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München - Katarina Witt ist ein Idol des deutschen Wintersports. In aller Welt weckt der Name der zweimaligen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin positive Assoziationen. In ihrer aktuellen Funktion ist das wichtig.

Denn Witt möchte zum Erfolg der Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 beitragen, die die DFL Deutsche Fußball Liga unterstützt. Welche Rolle der Fußball bei ihrer Arbeit spielt, sagt die 44-Jährige im Interview mit dem Bundesliga-Magazin, das bundesliga.de in Auszügen präsentiert.

Frage: Frau Witt, bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver haben Ligaverband und DFL die Bewerbung von München 2018 angeschoben, der FC Bayern München bei seiner Saisoneröffnung ebenfalls, und für die Bundesliga ist ein Aktionsspieltag in dieser Sache im Gespräch.

Katarina Witt: Jede Art von Kooperation bedeutet für uns eine wichtige Unterstützung. Und wenn der Fußball solche enorme Anschubhilfe leistet, wie sie auch durch das symbolische Bobfoto von Vancouver aufgezeigt wird, ist das besonders wertvoll. Denn dadurch werden genau diejenigen angesprochen, die ohnehin schon eine Sportaffinität haben.

Frage: Mit welchen Vorteilen?

Witt: Fußball ist ebenso Leistungs- wie Breiten- und Massensport, er erfasst auch diejenigen, die sich generell für Wettbewerb interessieren - unabhängig von Sommer- oder Wintersportart. Dass die Bundesliga so hinter uns
steht, ist ein sehr gutes Zeichen.

Frage: Auch weil der Fußball inzwischen weit davon entfernt ist, nur noch Männer anzusprechen?

Witt: Ja. In dieser Hinsicht hat die WM 2006 in Deutschland zur großen Kehrtwende entscheidend beigetragen. Es war ein friedliches, schönes und faszinierendes Fest. Aber auch die Bundesliga zieht jetzt viel mehr Familien zum gemeinsamen Erlebnis an, viel mehr Frauen und Mädchen als in früheren Zeiten sind am Fußball interessiert.

Frage: Können Sie Entwicklungen aus dem Fußball als Vorlage bei der Bewerbung für Olympia 2018 nutzen?

Witt: Die WM 2006 ist natürlich eine Riesenkarte, die ich bei internationalen Begegnungen und Interviews voller Stolz aus dem Ärmel ziehe. Wobei Olympische Spiele ja schon seit jeher ein großes Familienprogramm sind. Das hängt damit zusammen, dass in den verschiedenen Wettbewerben und Disziplinen der olympischen Sportarten seit jeher Männer und Frauen teilnehmen.

Frage: Schauen Sie dann und wann auch einmal zur Bundesliga und den Clubs, ob es von der Organisation eventuell etwas abzuschauen gibt für die Olympia-Bewerbung?

Katarina Witt: Das ist meiner Einschätzung nach so nicht zu vergleichen. Beim Fußball wird deutlich, wie professionell die Clubs ihn führen. Durch deren Eigeninitiative wurde in der Nachwuchsförderung in den vergangenen Jahren auch besonders viel erreicht. Mit Erfolg, wie auch bei der WM in Südafrika zu sehen war.

Frage: Franz Beckenbauer war bei der WM 2006 die entscheidende Persönlichkeit, das Organisationskomitee der Frauenfußball-WM wird von Steffi Jones geführt. Wie ist Ihre Rolle bei München 2018?

Witt: Ich bin unter anderem als Vorsitzende des Kuratoriums eingebunden, dem zum Beispiel auch Franz Beckenbauer angehört. Ich war international sehr viel unterwegs, um Kontakte zu knüpfen und auszubauen - sehr wohl wissend, wie wir inhaltlich überzeugen wollen. Seitdem Willy Bogner als Chef der Bewerbung aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, bin ich noch intensiver an der Front. Mittlerweile sitze ich auch in den strategischen Meetings und bringe meine Ideen ein. Mir ist es wichtig, dass der letzte Kick über die Emotionen kommen wird.

Frage: Wo genau wird dabei der Hebel angesetzt?

Witt: Es gibt mehrere Hebel: Informationen und Aufklärung über die Philosophie unserer Bewerbung, aber auch das Quäntchen Wohlwollen. Sich dieses vielleicht entscheidende Quäntchen Vertrauen zu sichern, ist mit viel Arbeit verbunden. Ich bringe dabei verstärkt den Blickwinkel eines Außenstehenden ein und alle Erfahrungen auf vielen Ebenen meiner zwanzigjährigen Profikarriere: Medien, Marketing, Promotion, Inhaltliches, Kreativität. Dadurch kann ich hoffentlich dazu beitragen, dass Puzzlestücke zu einem schönen Gesamtbild zusammengefügt werden.

Frage: Von der Öffentlichkeit sind in den vergangenen Monaten auch die Baustellen der Olympia-Bewerbung wahrgenommen worden. Inwiefern ist das ärgerlich?

Witt: Das Grundkonzept ist sehr gut und findet beim IOC große Anerkennung. In Deutschland war es bisher noch nicht gelungen, dies entsprechend positiv zu kommunizieren. Die Probleme, die sich über den Sommer angehäuft hatten, fanden ein größeres Echo in den Medien. Ein großer Konflikt konnte glücklicherweise durch den Konsens mit den Grundstückseigentümern in Garmisch-Partenkirchen gelöst werden.

Frage: Was macht Sie für den Bewerbungsendspurt zuversichtlich?

Witt: Zum Einen zeigt eine jüngere Umfrage über siebzig Prozent Zustimmung. Dazu war die Resonanz unmittelbar nach den Spielen in Vancouver mit großartigen Erfolgen deutscher Sportler unglaublich positiv. Diese emotionalen Momente waren noch vor Augen und haben dafür gesorgt, dass die Menschen gesagt haben: Wow! Es wäre doch toll, wenn es gelingen würde, die Olympischen und Paralympischen Winterspiele nach München und Bayern zu holen.

Frage: Zumal der Winter dieses Jahres diese Haltung verfestigen dürfte.

Witt: Ja, besonders freue ich mich jetzt schon auf die großen Wettbewerbe in Bayern - die Vierschanzentournee, die Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen, die Bob-WM in Königssee und andere internationale Veranstaltungen. Dadurch wird die Zustimmung für unsere Bewerbung sicher noch weiter steigen.

Frage: Welche Maßnahmen planen Sie bis zur Entscheidung im Juli 2011?

Witt: Unser Katalog wird sich wie die Kür im Eislauf über das Jahr hinweg entwickeln, auch danach, was besser zur Musik passt. Der Rhythmus muss sich sowieso ab und zu verändern. Das gehört zur Dramaturgie. Immer nur Walzer oder Rock  n  Roll ist langweilig. Ich hoffe nur, dass uns am Ende nicht der Blues einholt. Aber ich bin sehr optimistisch, dass unsere Bewerbung großartige Chancen hat.

Das Gespräch führte Michael Novak