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München - Vor achteinhalb Jahren konnte der 1. FC Köln letztmals Borussia Dortmund schlagen. Dirk Lottner gelang damals ein sehenswertes Freistoßtor zum 1:0-Sieg der "Geißböcke".

Seitdem hat der FC in zehn Duellen mit dem BVB nur noch ein Unentschieden geholt. Auch in diesem Jahr ist der Tabellenführer Favorit. Im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de glaubt Dirk Lottner, der inzwischen Coach der Kölner U21-Mannschaft ist, dennoch an eine Chance des FC.

bundesliga.de: Dirk Lottner, am Sonntag spielt der 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund. Die letzten sieben Spiele gegen den BVB gingen alle verloren. Beim letzten Kölner Erfolg haben Sie vor achteinhalb Jahren das Siegtor geschossen. Was ist von dem 1:0 im Jahr 2003 hängen geblieben?

Dirk Lottner: Ich weiß noch, dass es damals ein ganz wichtiger Sieg war. Das Tor ist vielen Leuten noch in Erinnerung geblieben. Ich werde öfter darauf angesprochen. Es war auch ein sehr schöner Sieg.

bundesliga.de: Sie wissen, wie es geht. Wie schlägt man den BVB?

Lottner: Die Dortmunder Mannschaft sah damals etwas anders aus. Aber die hatten auch viele ganz feine Fußballer in ihren Reihen. Entscheidend wird am Sonntag sein, dass der FC als Mannschaft kompakt und geschlossen steht, dem BVB nur ganz wenig Räume gibt und Überzahlsituationen schafft.

bundesliga.de: Wie dicht sind Sie an der Profimannschaft?

Lottner: Der Austausch mit dem Cheftrainer Stale Solbakken ist ganz hervorragend. Wir kommunizieren viel miteinander auch über Patrick Weiser. Wir sind in einem regen Austausch. Mir macht mein Job als Kölner U21-Trainer täglich großen Spaß. Ich freue mich, den jungen, willigen Spieler dabei zu helfen, sie auf ihrem Weg zur Profikarriere zu begleiten und zu unterstützen.

bundesliga.de: Kommen wir auf den BVB zu sprechen. Was zeichnet die Borussia aus?

Lottner: Man hat es auch beim Pokalspiel in Fürth wieder gesehen, dass die Borussia ein Team ist, dass über Engagement, Laufbereitschaft und seine Geschlossenheit funktioniert. Sie ist spielerisch stark. Und das Besondere ist, dass sich in der Truppe niemand zu schade ist, auch die Laufwege nach hinten zu machen. Jeder gibt alles für den mannschaftlichen Erfolg. Deshalb ist es sehr schwer, gegen Dortmund Tore zu erzielen.

bundesliga.de: Hätten Sie Dortmund zugetraut, dass es die Erfolge des Vorjahres wiederholen kann?

Lottner: Ich bin schon etwas überrascht, dass die Dortmunder auch in dieser Saison wieder so stark aufspielen. Am Anfang der Saison sah es ja nach einem Durchmarsch der Bayern aus. Aber dann ist Dortmund zurückgekommen und hat auch Ausfälle gut kompensieren können. Es macht Spaß, der Mannschaft zuzusehen. Die Spieler bringen, wie es auch Jürgen Klopp richtig sagt, 100 Prozent Einsatzwillen. Es ist eine sehr gute Mannschaft.

bundesliga.de: Ist der BVB der große Meisterschaftsfavorit?

Lottner: Das wird sich zeigen. Wir haben in dieser Saison schon gesehen, dass sich das Blatt auch sehr schnell wieder drehen kann. Die Bayern hatten ihre Krise und haben dann in den letzten drei Spielen vor dem Pokalhalbfinale 20 Tore geschossen. Es ist noch alles möglich.

bundesliga.de: Der FC hat dagegen nach einer guten Vorrunde in der Rückrunde sechs von neun Spielen verloren. Wie erklären Sie sich die Probleme?

Lottner: Der FC hat in der ganzen Saison vor allem damit zu kämpfen, dass der Trainer wegen Verletzungen, Sperren und Ausfällen nie zwei Mal hintereinander mit der gleichen Abwehr und Doppelsechs spielen konnte. Hinzu kamen die Verletzungen von Milivoje Novakovic, Lukas Podolski und anderen. Das sind tragende Säulen der Mannschaft. Und es war und ist für den FC nicht leicht, diese Ausfälle aufzufangen.

bundesliga.de: Was macht Hoffnung?

Lottner: Die Mannschaft hat in der Rückrunde die beiden entscheidenden Spiele in Kaiserslautern und gegen Hertha BSC gewonnen. Da war die Mannschaft voll fokussiert, das stimmt mich zuversichtlich für die kommenden wichtigen Spiele, wie die in Augsburg und Freiburg.

bundesliga.de: Ihr Tipp für Sonntag?

Lottner: Ich hoffe, dass die Abwehr ganz gut steht und "Poldi" oder "Nova" treffen. Ich tippe auf ein 1:1.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski