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Nach dem 1:1-Unentschieden gegen Hertha BSC Berlin sind die Chancen von Bayer 04 Leverkusen, in der kommenden Saison in der Champions League zu spielen, fast auf den Nullpunkt gesunken.

Nur bei einer Niederlage von Werder Bremen am letzten Spieltag daheim gegen den Hamburger SV und einem gleichzeitigen Sieg der "Werkself" in Mönchengladbach würde Bayer noch Platz 3 ergattern.

Frust nach dem Remis gegen Hertha

Nach dem Schlusspfiff im letzten Heimspiel folgte die große Ernüchterung. Leverkusen war es nicht gelungen, den abgeschlagenen Tabellenletzten zu bezwingen. Die Fans reagierten verärgert mit einem Pfeifkonzert, die Mannschaft verschwand umgehend in der Kabine. Statt gemeinsam eine im Großen und Ganzen gelungene Saison und das Erreichen des Saisonziels zu feiern, herrschte nur noch Frust vor.

"Die Ausgangslage, die wir noch vor ein paar Wochen hatten, war sehr gut. Wir können uns auf gut deutsch in den Arsch beißen", ärgerte sich Bayer-Kapitän Manuel Friedrich. "So oft hat man nicht die Möglichkeit, oben in der Spitzengruppe zu sein oder sogar ganz oben zu stehen."

Saisonziel erfüllt

16 Spieltage lang hatten die Rheinländer die Tabelle angeführt, die ersten 24 Saisonspiele waren sie ungeschlagen geblieben. Es ist so etwas wie der Fluch der guten Tat, dass nun trotz Platz 4 eine latente Unzufriedenheit rund um die BayArena vorherrscht.

Dabei hatte Trainer Jupp Heynckes seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr immer wieder gebetsmühlenartig das Saisonziel wiederholt. "Wir wollen uns für den internationalen Wettbewerb qualifizieren", hatte er stets auch allen Nachfragern geantwortet, die Bayer in Verbindung mit Meisterschaftsambitionen bringen wollten. Dass es wohl am Ende nicht für mehr als einen Platz in der Europa League reichen wird, hat viele Gründe.

Leverkusen verpasst "Big Points"

Bayer Leverkusen hat in dieser Saison kein einziges Spiel gegen eine Mannschaft der Top 5 gewonnen. In acht Spielen gegen Bayern München, Schalke 04, Werder Bremen und Borussia Dortmund holte die "Werkself" sechs Remis bei zwei Niederlagen.

In der Auswärtstabelle belegt Bayer lediglich Platz 8, die letzten vier Spiele in der Fremde gingen alle verloren. Wie in den Vorjahren auch ist Leverkusen auf der Zielgeraden die Puste ausgegangen. Der Vorsprung von zwischenzeitlich 16 Punkten auf Werder Bremen (nach dem 20. Spieltag) wurde verspielt. Aber auch das hat seine Ursachen in Form von Verletzungspech, Undiszipliniertheiten und mangelnder Erfahrung.

Heynckes verweist auf Verletzungsmisere

"Wenn ich Patrick Helmes, Simon Rolfes oder Renato Augusto gerade in der Phase, in der es darauf ankam, in guter Form zur Verfügung gehabt hätte, dann wäre mehr drin gewesen", sagt Jupp Heynckes. "Deswegen müssen wir realistisch bleiben und die Saison als ganz großen Erfolg ansehen. Die Mannschaft braucht nicht enttäuscht zu sein über das Abschneiden bisher. Im Gegenteil. Wir haben eine hervorragende Saison gespielt."

Ganz so euphorisch waren seine Spieler nicht. "Teilweise haben wir auch in der Rückrunde richtig gute Spiele gemacht, die wir unglücklich oder durch eigene Schuld verloren haben", analysierte Toni Kroos treffend. "Wir haben uns durch Platzverweise wie in Frankfurt oder Stuttgart selbst geschwächt. Wenn wir die Spiele gewonnen hätten, würden wir über ganz andere Ziele reden." In Zukunft muss Bayer auf Toni Kroos verzichten. Er wechselt zurück zu Bayern München und dürfte nur schwer zu ersetzen sein.

Neues Jahr, neues Glück

"Wenn man ein Champion sein will, muss man die ganze Saison konstant spielen", weiß Bayer-Verteidger Sami Hyppiä. "Es reicht nicht drei Viertel der Saison gut zu spielen, wenn man im letzten Viertel nicht mehr die Resultate einfährt. Man kann mal ein schlechtes Spiel machen, muss dann aber im nächsten wieder punkten. Aber wir haben ein sehr junges Team. Jeder Spieler wird aus dieser Saison lernen."

So bleibt Bayer nur noch "ein minimaler Funke Hoffnung" (René Adler) vor dem letzten Spieltag und die Hoffnung auf die kommende Saison. Dann wird die "Werkself" einen neuen Anlauf auf die Spitze unternehmen.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski