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Berlin – Nach dem umkämpften, aber letztlich verdienten 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart geht man bei Hertha BSC Berlin entspannt in die Länderspielpause. Nicht zuletzt dank des neuen Topstürmers.

Einige Akteure durften sich bei Hertha ganz besonders über den zweiten Heimdreier in Folge freuen: Linksverteidiger Nico Schulz nach abgesessener Rotsperre sowie im offensiven Mittelfeld Änis Ben-Hatira und Valentin Stocker waren für Marcel Ndjeng, Genki Haraguchi und Ronny in die Startelf gerückt. Vor allem die beiden Offensivkräfte zahlten ihrem Trainer Jos Luhukay dessen Vertrauen mit guter Leistung zurück. Ein Mann stach bei der Hertha aber besonders heraus: Salomon Kalou.

Stürmer mit Torriecher

"Salomon ist der Mann für die besonderen Momente", pries Michael Preetz seinen Last-Minute-Einkauf. Immer mehr zeigt sich nun, was für ein toller Coup des Hertha-Sportdirektors es war, den 70-fachen ivorischen Nationalspieler an die Spree zu holen. Der Angreifer, der zuletzt in Frankreich für OSC Lille gekickt hatte, ist ein absolut kompletter Fußballer: Kopfballstark, technisch beschlagen und mit dem für einen Stürmer nötigen Torriecher  ausgestattet.

Für seine früheren Vereine Lille, FC Chelsea und Feyenoord Rotterdam – sein erster Club in Europa – erzielte Kalou insgesamt über 100 Ligatore. Mit Chelsea gewann er die Champions und die Premier League, mit der Elfenbeinküste nahm er an zwei Welt- und vier Afrikameisterschaften teil. Der 29-Jährige bringt also zudem jede Menge internationale Erfahrung mit.

Dritter Startelfeinsatz, drittes Tor

Dennoch ist der Rechtsfuß bescheiden geblieben. Auf die Frage, welche Ambitionen er persönlich in dieser Saison denn noch habe, nachdem er nun schon bei drei Treffern steht, sagte Kalou: "Ich will mit dem Team gut abschneiden. Die Mannschaft ist das Wichtigste." Auch mit Blick auf seinen Treffer zum 2:1 gab er das Lob an Vorbereiter Stocker weiter: "Es war ein guter Pass von Valentin." Trotzdem dürfte es auch für Kalou ein besonderes Gefühl sein, vor der Länderspielpause seinem Verein mit einem Doppelpack zum zweiten Saisonsieg verholfen zu haben.

"Sehr ruhig und cool" habe Kalou das 2:1 erzielt, lobte Luhukay seinen ivorischen Stürmer. Für Preetz war es eine "großartige Einzelaktion", mit der der Angreifer Hertha "auf die Siegerstraße gebracht" habe. Fakt ist: Für Kalou war es der dritte Startelfeinsatz in der Bundesliga und sein drittes Tor. Da konnten die Blau-Weißen auch leicht verschmerzen, dass Julian Schieber, der andere Drei-Tore-Stürmer im Kader, wegen eines Muskelfaserrisses nicht einsatzfähig war

Stocker und Ben-Hatira mit Startelfdebüt

Auch für Valentin Stocker und Änis Ben-Hatira war es der erste Startelfeinsatz in dieser Saison. Gemeinsam mit Roy Beerens bildeten die beiden eine schwer ausrechenbare Dreierreihe, die immer wieder die Positionen tauschte und vor Lauffreude und Spielwitz nur so sprühte. Nicht umsonst hatte Manager Michael Preetz "in Phasen unsere beste Saisonleistung gesehen". Für Stocker freute es den früheren Bundesliga-Torschützenkönig "besonders, weil er hier einen schweren Start hatte".

Der Schweizer, der nach der WM und dem Wechsel in die Bundeshauptstadt lange nach seiner Form suchte, zeigte mit der Vorbereitung der beiden ersten Tore erstmals, warum er im Sommer lange als Königstransfer der Hertha galt. "Er hat ein großartiges Spiel gemacht", so Preetz. Und Nebenmann Roy Beerens hat sich mit seinem ersten Bundesligator "belohnt für den großen Aufwand der letzten Wochen", sagte Preetz.

Matchwinner Luhukay

Auch Jos Luhukay, der in den vergangenen Wochen erstmals in seiner Amtszeit unter heftiger Kritik bei Medien und vielen Fans stand, durfte sich als Matchwinner fühlen. Der Niederländer hatte mit seinen Umstellungen alles richtig gemacht. "Natürlich", so der der Hertha-Coach, sei es auch ein wenig glücklich gewesen, dass er vor dem zweiten Treffer den Torschützen Salomon Kalou und vor dem dritten den Vorlagengeber Änis Ben-Hatira schon auswechseln wollte und die Wechsel nur noch nicht zustande gekommen waren, weil es noch keine Spielunterbrechung gegeben hatte. Aber es war eben das Glück des Tüchtigen.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo