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Im Kampf um die Europa-League-Plätze hat der Hamburger SV einen Rückschlag erlitten. Mit 0:1 verloren die Norddeutschen nach einer über weite Strecken enttäuschenden Vorstellung bei Borussia Mönchengladbach.

Damit rangiert der HSV mit vier Punkten Rückstand auf den Tabellen-Fünften Werder Bremen auf Platz 6. Nach der Pleite im Borussia-Park stellte sich HSV-Mittelfeldspieler Piotr Trochowski zum Gespräch mit bundesliga.de.

bundeslia.de: Piotr Trochowski, der HSV hat 0:1 in Mönchengladbach verloren. Was lief falsch?

Piotr Trochowski: Wir haben das Spiel verdient verloren, weil wir zu wenig getan haben. Wir hatten zwar mehr Ballbesitz als der Gegner, konnten aber nicht die Torgefahr ausstrahlen und die entscheidende Situation für uns verbuchen. Der Gegner hat das gut gemacht, auf unsere Fehler gewartet und ist dann mit vielen Spielern nach vorne geschossen. Dann hat die Borussia über einen Standard ihr Tor gemacht. Da sind sie gefährlich. Wir hatten keine Ideen mehr, um das Spiel zu drehen.

bundeslia.de: Warum nicht?

Trochowski: Das ist eine gute Frage. Wenn man die letzten Spiele nicht gewinnt, wenn man von den letzten zehn Spielen nur zwei gewinnt, setzt sich das ein bisschen in den Köpfen fest. Dann wird es schwer, die Spiele zu drehen.

bundeslia.de: Was läuft falsch beim HSV nach der sehr guten Vorrunde, in der man mit den Topteams mithalten und einige schlagen konnte?

Trochowski: Das sieht man auf dem Spielfeld. Wir spielen nicht so wie in der Hinrunde, als wir die Ordnung hielten und kompakt von vorne bis nach hinten agierten. Wir tun uns schwer, wenn es nicht läuft. Wir verlieren zu schnell die Kompaktheit. Das reicht, um in der Bundesliga auch gegen vermeintlich schwächere Mannschaften nicht gut auszuschauen. Deswegen muss man konzentriert an die Sache herangehen und versuchen, über 90 Minuten eine sehr gute, kompakte Mannschaftsleistung abzurufen und sich dann vorne Torchancen herauszuspielen. Das ist zurzeit nicht da.

bundeslia.de: Wer ist dafür verantwortlich, dass es nicht läuft?

Trochowski: Die Mannschaft. Die steht auf dem Feld. Wir müssen das umsetzen. Wir sind vom Potenzial her zu gut aufgestellt. Deswegen sind wir Schuld an der Misere.

bundeslia.de: Einige wenige Fans fordern den Rauswurf des Trainers. Können Sie das nachvollziehen?

Trochowski: Nein. Wir sind in der entscheidenden Phase der Saison. Wir müssen wichtige Spiele für uns entscheiden, es geht um die Europa League. Wir müssen einen guten Abschluss der Saison hinkriegen. Wir sind noch im Viertelfinale der Europa League. Da brauchen wir einfach jede mögliche Kraft, Ruhe und einen freien Kopf, damit wir nach vorne spielen können. Der Trainer ist nicht Schuld. Wir stehen auf dem Spielfeld, wir müssen die Spiele drehen. Wenn wir sie nicht gewinnen, dann sind wir diejenigen, die kritisiert werden müssen.

bundeslia.de: Das Restprogramm liest sich auf dem Papier machbar. Der Anspruch des HSV muss doch sein, mindestens unter den ersten Sechs zu landen.

Trochowski: Klar. Wir haben Riesenansprüche. Nur müssen wir ihnen auch gerecht werden. Wir müssen auch Spiele wie gegen Mönchengladbach gewinnen. So eine Leistung darf uns nicht passieren. Wir wollen wenigstens einen guten Saisonabschluss erreichen. Aber das ist auch in den letzten Jahren der Fehler gewesen, dass wir am Ende sehr stark abgebaut und große Chancen vertan haben. Das ist schade, wenn man eine ganze Saison so viel investiert und am Ende fast mit leeren Händen dasteht.

bundeslia.de: Lassen Sie die vielen Verletzten und die Doppelbelastung mit den Spielen in der Europa League als Erklärung gelten?

Trochowski: Normalerweise müssen wir das von unserem Potenzial und unserem Kader her wegstecken. Auch die Mannschaft, die in Mönchengladbach auf dem Platz stand, war stark genug.

bundeslia.de: In der Europa League steht der HSV gut da. Im Viertelfinale trifft man auf Standard Lüttich. Ist das nun das große Saisonziel?

Trochowski: Natürlich. Das Finale findet in Hamburg statt. Das ist das große Ziel. Dementsprechend wollen wir am Donnerstag auftreten. Mit dem Gladbach-Spiel im Kopf wird das nicht einfacher. Aber dann muss man einmal den Kopf abschalten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski