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Hannovers Torwart Robert Enke musste wegen eines Kahnbeinbruchs über drei Monate lang pausieren und verlor in der Zwischenzeit auch seinen Posten im Kasten der deutschen Nationalmannschaft an den Leverkusener Rene Adler. Nun gab Enke beim 2:1 (0:1)-Testspielsieg gegen den FC Augsburg sein Comeback.

Im Interview spricht der Kapitän der Niedersachsen über seine Leidenszeit, die Aussichten der 96er für die Rückrunde, über einen möglichen Vereinswechsel und sein Karriereende in Portugal.

Frage: Herr Enke, wie groß war die Freude nach Ihrem Kahnbeinbruch und 100-tägiger Verletzungspause wieder zwischen den Pfosten zu stehen?

Robert Enke: Es war ein schönes Gefühl, auch wenn es nur ein Testspiel war. Mir fehlt natürlich noch einiges bis zu den 100 Prozent. Ich muss jetzt Spielpraxis sammeln. Dabei ist es im Moment eigentlich noch egal, ob man an einer Flanke vorbeifliegt. Das muss sich jetzt erst finden, das Timing, das Zusammenspiel mit den Mitspielern.

Frage: Die Verletzung ist ausgeheilt?

Enke: Der Knochen ist gut durchbaut. Die Muskeln, Sehnen und Bänder sind aber noch nicht so, wie sie einmal waren. Ich bin aber auf einem guten Weg.

Frage: Was hat denn in den letzten Monaten mehr geschmerzt - die Hand oder die Tatsache, dass sie ihren Platz in der Nationalmannschaft kampflos Rene Adler überlassen mussten?

Enke: Klar hat es geschmerzt, zuzugucken, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft, gerade bei den beiden Spielen gegen Russland und Wales. Aber andere Fußballer hatten deutlich mehr Verletzungen als ich. Da kann ich mich nicht beklagen. Ich hatte in 14 Jahren nie eine schwere Verletzung.

Frage: Wie sehen Sie Ihren aktuellen Status in der Nationalmannschaft?

Enke: Ich denke, das Rennen ist offen. Der Rene hat zweieinhalb Spiele gemacht, ich vor meiner Verletzung vier. Ich glaube nicht, dass da irgendeine Entscheidung gefallen ist. Das nächste halbe Jahr ist sicher entscheidend, aber ich muss erstmal Schritt für Schritt denken.

Frage: Hat sich Bundestrainer Joachim Löw bei Ihnen schon gemeldet?

Enke: Es gab vor Weihnachten einmal Kontakt, auch Bundes-Torwarttrainer Andreas Köpke hat sich gemeldet.

Frage: IhrCKlub Hannover liegt auf einem enttäuschenden 13. Platz. Wie ist die Ausgangssituation vor der Rückrunde?

Enke: Wir haben zu wenig Punkte geholt und zu wenig Spiele gemacht, wo wir überzeugen konnten. Aber es ist hoffentlich jeder in sich gegangen, sodass jetzt wieder alles normal läuft. Wir haben natürlich immer noch Probleme mit Verletzungen, aber das haben andere Teams auch. Ich sehe uns auf einen guten Weg.

Frage: Wie groß sind denn die Abstiegsängste in Hannover?

Enke: Das ist eine gefährliche Situation. Wir haben nur 17 Punkte geholt und nur deshalb einen gewissen Abstand zu den Abstiegsplätzen, weil es Mannschaften gab, die noch weniger geholt haben. Dessen ist sich jeder bewusst. Unser Ziel sollte nun ein gesicherter Mittelfeldplatz sein. Nur nicht absteigen zu wollen, ist mir da doch zu wenig. Wir sollten so eine Rückrunde spielen, dass der Klassenerhalt frühzeitig klar ist. Die Stimmung in der Mannschaft ist absolut in Ordnung. Es wird konzentriert gearbeitet.

Frage: Wie wurde die Entscheidung aufgenommen, dass Sportdirektor Christian Hochstätter den Verein verlassen wird.

Enke: Das war seine Entscheidung, die man akzeptieren muss und die für uns auf die Vorbereitung für die Rückrunde keine Rolle spielen darf.

Frage: Für einen internationalen Platz dürfte es mit ziemlicher Sicherheit nicht reichen. Wie sehr beeinträchtigt dies Ihre Chancen in der Nationalmannschaft?

Enke: Die letzten vier Jahre habe ich auch nicht im Europacup gespielt. Trotzdem wurde ich eingeladen, war bei der EM dabei und habe die ersten Länderspiele gemacht. Ich kann auch bei Hannover 96 Nationalspieler sein.

Frage: Trotzdem dürfte die Situation nicht befriedigend für Sie sein.

Enke: Ich habe mich damals bei der Vertragsverlängerung für 96 entschieden. Da gehört es dazu, auch in nicht so guten Zeiten zum Verein zu stehen.

Frage: Ihr Vertrag läuft 2010 aus. Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Enke: Es ist klar, dass ich bis zum Saisonende bei Hannover 96 bin. Ich werde aber nie etwas versprechen. Es weist momentan nichts daraufhin, dass ich nächste Saison nicht mehr hier bin. Vielleicht wird ein Wechsel im Sommer ein Thema, vielleicht aber auch nicht.

Frage: Verhandlungen mit Hannover über eine Vertragsverlängerung haben Sie abgelehnt.

Enke: Das wäre momentan der falsche Zeitpunkt. Letztes Mal habe ich ein halbes Jahr vor Vertragsende verlängert, jetzt sind noch eineinhalb Jahre Zeit. Es gibt keine Notwendigkeit, Stress zu machen. Ich war immer ehrlich zum Verein. Ob ich den Vertrag verlängere, vermag ich jetzt nicht zu sagen.

Frage: Was ist an den immer wiederkehrenden Gerüchten mit Bayern München dran?

Enke: Ich habe in Hannover das Winterloch gefüllt, obwohl ich gar nichts dafür kann. Ich habe nur gesagt, dass ich in meiner Karriere irgendwann nochmal für Benfica Lissabon spielen und vorher gerne einen Titel in Deutschland gewinnen würde. Daraus wurde gefolgert, dass dies nur bei den Bayern möglich ist.

Frage: Sie sprechen Portugal an. Ist das Ihre zweite Heimat geworden?

Enke: Auf jeden Fall. Wir haben in der Nähe von Lissabon ein Haus. Es kann durchaus sein, dass wir dort wieder hinziehen.