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Es gab zwar Streit um den Titel "Welttorjäger", aber die Vorschusslorbeeren in Bezug auf Lucas Barrios waren nicht zu verachten: Stolze 37 Treffern in 38 Spielen im Kalenderjahr 2008 für seinen Club CSD Colo-Colo sprachen für sich - und den Wechsel zu Borussia Dortmund.

Zugegeben, die chilenische Meisterschaft ist nicht die Bundesliga. Und zugegeben, Barrios' Aufgabe, den abgewanderten Alex Frei als Goalgetter bei der Borussia zu ersetzen, war von Beginn an keine leichte. Aber alle Fans der "Schwarz-Gelben" und ihre hohen Erwartungen störte das herzlich wenig.

Und so kam es, wie es fast kommen musste. Der 24-Jährige hatte nach seinem Wechsel aus Südamerika fast logischerweise mit Startschwierigkeiten zu kämpfen, auch wenn ihm gleich im ersten Pflichtspiel ein Treffer gelang (im DFB-Pokal gegen die SpVgg Weiden).

"Von mir aus kann er so weitermachen"

So richtig platzte der Knoten dann erst im für ihn "goldenen Oktober". In den vergangenen drei Ligaspielen netzte der Angreifer nämlich drei Mal in Serie ein und war entscheidend daran beteiligt, dass der BVB sieben Punkte einheimste.

Mit seinem sehenswerten Kopfballtor zuletzt in Leverkusen hat der "Panther", wie Barrios in Südamerika getauft wurde, weiter Punkte gesammelt - bei Fans und Mitspielern. Die Dortmunder Kollegen sind schon länger von seinen Qualitäten überzeugt. Und er selbst ist trotz holprigen Starts cool geblieben. "Er hat immer gesagt: Ich werde kommen", berichtet Nuri Sahin. "Von mir aus kann er so weitermachen. Wir sind alle froh, dass er vorne so gut spielt", sagt Patrick Owomoyela.

Top-Ausbeute im DFB-Pokal

Die nächste Chance, sein Können unter Beweis zu stellen, hat Barrios im DFB-Pokal-Achtelfinale am Dienstagabend beim VfL Osnabrück (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker).

Und an diesen Wettbewerb hat der Argentinier bislang beste Erinnerungen. Dem Treffer beim Debüt folgte in Runde 2 nämlich sogar ein "Doppelpack". Einen Rechtsschuss und einen Kopfball steuerte der 1,89 Meter große Angreifer zum 3:0-Sieg beim Karlsruher SC bei. Drei Tore in zwei Partien sind eine "fette Beute" und sprechen eindeutig für den "Panther".

Auch andere klopften schon an...

Das Angebot der Borussia war übrigens nicht das erste aus der Bundesliga. Dieter Hoeneß reiste im Vorjahr mehrmals nach Chile - ein Wechsel nach Berlin scheiterte aber. Auch bei Lazio und dem AS Rom war Barrios im Gespräch, doch auch hier kam kein Transfer zu Stande.

Tipps, wie man in der Bundesliga nicht nur kurzzeitig auffällt, sondern sich langfristig durchsetzt, könnte er sich von einem anderen einstigen Colo-Colo-Spieler geben lassen: Arturo Vidal wechselte 2007 von Santiago de Chile nach Leverkusen und zählt dort mittlerweile zu den Leistungsträgern.

Klopp lobt Eingewöhnung

Am mangelnden Einsatz wird Barrios' Etablierung in Deutschland nicht scheitern, das bestätigt auch Sahin: "Wie er sich vor dem gegnerischen Tor die Bälle erkämpft, das ist Extraklasse." Genau diese Leidenschaft lieben sie im Ruhrpott.

Auch Trainer Jürgen Klopp ist begeistert von Barrios' kämpferischen Vorstellungen auf dem Rasen: "In Chile hatte er mit der Defensivarbeit nichts am Hut, war nur für die Tore zuständig. Es ist schon toll, wie schnell er sich an die Bundesliga gewöhnt hat."

Tim Tonner