ANZEIGE

Mainz - Die fünfte englische Woche in Serie ließ Trainer Dieter Hecking nach dem eher glücklichen 1:1 des VfL Wolfsburg beim 1. FSV Mainz 05 "nicht als Entschuldigung" gelten für den matten Auftritt seiner Elf in der ersten Halbzeit.

"Da müssen wir uns auch nach Europapokalspielen vom Anpfiff weg anders präsentieren künftig", sagte Hecking. Dass seine Mannschaft zur Halbzeit nur 0:1 zurückgelegen hatte, war eher glücklich. Nur drei Tage nach dem Weiterkommen in der Europa-League bei Inter Mailand wirkten die Wolfsburger nach den letzten, anstrengenden Wochen doch müde und matt.

Ausgleich ein Zeichen "von Qualität"

Dabei hatte Hecking durchrotiert: Perisic, Vieirinha, Knoche, Dost, Rodriguez, Caligiuri - das ist nicht der Beginn der Aufzählung von Wolfsburgs Startelf, sondern die Auflistung jener Profis, die auf der Auswechselbank Platz nehmen mussten Alleine diese Liste zeigt, wie groß der Konkurrenzkampf im Kader des VfL mittlerweile ist und wie hoch die Qualität des Kaders in der Breite. Erst nachdem Hecking zu Beginn der zweiten Hälfte Perisic und Vieirinha für Jung und Guilavogui eingewechselt hatte, bekam das Wolfsburger Spiel mehr Kraft.

Nach dem Ausgleich durch einen Schuss von Luiz Gustavo (61.) entwickelte sich ein Schlagabtausch, bei dem der VfL auch noch Siegchancen hatte. Dass man nach dem schlechten Beginn dennoch einen Punkt geholt habe, wertete VfL-Manager Klaus Allofs als Zeichen "von Qualität".

Nach den vielen Spielen zuletzt und den Wechseln in der Startelf sei ein solches Spiel vielleicht auch mal normal, zumal gegen einen so aggressiven Gegner wie Mainz, analysierte Allofs. Selbst Kevin De Bruyne, der überragende Wolfsburger Akteur der letzten Monate, brauchte 60 Minuten, um sich ins Spiel zu laufen. Manch einer im grünen Trikot auf dem Platz schaffte das aber nicht, Andre Schürrle zum Beispiel.

Schürrle benötigt noch Zeit

Schürrle spielte für den VfL Wolfsburg in Mainz, wo er einst unter dem Trainer Thomas Tuchel groß wurde, 90 Minuten durch, blieb aber so unauffällig als sei er 90 Minuten auf der Bank gesessen. Nach dem Spiel fuhr er mit seiner Familie zurück in die Heimat nach Ludwigshafen, von wo aus ihn sein Vater am Montagmorgen zur Nationalmannschaft nach Frankfurt gefahren hat. Am Mittwoch steht für den Weltmeister mit Deutschland das Freundschaftsspiel in Kaiserslautern gegen Australien an und am Wochenende dann in Georgien ein wichtiges EM-Qualifikationsspiel.

Schürrle, das zeigte das Spiel in Mainz erneut, benötigt nach seinem Wechsel im Januar vom FC Chelsea nach Wolfsburg noch Anlaufzeit. "Ich fühle mich noch nicht so fit", erklärt er. Er habe in Mainz nicht so viele Bälle gehabt, wie er sich das vorgestellt hatte. Und hatte der Pfälzer dann doch mal die Kugel, gelang ihm nichts von Belang.

Riesiges Angebot auf den Außenbahnen

Beim VfL will man aber Geduld mit Schürrle haben, auch Kevin De Bruyne habe schließlich Anlaufzeit gebraucht, erklärte VfL-Manager Allofs. In England gibt es keine Winterpause, Schürrle wartete fast bis zum Ende des Transferfensters auf die Wechselzusage, ihm fehlt eine richtige Vorbereitung. Die nötige Frische und Fitness will er sich durch Zusatzschichten holen.

Die wird Schürrle auch brauchen. Auf den beiden offensive Außenbahnpositionen im 4-2-3-1-System der Wolfsburger bewerben sich in De Bruyne, Caligiuri, Perisic und Schürrle gleich vier außergewöhnliche Spieler um nur zwei Startplätze. Diesen Konkurrenzkampf, der auch auf anderen Positionen tobt, zu moderieren, wird eine Herausforderung für Trainer Hecking. Aber was Schürrle angeht, ist sich Manager Klaus Allofs sicher: "Er wird ein sehr wichtiger Spieler für uns werden." In zwei Wochen beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart steht Hecking wieder vor der Frage, welchem klasse Spieler er von Beginn an das Vertrauen schenkt.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter