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Hamburg/München - In einer turbulenten und enorm schwierigen Saison ist er einer der wenigen echten Konstanten im Team von Tabellenschlusslicht Hamburger SV: Linksverteidiger Dennis Aogo, der bislang keine Saisonminute verpasste und gegen Stuttgart und Schalke zuletzt wieder stark ansteigende Form aufwies.

Aogo ist auch der einzige Hamburger, der trotz der Krise der "Rothosen" weiterhin in den Kader von Bundestrainer Joachim Löw berufen wurde - eine weitere Bestätigung für das Vertrauen in die Fähigkeiten des Ex-Freiburgers.

"Wir denken jetzt nicht: 'Oh, der große SC Freiburg'"

Am Sonntag reist der HSV ins Breisgau zu dem Club, bei dem Aogo seine ersten Bundesligaschritte unternahm. "Das sind Big Points im direkten Vergleich", weiß Aogo um die brenzlige Situation im Tabellenkeller. Dennoch gibt sich der Linksfuß vor der Partie durchaus selbstbewusst: "Wir denken jetzt nicht: 'Oh, der große SC Freiburg.' Wir brauchen vor Freiburg keine Angst zu haben und haben das Ziel, mit einem Sieg nach Hamburg zurückzukehren", sagt der 24-jährige.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht er über die Partie gegen den SC und Hamburgs verbesserte Form. Er verrät seine Erwartungen an den neuen Coach Thorsten Fink und schätzt die momentane Situation mit Frank Arnesen auf der Trainerbank ein.

bundesliga.de: Herr Aogo, seit Donnerstag steht fest, dass Thorsten Fink neuer Trainer des Hamburger SV wird. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Dennis Aogo: Ich habe mich gefreut. Es ist immer gut, wenn eine Entscheidung getroffen wird. Von Thorsten Fink habe ich bislang nur Gutes gehört. In Basel hat er die letzten beiden Jahre sehr erfolgreich gearbeitet und mit seiner Mannschaft auch schon in der Champions League für Furore gesorgt. Dazu hat er als Spieler alles gewonnen, was man gewinnen kann.

bundesliga.de: Was wissen Sie über ihn und seine Vorstellungen vom Fußball?

Aogo: Thorsten Fink war selbst ein Top-Spieler - das holt ihn gleich nah an die Mannschaft. In Basel hat er einen sehr offensiven Fußball über die Außen spielen lassen. Das freut mich als Außenverteidiger auch. Die genauen Details seiner Arbeit werde ich dann ja in der kommenden Woche kennen lernen dürfen.

bundesliga.de: Am Sonntag beim SC Freiburg wird noch Frank Arnesen zusammen mit Rodolfo Cardoso auf der Bank sitzen. Wie geht die Mannschaft mit dieser Situation um?

Aogo: Letztendlich ist es egal, wer auf der Bank sitzt. Auch nach dem Trainerwechsel ändert sich die Situation für uns nicht. Wir müssen auf dem Platz bestehen und Siege einfahren. Da ist es nicht wichtig, wer auf der Bank sitzt. Wir sind als Team gefordert. Wir müssen uns darum kümmern, wofür wir angestellt sind. Entsprechend müssen wir zusehen, dass wir die Punkte jetzt holen.

bundesliga.de: Auch die Breisgauer stecken im Tabellenkeller. Wird das Spiel eine Vorentscheidung liefern, wo es für die beiden Vereine hingeht?

Aogo: Die nächsten drei Spiele sind enorm wichtig für uns, da sie gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenregion sind. Wir wollen natürlich gewinnen und uns unten herauskämpfen. Das sind Big Points im direkten Vergleich. Mit einem Sieg könnte sich Freiburg absetzen, das wollen wir auf jeden Fall verhindern und selbst aufrücken. Das ist nicht einfach, weil Freiburg zu Hause immer besser ist als auswärts.

bundesliga.de: Nach dem ersten Saisonsieg in Stuttgart setzte es zuletzt gegen Schalke eine knappe 1:2-Niederlage. Wie wollen Sie jetzt wieder die Trendwende schaffen, was muss besser werden?

Aogo: Es klingt paradox, aber gegen Schalke haben wir unser bestes Heimspiel absolviert. Wir sind auf einem guten Weg. In den letzten Spielen stand die Defensive besser als zuvor, und auch in der Offensive konnten wir überzeugen. Das was wir jetzt brauchen sind Punkte.

bundesliga.de: Von 2002 bis 2008 spielten Sie im Breisgau. Welche Verbindungen bestehen noch?

Aogo: Freiburg ist noch immer ein Stück Heimat für mich. Auch wenn ich mich jetzt in Hamburg sehr wohl fühle. Der Kontakt reißt nicht ab, und ich freue mich immer wieder in Freiburg bekannte Gesichter zu sehen. Dort habe ich mein erstes Bundesligaspiel gemacht. Ich habe dem Verein viel zu verdanken.

bundesliga.de: Zuletzt gelang dem SC ein "Dreier" gegen Gladbach. Wie schätzen Sie das Team von Marcus Sorg ein? Wer geht als Favorit ins Spiel?

Aogo: Wir denken jetzt nicht: "Oh, der große SC Freiburg." Wir brauchen vor Freiburg keine Angst zu haben und haben das Ziel, mit einem Sieg nach Hamburg zurückzukehren. Aber es ist interessant, dass Freiburg es jedes Jahr schafft, sein Potenzial abzurufen und eine gute Truppe auf das Feld zu bringen.

bundesliga.de: Hamburg hat 20, Freiburg sogar 22 Gegentore hinnehmen müssen - die Negativwerte in der Liga. Erwartet die Fans ein offenes Spiel mit vielen Treffern? Oder haben Sie trotz der vielen Gegentreffer das Gefühl, dass sich Ihre Defensive langsam stabilisiert?

Aogo: Egal ob 5:4 oder 1:0. Wichtig ist, dass wir die Punkte einfahren. Freiburg hat sich nie versteckt und wird jetzt auch nicht anfangen zu bunkern, sondern nach vorne spielen. Ich erwarte demnach ein offenes Spiel. Unsere Defensive hat sich in den letzten Spielen aber enorm stabilisiert.

bundesliga.de: Wie wollen Sie Freiburgs Tormaschine Papiss Demba Cisse stoppen?

Aogo: Das gelingt nur im Team. Wir müssen in erster Linie unser Spiel umsetzen. Cisse ist ein besonderer, sehr torgefährlicher Spieler mit großer Qualität. Aber diese Qualität haben wir auch.

Die Fragen stellte Christoph Gschoßmann