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Kann ein Spieler alleine ein Spiel gewinnen? Wohl kaum, zumindest würde das seinen Teamkollegen ein vernichtendes Zeugnis ausstellen.

Allerdings gibt es auf diesem Planeten eine kleine, überschaubare Zahl von Spielern mit fast magischen Fähigkeiten, die jeder Verein gerne in seinem Team hätte - und die in engen Spielen den Unterschied ausmachen können.

Franck Ribery ist einer dieser raren Spezies. Ohne den verletzten Franzosen kam der FC Bayern nur schwerfällig in die Saison, seit seiner Rückkehr ist der Rekordmeister wieder allseits gefürchtet.

Rosa Schuhe sorgen für Aufsehen

"Stelle Dir vor, der zieht jetzt auch noch richtige Fußballschuhe an", lobwitzelte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer über die pinkfarbenen Treter des Flügelflitzers.

Ob der französische Nationalspieler in andersfarbigen Schuhen noch besser spielen würde, bleibt Spekulation. Die Fakten sprechen ohnehin schon eine deutliche Sprache: Ribery hat eine erstklassige Hinrunde gespielt.

bundesliga.de nimmt die vergangenen sechs Monate noch einmal ganz genau unter die Lupe.

Der Schock

Spiele zwischen Frankreich und Italien sind den Bayern-Fans traditionell eher egal, aber was am 17. Juni 2008 gegen 20:55 Uhr passierte, ließ keinen "Roten" kalt. Franck Ribery musste mit einer schweren Verletzung vorzeitig runter. Der befürchtete Beinbruch bestätigte sich zum Glück nicht, aber mit einem Riss am Syndesmoseband oberhalb des linken Sprunggelenks fiel der Franzose dennoch lange aus.

Der Fehlstart

Ohne Ribery tat sich der FC Bayern unter Neu-Trainer Jürgen Klinsmann zunächst schwer. Gerade einmal neun Punkte aus sieben Spielen bedeuteten Bayerns schlechtesten Bundesligastart überhaupt. Unter dem Strich blieb der Rekordmeister bislang nur in einem Drittel seiner Spiele ohne den Franzosen siegreich.

Der Aufschwung

Ab dem 7. Spieltag stand Ribery bei den Bayern wieder in der Startformation, und prompt blieb der FCB bis zur Winterpause ungeschlagen. Mit ihrem französischen Flügelspieler holten die Bayern in dieser Spielzeit im Schnitt 2,4 Punkte pro Spiel (ohne ihn nur 1,5 Punkte pro Spiel) und gewannen 73 Prozent ihrer Spiele.

Der Torjäger

Bei der Aufholjagd half Ribery tatkräftig mit. Vom 9. bis zum 14. Spieltag traf der Franzose in sechs aufeinanderfolgenden Partien jeweils ein Mal ins Schwarze - das gelang in der Bundesliga sonst nur seinem Teamkollegen Luca Toni. Außerdem legte Ribery seinen Mitspielern auch noch zwei Treffer auf.

Aktivposten auf links

Soviel Produktivität kommt natürlich nicht von ungefähr. Der Franzose hat ligaweit die meisten Ballkontakte pro 90 Minuten, nämlich knapp 101. Außerdem kommen beeindruckende 73 Prozente seiner nicht geblockten Schüsse aufs Tor. Und er gewinnt für einen Offensivspieler starke 51 Prozent seiner Zweikämpfe.

Der Dribbling-Derwisch

Bundesligaweit ging Franck Ribery am zweithäufigsten ins Dribbling, und zwar gut alle 13 Minuten. Nur Mönchengladbachs Jungstar Marko Marin macht dies häufiger. Das tut der Franzose so geschickt, dass er alle knapp 18 Minuten unfair gestoppt wird - häufiger als jeder andere Bundesligaspieler. Von seinen Dribblings gewinnt er immerhin 46 Prozent.

Angriff ist die beste Verteidigung

Nur Zufall? Mit Ribery kassierten die Bayern 13 Gegentore in elf Spielen (1,18 pro Spiel), ohne den Franzosen dagegen elf Gegentore in sechs Spielen. Das sind 1,83 pro Spiel und damit deutlich mehr. Es scheint auch hier das alte Sprichwort zu gelten, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Und wer würde bestreiten, dass der FCB-Angriff mit Ribery wirkungsvoller ist?

Von 8 auf 2

Als Franck Ribery ins Team zurückkehrte, lagen die Münchner nur im Mittelfeld der Tabelle. Seitdem haben sich die Bayern Stück um Stück nach oben gearbeitet und gehen nun als Zweiter in die Winterpause, punktgleich mit Herbstmeister Hoffenheim. So lässt es sich entspannt Weihnachten feiern an der Säbener Straße!


Christof Greiner