ANZEIGE

Mit seinen 25 Jahren wagte er erst vergleichsweise spät den Sprung in die Bundesliga. Inzwischen fühlt sich Maximilian Nicu aber in seinem Wechsel zu Hertha BSC Berlin bestätigt.

"Ich bin glücklich darüber, dass der Trainer auf mich baut und mir vertraut", sagt Nicu. Nachdem der Berliner Neuzugang in der Vorbereitung mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, hat er sich mittlerweile in die Startelf gespielt.

Vorfreude auf internationales Geschäft

Im Interview mit bundesliga.de spricht der bescheidene Mittelfeldspieler über die Umstellung von Fußball-Provinz auf Hauptstadt-Ansprüche, die Führungsspieler bei der Hertha und seine sportlichen Ziele.

Als große Highlights stehen für ihn persönlich und die Mannschaft Topspiele in der UEFA-Pokal-Gruppenphase gegen Benfica Lissabon und Galatasaray an. "Die Freude ist riesig, solche Duelle haben einen eigenen Nervenkitzel", so Nicu.

bundesliga.de: Herr Nicu, Sie haben sich nach einer Eingewöhnungsphase inzwischen bei Hertha BSC Berlin in den Kreis der Stammspieler gespielt, die letzten drei Bundesliga-Spiele über die vollen 90 Minuten absolviert. Sind Sie erleichtert über den Durchbruch?

Maximilian Nicu: Ich würde meine Position noch nicht direkt als Stammplatz bezeichnen. Durch die vielen Spiele, die wir hatten und haben, wird es noch einige Rotation geben. Aber ich bin natürlich glücklich darüber, dass der Trainer nach meiner Verletzungsphase immer noch auf mich baut und mir vertraut. Das gibt mir die Gewissheit, dass der Schritt richtig war, und das ist für mich das Wichtigste.

bundesliga.de: In den vergangenen Jahren hießen Ihre Stationen Unterhaching, Erfurt, Koblenz, Burghausen und Wehen Wiesbaden. Jetzt spielen Sie in der Hauptstadt bei Hertha - ein Kultur-Schock?

Nicu: Kultur-Schock würde ich nicht sagen, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber es ist definitiv etwas anderes als in den Städten, in denen ich bisher gespielt habe. Die Stadt an sich, ist natürlich viel größer, aber auch der Fußball wird in Berlin ganz anders wahrgenommen.

bundesliga.de: Apropos Stellenwert des Fußballs. Die Erwartungen in Berlin sind stets sehr hoch. Als Hauptstadt-Club will man auch Titel gewinnen. Spüren Sie diesen besonderen Druck auch schon?

Nicu: Ein gewisser Druck ist spürbar, das ist aber auch gut so. Spätestens nach der Niederlage gegen Energie Cottbus (0:1, Anm.d.Red.) war eine ganz andere Anspannung da. Aber das muss man verkraften.

bundesliga.de: Die Umstellung auf die Großstadt haben Sie angesprochen, auch sportlich ist die Bundesliga Neuland für Sie. Wie groß ist die Veränderung von der 2. Bundesliga zur Bundesliga?

Nicu: In der Bundesliga ist das Spiel definitiv schneller, die Ballsicherheit ist höher und es werden weniger Fehler gemacht. Eigene Fehler werden in der Regel sofort bestraft. Mit einer schwachen Leistung kannst du kein Spiel gewinnen, das war in der 2. Bundesliga in der vergangenen Saison manchmal anders. Fußballerisch hat sich die 2. Bundesliga aber enorm entwickelt, auch dank der spielerisch starken Absteiger. Der Qualitätsunterschied ist noch vorhanden, aber nicht mehr so groß wie vielleicht vor einigen Jahren.

bundesliga.de: Im Training stehen Sie tagtäglich mit Spielern wie Arne Friedrich, Andrey Voronin, Marko Pantelic oder Josip Simunic auf dem Platz. Was können Sie von solch erfahrenen Akteuren lernen?

Nicu: Das sind natürlich allesamt unsere Führungsspieler bei der Hertha. Vom Alter her komme ich ja schon fast nach denen, aber ich lerne von diesen Mitspielern den Umgang mit der ein oder anderen kniffligen Situation im Bundesligaalltag. Sie geben mir Ratschläge und Tipps, auf die ich mich verlassen kann. Das ist für mich wichtig, weil mir noch diese Erfahrung fehlt. Arne zum Beispiel, der ja auch erfahrener Nationalspieler ist, übernimmt viel Verantwortung. An ihn und die anderen könnte ich mich sicherlich mit Problemen wenden.

bundesliga.de: Nach der Heimniederlage gegen Cottbus in der Bundesliga hat die Hertha mit 1:0 bei Bayer Leverkusen gewonnen. Welche Ziele sollen am Saisonende erreicht werden?

Nicu: International haben wir mit dem Einzug in die Gruppenphase des UEFA-Pokals unser erstes Ziel erreicht. In der Bundesliga wollen wir uns wieder für das internationale Geschäft qualifizieren, diesmal allerdings auf sportliche Art und Weise und nicht über die Fairplay-Wertung.

bundesliga.de: Sie haben jetzt selbst schon die Gruppenphase des UEFA-Pokals angesprochen, in der unter anderem Benfica Lissabon und Galatasaray warten. Ist ein Weiterkommen möglich?

Nicu: Benfica und Galatasaray sind natürlich zwei ganz dicke Brocken. Die könnten ja auch in der Champions League mitspielen. Aber dass wir unter die ersten Drei kommen, ist nicht unmöglich.

bundesliga.de: Diese Spiele gegen internationale Topclubs werden sicher auch für Sie persönliche Highlights. Wie groß ist die Vorfreude?

Nicu: Die Freude ist riesig, solche Duelle haben einen eigenen Nervenkitzel. Galatasaray zuhause wird ein Highlight mit einem vollen Olympiastadion, wobei man dann vielleicht gar nicht genau weiß, wer ein Heimspiel hat. Auf ein spezielles Spiel freue ich mich nicht, alle vier Partien haben einen gewissen Reiz.

bundesliga.de: Welche individuellen Ziele und Träume hat der Spieler Maximilian Nicu? Wohin soll Ihre Entwicklung in nächster Zeit gehen?

Nicu: Ich will mich in meinem ersten Bundesligajahr erst einmal etablieren, Fuß fassen und zeigen, dass ich hier mitspielen kann. Ich habe für drei Jahre in Berlin unterschrieben und gehe davon aus, dass die Verantwortlichen mit mir rechnen und auf mich bauen. Dieses Vertrauen, mich in die erste Liga zu holen, will ich rechtfertigen.

bundesliga.de: Nach der Länderspielpause treffen Sie auf den VfB Stuttgart. Was erwartet Sie in diesem Spiel?

Nicu: Das Thema Stuttgart haben wir aufgrund der vielen abwesenden Nationalspieler noch nicht so intensiv behandelt, aber in den Köpfen ist die Partie natürlich schon. Und in jeder Trainingseinheit wird ja auch darauf hingearbeitet. Der VfB reist nach dem 4:1 gegen Bremen sicherlich mit Rückenwind nach Berlin, aber durch die Pause fangen wahrscheinlich beide Teams bei null an. Wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen und keine Angst haben, sollten wir zuhause gewinnen.

Das Gespräch führten Mark Schnell und Tim Tonner