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München - Um 23.45 Uhr musste Ousmane Dembélé noch einen finalen Sprint hinlegen. Während seine Teamkollegen schon im Mannschaftsbus auf ihn warteten, eilte der 19-Jährige als letzter durch die Mixed Zone der Allianz Arena. Zuvor hatte Dembélé seine Sprintstärken auf dem Rasen unter Beweis gestellt und Borussia Dortmund beim 3:2-Erfolg beim FC Bayern München den Weg ins Finale des DFB-Pokals geebnet.

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Seine Mitspieler hatten Mühe, ihn einzuholen. Auf Knien rutschte Dembélé in der 74. Minute der Dortmunder Trainerbank entgegen, ehe er in einer schwarz-gelben Jubeltraube verschwand. Unmittelbar zuvor hatte er nach einem Konter und auf Vorlage von Marco Reus den Ball eiskalt unter die Latte des Bayern-Tores zum 3:2-Endstand genagelt. Nur fünf Minuten nachdem er mit einer präzisen Flanke Pierre-Emerick Aubameyangs Ausgleichstreffer und somit die Wende für den BVB eingeleitet hatte.

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"Das war der größte Moment meiner Karriere", sagte Dembélé bei Sky. "Das Tor sowie die Vorlage werde ich so schnell nicht vergessen." Der Teenager spielt eine überragende Debütsaison in Dortmund. Im vergangenen Sommer von Stade Rennes aus der französischen Ligue 1 gekommen, startete Dembélé auch in der Bundesliga auf Anhieb durch. Sechs Tore und elf Assists lautet seine stolze Bilanz in 28 Einsätzen.

Video: Wirbelwind Dembele

Noch vor zweieinhalb Wochen zahlte Dembélé an gleicher Stelle allerdings Lehrgeld. Bei der 1:4-Niederlage in der Bundesliga gegen die Bayern (zum Matchcenter) blieb der französische Nationalspieler blass, tauchte beim Freistoßgegentor von Robert Lewandowski sogar wortwörtlich ab. "Für so hochtalentierte Spieler, die zum ersten Mal hier gespielt haben, ist das ein wichtiger Erfahrungsprozess", sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel damals. "So etwas hilft auch, um sich in einem K.o.-Spiel besser zu verhalten."

In der Tat avancierte nun ausgerechnet Dembélé zum Matchwinner, indem er mithalf, den 1:2-Pausenrückstand in einen 3:2-Sieg umzuwandeln. "Wir haben zwei tolle Tore erzielt und das Ganze mit viel Leidenschaft nach Hause verteidigt. Das fühlt sich sensationell gut an", sagte Tuchel nach dem Finaleinzug am Mittwoch.

Dortmunder Kabinenparty

Seine Spieler ließen derweil ihrer Freude über die vierte Endspielteilnahme im DFB-Pokal in Folge in der Kabine freien Lauf. "Natürlich haben wir ein bisschen gefeiert", gestand Torhüter Roman Bürki, der mit einigen starken Paraden gegen Robert Lewandowski und Arjen Robben seinen Teil zum Erreichen des Endspiels beitrug. Und im Schlüsselmoment Unterstützung von Sven Bender bekam, der mit seiner spektakulären Rettungstat gegen Robben in der 63. Minute das wohl vorentscheidende 3:1 für die Bayern verhinderte.

"Er hätte genauso gut reingehen können. Aber das sind die Momente, die du an solch einem Abend auch brauchst", sagte Bender. "Jeder Sieg, den wir momentan einfahren, fühlt sich sehr gut an. Es sind einfach schöne Momente." Besonders nach den schlimmen Erlebnissen im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag vor dem Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco vor zwei Wochen fällt die Freude über die sportlichen Erfolge noch emotionaler aus.

Reus: "Noch stärker zusammengewachsen"

"So eine Situation wünscht sich natürlich keiner, aber wir mussten sie annehmen und damit umgehen. Das haben wir gemacht", sagte Reus. "Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Wochen extrem weiterentwickelt, sowohl von der Moral, vom Kopf als auch vom Selbstbewusstsein her. Wir sind als Team noch stärker zusammengewachsen."

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Wie schon in Gladbach drehten die Dortmunder nun auch in München einen zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand. "So ein Sieg bringt uns natürlich enorm viel Selbstvertrauen und viel Zuversicht für die Zukunft", betonte Reus. In seinen Händen hielt er dabei den Dortmunder Schal mit der Aufschrift: "Immer wieder BVB - DFB-Pokalfinale 2017!" Nur allzu gerne würde er am 27. Mai statt eines Stücks Stoff die goldene Trophäe in Händen halten. Nach drei Finalniederlagen in Serie wünscht sich Reus nun gegen Eintracht Frankfurt nichts sehnlicher als den ersten großen Titel mit dem BVB: "Wenn man im Finale ist, will man auch den Pott holen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz