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Rottach-Egern - Als Igor de Camargo nach gut einer Stunde für den völlig ausgepumpten Luuk de Jong den Platz in Rottach-Egern betrat, lagen die "Fohlen" im Test gegen 1860 München mit 1:2 zurück. Am Ende siegte die Borussia unter anderem durch zwei Tore von de Camargo mit 4:2 und durfte feststellen, dass sich der Kader auf höherem Niveau in der Breite präsentiert. Bestes Beispiel dafür ist eben de Camargo, dem anzumerken war, dass er nach seinem torlosen Auftritt gegen Birmingham City etwas beweisen wollte.

"Natürlich sind Tore wichtig für mein Selbstvertrauen und erhöhen die Chance auf einen Stammplatz. Doch ich versuche einfach in der Vorbereitung alles mitzumachen und zum Bundesligastart fit zu sein", sagte de Camargo, der in den vergangenen beiden Jahren jeweils Teile der wichtigen Trainingsphase aufgrund von Verletzungen verpasst hatte.

Gladbach besitzt Alternativen



Im Gegensatz zum top fit wirkenden Belgier wird Gladbachs Neuzugang Luuk de Jong noch seine Zeit benötigen, um körperlich auf das höchste Level zu kommen. "Es war ein wirklich hartes Spiel", sagte der 21-Jährige nach der Partie. "Unser Spielstil verlangt einen hohen läuferischen Aufwand und man hat gesehen, dass wir uns noch besser abstimmen müssen." Ein Urteil, das dreieinhalb Wochen vor dem Bundesligastart wohl niemanden überrascht. Schon gar nicht VfL-Coach Lucien Favre.

"Luuk de Jong hat erst drei oder vier Trainingseinheiten mitgemacht. Die anderen trainieren schon drei Wochen zusammen, deswegen kann er noch nicht so weit sein." Somit wurde nicht de Jong sondern sein Sturmkonkurrent de Camargo zum Matchwinner gegen die "Löwen". Ein Tor mit Links und eins mit dem Kopf sowie die Hackenablage für Alexander Bieler zum Endstand - so lautete der Arbeitsnachweis des Stürmers.

Wendt und Younes überzeugten



"Gladbach hat einfach ein sehr hohes Niveau, wie man an der Einwechslung von Igor de Camargo sehen konnte. Sicherlich kommt da viel Qualität von der Bank", zollte "Löwen"-Trainer Reiner Maurer dem Gegner Respekt. Dass diese Qualität im Hinblick auf die vielen englischen Wochen der "Fohlen" von Nöten sein wird, bekräftigte auch Favre. "Es ist gut, dass die zweite Reihe funktioniert." Ein Kompliment, das der ganzen Mannschaft galt.

Neben de Camargo konnte sich Favre auch von den Fähigkeiten des 18-Jährigen Amin Younes überzeugen. Der Techniker steuerte den 1:2-Anschlusstreffer bei und überzeugte auf der linken Seite im Duett mit Oscar Wendt. Der Schwede sorgte mit seinen Flanken und Standards immer wieder für Gefahr und legte so auch das 3:2 auf. Im zentralen Mittelfeld besitzt der Coach mit Tolga Cigerci eine Alternative. Diese Vielfalt fehlte Favre in der vergangenen Saison.

"Xhaka ist ein richtiger Spielgestalter"



Der andere prominente Neuzugang Granit Xhaka bot eine engagierte Leistung. Der Schweizer deutete über 70 Minuten an, wie das Spiel der Borussia in Zukunft aussehen wird mit ihm als Taktgeber. Der 19-Jährige forcierte das Tempo im Spielaufbau seiner Mannschaft immer wieder per Kurzpassspiel und suchte stets die spielerische Lösung.

"Xhaka ist ein richtiger Spielgestalter und fordert die Bälle. Ich mag seinen Spielstil, weil er eine große Übersicht hat und immer nach dem freien Mann schaut", sagte de Jong über seinen Vereinskollegen. Wohl wissend, dass auch er von den Ideen Xhakas profitieren wird. "Meine Tore werden kommen", versprach de Jong. Ansonsten steht Igor de Camargo bereit.

Steffen Hoss