hrgota - und das, obwohl die drei Erstgenannten unter der Woche gegen den HSV eine gute Partie abgeliefert hatten. Hahn und Kruse zeichneten sich gegen die Hanseaten mit einer Koproduktion sogar für den entscheidenden 1:0-Siegtreffer verantwortlich.

Zufrieden registrierte Favre nach dem Spiel in Paderborn dementsprechend, dass sein Rotations-Konzept ohne Qualitätsverlust aufgeht. Traoré war ein Aktivposten, Herrmann verbuchte Treffer und Torvorlage. "Klar will jeder am liebsten immer spielen. Aber durch so eine lange Saison kann keiner ohne Pause durchkommen", bestätigt Herrmann den Coach in seiner Arbeit. So setzen sich auch Stars wie Andre Hahn und Max Kruse - wie gegen Paderborn - zu Spielbeginn ohne Murren auf die Bank.

Der Favresche Kreisel

Interessant ist, dass Lucien Favre dabei eine etwas andere Art der Rotation anwendet. So lässt der 56-Jährige die Spieler nur selten komplett aussen vor, sondern bevorzugt Auswechslungen. Mal beginnt der eine und wird nach gut einer Stunde Spielzeit ersetzt, nächstes Mal ist es umgekehrt. „Ich werde weiter so rotieren, denn bei der Anzahl der Spiele dürfen wir uns keine Verletzten durch eine Überstrapazierung erlauben“, sagte Favre. Der Schweizer setzt dabei auf die Ehrlichkeit seiner Akteure. „Die Spieler müssen mir die Wahrheit sagen, wenn sie eine Pause benötigen.“

Bislang hat das prima geklappt. In der Bundesliga haben die „Fohlen“ den besten Saisonstart seit 1975 hingelegt und blieben zudem in allen zehn Partien ihrer drei Wettbewerbe unbesiegt. „Wir können definitiv eine gute Rolle spielen“, sagte Patrick Herrmann. Sollte es so kommen, wäre das Geheimnis des Erfolges sicher auch der "Favresche Kreisel".

Thomas Schulz und Dennis-Julian Gottschlich

Eingesetze Spieler in der Bundesliga-Saison 2014/15