ANZEIGE

Wolfsburg - Der 1. FSV Mainz 05 war gegenüber dem 3:2 gegen den FC Bayern München beim 2:2 beim VfL Wofsburg nicht wiederzuerkennen. Nur 33,3 Prozent der Zweikämpfe konnten die Rheinhessen in der ersten Spielhälfte gewinnen - "völlig untypisch für unser Spiel", sagte Christian Wetklo gegenüber bundesliga.de nach der Partie.

Kollege Andreas Ivanschitz sprach sogar von der "schlechtesten ersten Halbzeit" seit er in Mainz sei. In der Pause ist Trainer Thomas Tuchel, der bereits nach 30 Minuten Yunus Malli für Marco Caligiuri gebracht und seine Anfangstaktik über den Haufen geworfen hatte, "sehr laut geworden", verriet Wetklo.

Und die Spieler erinnerten sich an das Spiel in der Vorsaison. Damals hatte der 1. FSV nach einem 0:3-Rückstand noch 4:3 gewonnen. So weit kam es am Samstag nicht. Dennoch steigerten sich die 05er in Durchgang zwei enorm und nahmen noch einen Punkt mit. Mit sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen zeigt die Tendenz des Vorjahresfünften deutlich nach oben.

bundesliga.de Herr Wetklo, 2:2 nach 0:2-Rückstand. Da kommen Erinnerungen an das 4:3 nach 0:3 in der Vorsaison auf...

Christian Wetklo: Das ist richtig. Darüber haben wir Spieler uns sogar in der Halbzeit unterhalten, so als Mutmacher für die zweiten 45 Minuten. Spiele gegen Wolfsburg sind ja nie ganz normal.

bundesliga.de Und es fallen immer viele Tore - 4,2 im Schnitt...

Wetklo:(lacht) Dann waren wir ja nah dran. Hat ja nur ein halbes Tor gefehlt.

bundesliga.de Wie haben Sie denn dieses Spiel gesehen?

Wetklo: Es waren zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten. In der ersten Halbzeit war unser Spiel eine Katastrophe.

bundesliga.de: In der ersten Halbzeit hat der FSV gerade mal 33 Prozent der Zweikämpfe gewonnen...

Wetklo: Das meine ich. Das ist völlig untypisch für unser Spiel. Das konnte man auch an der Körpersprache erkennen. Wir waren überhaupt nicht präsent. Deshalb hat der Trainer ja auch schon nach 30 Minuten reagiert und das System umgestellt.

bundesliga.de In der zweiten Hälfte war es dann beinahe umgekehrt. Hat der Trainer in der Halbzeit noch viel sagen müssen oder waren durch die taktische Umstellung die Weichen für die Aufholjad gestellt?

Wetklo: Er ist sehr laut geworden und hat deutliche Worte gefunden. Er hat die Fehler deutlich angesprochen und uns uns noch einmal an die taktischen Anweisungen, aber auch an die guten Leistungen in den letzten Wochen erinnert. Er hat gesagt, wir gehen jetzt da raus und gewinnen zumindest die zweite Halbzeit. Das hat dann ja auch geklappt. Wir waren in der zweiten Hälfte einfach viel präsenter. Am Ende hätten wir das Spiel sogar noch vollständig drehen können.

bundesliga.de Zu ihrer Leistung: Sind Sie zufrieden?

Wetklo: Nein, so richtig zufrieden bin ich nicht.

bundesliga.de Das 2:0 war ein Eigentor von Jan Kirchhoff mit dem Kopf innerhalb des Fünfmeterraums. Mussten Sie da nicht ran?

Wetklo: Das können auch nur Leute sagen, die nie im Tor gestanden haben. Der Ball hatte eine ganz schöne Höhe - und dann fälscht Jan ihn unglücklich ab. Außerdem kam der Ball ja nicht irgendwie von einer Ecke oder aus großer Entfernung, sondern aus 18, 19 Metern von vorn relativ scharf in den Strafraum. Da muss man nicht unbedingt raus.

bundesliga.de Hatten Sie beim 0:1 nicht mal das Gefühl, dass der Rückpass für Sie gedacht war?

Wetklo: Doch. Ich war ja auch in der Vorwärtsbewegung, doch dann sah ich, dass sich Niko (Bungert; d. Red.) auch zum Ball bewegt. Er muss im selben Augenblick zu mir geschaut haben. Da hat sich dann einer auf den anderen verlassen, und wir bremsten gleichzeitig ab. Wenn man da unten im Tor steht, dann muss man viele Möglichkeiten in kurzer Zeit abwägen. Auf der Tribüne hätte ich sicher gesagt: "Da muss der Torwart raus". Und wenn ich es jetzt genau überlege: Ja, da hätte ich hingehen müssen. Das Ding geht auf meine Kappe.

bundesliga.de 3:1 gegen den VfB Stuttgart, 3:2 über den großen FC Bayern München, jetzt ein 2:2. Sieben Punkte aus den vergangenen drei Spielen. Hat die Mannschaft sich nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Andre Schürrle und Lewis Holtby im Sommer endlich gefunden?

Wetklo: Natürlich wird das Zusammenspiel mit der Zeit immer besser, aber wir haben diese Saison auch schon viele Punkte unglücklich liegen lassen. Wir spielen unser Spiel mit den Spielern, die nun mal da sind. Es bringt doch nichts, über Abgänge zu jammern.

bundesliga.de Aber Platz 5 aus dem Vorjahr wird die Mannschaft wohl kaum wiederholen?

Wetklo: Darüber müssen wir im Moment nicht nachdenken. Wir dürfen nicht vergessen, das war ein Spiel gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf. Da können wir mit dem Punktgewinn zufrieden sein.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs