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München - Wenn es in der abgelaufenen Spielzeit einen Unglücksraben gab, dann Michael Ballack. Seine Rückkehr zu Bayer Leverkusen gestaltete sich ganz anders als erhofft: Der Mittelfeldstar, der im Sommer vom FC Chelsea zum "Werksclub" gewechselt war, hatte mehr mit Verletzungssorgen als mit Gegenspielern zu kämpfen.

Das Unglück fing bereits im Mai 2010 an, als ein Foul von Kevin-Prince Boateng im englischen Cup-Finale Ballack die WM in Südafrika kostete. Statt auf Titeljagd mit der DFB-Elf zu gehen, musste sich der "Capitano" auf Krücken fortbewegen und verpasste damit auch Teile der Saisonvorbereitung seines neuen Teams.

Zweifaches Verletzungspech

Doch Ballack biss auf die Zähne, kämpfte sich wieder heran - und feierte beim 2:0-Sieg seines neuen Teams beim späteren Deutschen Meister Borussia Dortmund sein Comeback. Dieses sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein, denn bereits zwei Spieltage später erwischte es den damals 33-Jährigen erneut: Beim 2:2 in Hannover zog sich Ballack die nächste schwere Verletzung (Fraktur im Schienbeinkopf) zu, die ihn die gesamte restliche Vorrunde kostete.

Zwar kam der ehemalige Chelsea-Star nach der Winterpause peu a peu wieder auf die Beine, doch die lange Verletzungspause konnte Ballack natürlich nicht abschütteln: Prägende Aktionen in der Offensive fand man nur spärlich, und auch defensiv ist der "Capitano" nicht so präsent wie gewohnt. Konsequenz: Bayer-Trainer Jupp Heynckes verzichtete zwischenzeitlich auf ihn, was zu einigen Dissonanzen führte.

Kein Treffer, ein Assist

Erst als sich die Spielzeit dem Ende zuneigte, fand Ballack ansatzweise zu alter Stärke zurück - doch insgesamt lesen sich Leistungsdaten nicht wie die eines Superstars: In 17 Bundesliga-Einsätzen (davon 13 Mal in der Startelf) blieb der Mittelfeldspieler ohne Torerfolg. Das war ihm zuvor nur ein Mal in Deutschlands Eliteliga passiert - in seiner ersten Saison 1997/98 im Kaiserslautern-Trikot (16 Spiele). Einen Assist konnte Ballack zumindest verbuchen.

Zum Vergleich: In seiner Bundesliga-Karriere erzielte der 34-Jährige insgesamt 75 Tore, auf die neun Spielzeiten zuvor umgerechnet waren das rund acht Tore pro Spielzeit. Und auch in der Vorsaison hatte er immerhin vier Mal für den FC Chelsea getroffen und fünf Treffer direkt vorbereitet.

Auch in der Zweikampfbilanz blieb Ballack ein Schatten seiner selbst: Lediglich 44 Prozent seiner Zweikämpfe konnte er gewinnen, sein Bundesliga-Durchschnittswert lag zuvor bei weit über 50 Prozent. Es ist Michael Ballack jedoch zuzutrauen, dass er in der neuen Saison zurück in die Spur findet - wenn er vor einer weiterem Seuchenjahr verschont bleibt.

Johannes Fischer