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Für Bayers Torwart René Adler gab es nicht den Hauch eines Zweifels: "Wenn Sami Hyypiä nicht verletzt hinaus gemusst hätte, hätten wir auf Schalke nie und nimmer verloren." Musste er aber, Leverkusen verlor zwar nicht, spielte aber nach 2:0-Führung noch remis - und die Bundesliga diskutiert den Faktor Hyypiä.

Allein optisch fällt der lange Finne auf. Strohblonde Haare, kantige Figur, 193 Zentimeter groß. Gestählt in zehn Jahren Premier League in England. Als er im Sommer vom FC Liverpool zu Bayer in die Bundesliga wechselte, gab es aber auch Skeptiker. 36 Jahre alt ist Hyypiä - und der sollte Bayer helfen?

Er tut es. Und mehr als das. In wenigen Wochen hat sich der Finne zum Abwehrchef der Werkself aufgeschwungen und dem Defensivspiel seinen Stempel aufgedrückt. "Wir haben mit Sami Hyypiä wesentlich mehr Stabilität", lobt Sportdirektor Rudi Völler.

Verdacht auf Bänderriss nicht bestätigt

Ein Blick auf die Zahlen gibt Völler Recht. Nach elf Spieltagen der Vorsaison hatte Leverkusen bereits drei Mal verloren und dabei elf Gegentreffer hinnehmen müssen. Jetzt ist die Mannschaft nach elf Spielen noch ungeschlagen und hat erst acht Gegentore auf dem Konto. Zwei davon kassierte Bayer im Spitzenspiel beim FC Schalke am Wochenende erst in der Schlussphase - und da stand der lange Finne nicht mehr auf dem Rasen.

Nach 74 Minuten hatte Hyypiä verletzt seinen Platz im Abwehrzentrum räumen müssen. Zwar bestätigte sich der Verdacht auf einen Bänderriss inzwischen nicht. Doch in jener Viertelstunde, in der der Hüne nicht mehr mithelfen konnte, brach Bayer förmlich ein und ermöglichte Kuranyi (83.) und Sanchez (88.) noch den Ausgleich.

"Als Sami draußen war, hat es zu sehr gebrannt"

Die Ordnung war dahin, die Kompaktheit verschwunden. "Wir hatten Probleme bei den hohen Bällen. Als Sami draußen war, hat es zu sehr gebrannt", musste Adler feststellen. Völler vermisste den Finnen noch aus einem anderen Grund: "Ohne ihn fällt es uns auch schwerer, uns von hinten heraus fußballerisch zu befreien."

Ohne Hyypiä stehen also im Schnellverfahren zwei Gegentore in 16 Minuten zu Buche. Mit dem Finnen hatte Bayer zuvor nur alle 162 Minuten eine Tor kassiert - im Schnitt etwas mehr als ein Gegentreffer in zwei Partien. Vier Spiele in Folge und stolze 378 Minuten hatte Adler seinen Kasten zwischenzeitlich sauber halten können, insgesamt spielte Bayer schon sechs Mal zu Null - auch dank Hyypiä.

Unspektakulär, solide, gut

Was aber macht den Senior unter den Abwehrrecken so wertvoll für sein Team? Der 36-Jährige strahlt Dominanz und Präsenz aus, ist unglaublich kopfballstark und passsicher auch in der Spieleröffnung. Er kann mit der Erfahrung eines Champions-League-Siegers und UEFA-Cup-Gewinners wuchern, was man nicht zuletzt seinem überragenden Stellungsspiel anmerkt.

Was er macht, ist zumeist unspektakulär, aber im besten Sinne solide und gut. Hyypiä ist in Bayers Abwehr-Bollwerk im wahrsten Sinn des Wortes der Fels in der Brandung.

"Eine riesige Verstärkung auch als Mensch"

Von den Qualitäten des bekennenden Hardrock-Fans profitieren auch Hyypiäs Nebenleute. Manuel Friedrich spielt an der Seite des langen Blonden bislang eine konstant starke Saison - Offensivkraft wie beim Kopfballtreffer gegen den BVB inklusive. "Vor allem von Samis Ruhe und seinem Stellungsspiel kann ich mir unheimlich viel abschauen", lobt Friedrich.

Aber Hyypiä ist in Leverkusen nicht nur als Abräumer in der Abwehr gefragt. "Wir haben mit Sami eine riesige Verstärkung auch als Mensch bekommen", bestätigt Bayers Teammanager Hans-Peter Lehnhoff im Interview mit bundesliga.de. "Er ist im Verein sehr, sehr hoch anerkannt, besonders bei den jungen Spielern. Er geht unheimlich klasse mit den jungen Spielern um."

Hyypiä wieder von Beginn an dabei

All diese Bausteine machen ihn aus, den Faktor Hyypiä. Und darum ist man in Leverkusen auch heilfroh, dass die finnische Führungsfigur am Freitag gegen Eintracht Frankfurt wohl wieder in der Startelf stehen kann, wie bislang jedes Mal in dieser Saison.

Rein statistisch könnte René Adler dann wieder zu Null spielen - dank Hyypiä.

Dietmar Nolte