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Kaum jemand kennt sich in der Bundesliga so gut aus wie Udo Lattek. Der heutige TV-Experte hat während seiner Trainerlaufbahn alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gibt, und saß bei insgesamt vier verschiedenen Bundesligisten auf der Bank.

Dazu gehörten auch der FC Bayern München - mit dem Lattek sechs Mal Deutscher Meister wurde - und der FC Schalke 04.

Am Samstag treffen sich seine beiden Ex-Clubs zum Bundesliga-Gipfel (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio!). Lattek ist im Vorfeld der Partie vor allem von der Leistung Felix Magaths begeistert, der momentan seiner Menung nach "sogar in einer anderen Kategorie" arbeitet als Bayern-Coach Louis van Gaal.

Vor dem Schlagerspiel spricht Lattek mit bundesliga.de über die Bedeutung des Pokalsiegs der Bayern bei den "Königsblauen", die Dreifachbelastung der Bayern und das Titelrennen.

bundesliga.de: Nach dem spektakulären Sieg gegen Manchester United wartet mit dem erneuten Gastspiel auf Schalke das nächste Highlight auf den FC Bayern. Ist Schalke in der Lage, den Bayern diesmal Paroli zu bieten?

Udo Lattek: Nach dem Pokalspiel zwischen beiden Mannschaften hätte ich gesagt "nein". Aber als ich die Schalker jetzt in Leverkusen gesehen habe, da haben sie meiner Meinung nach einen brillanten Fußball gespielt. Von der Disziplin her, von der Taktik her und auch von der Lauffreudigkeit her. Wenn die Bayern es wirklich schaffen sollten, auf Schalke zu gewinnen, dann werden sie auch Deutscher Meister.

bundesliga.de: Würden Sie sagen, dass Felix Magath mittlerweile in derselben Trainerliga spielt wie zum Beispiel ein Louis van Gaal?

Lattek: Ja, absolut. Warum nicht. Ich würde schon fast sagen, Magath spielt in einer anderen Kategorie. Denn Louis van Gaal hatte seine letzten großen Erfolge schon vor einigen Jahren. Der Felix Magath hat sich seine Meriten in den vergangenen Jahren geholt.

bundesliga.de: Was überrascht Sie am meisten am FC Schalke in dieser Saison?

Lattek: Dass da Ruhe eingetreten ist. Da werden keine Intrigen gesponnen. Der Felix hat alles locker im Griff.

bundesliga.de: Die Bayern hangeln sich von einem Spitzenspiel zum nächsten. Geht da selbst einem Team mit einem solch breiten Kader irgendwann die Puste aus? Immerhin hatten sie ja nach dem Pokalhalbfinale auch Probleme gegen Stuttgart.

Lattek: Normalerweise nicht. Man kann das im Training ein bisschen auffangen. Aber durch die Reiserei wird das immer ein bisschen schwieriger. Ich gehe aber davon aus, dass die Mannschaft körperlich fit ist. Gegen Schalke sah es meiner Meinung nach sogar so aus, als ob sie noch ein wenig mehr drauf hätten. Das hat sich allerdings im Spiel gegen Stuttgart nicht mehr so gezeigt hat. Da waren sie ein bisschen müde gewesen.

bundesliga.de: Wer hat Ihrer Meinung nach die besten Karten im Titelkampf?

Lattek: Im Grund genommen hat natürlich Schalke die besten Karten im Meisterschaftskampf. Sie können schon mit einem Unentschieden gegen die Bayern zufrieden sein. Dann würde ihr Vorsprung weiterhin zwei Punkte betragen. Wenn sie sogar gewinnen sollten, dann geht kein Weg mehr an Schalke vorbei. Nur wenn man gegen die Bayern spielt, wenn denen das Wasser bis zum Hals steht, dann sind diese am gefährlichsten. Ich hoffe nicht, dass das Spiel zwischen Schalke und den Bayern durch ein Glückstor entschieden wird. Ich hoffe, dass die bessere Mannschaft gewinnt.


Das Gespräch führte Sebastian Stolz